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    Ein dickes Minus für die Realschulen plus im Kreis Bad Kreuznach

    Kreis Bad Kreuznach - Die Folgen des demografischen Wandels werden viele Bereiche in den kommenden Jahren drastisch zu spüren bekommen – auch die Schulen im Kreis Bad Kreuznach.

    Foto: RZ Grafik

    Von Gustl Stumpf, Stephan Brust und Denis Bergfeld

    Davon geht die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz nach einer Untersuchung zur Schullandschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz aus (wir berichteten). Doch im Bildungsministerium und in den Schulen der Region regt sich Widerstand gegen die IHK- Zahlen.

    Laut „IHK-Schulatlas“ erreichen im Jahr 2020/21 viele Schularten nicht mehr die Zahlen, die das Land als Soll-Vorgabe festlegt. Besonders betroffen, so die Studie: die Realschulen plus, aber auch Integrierte Gesamtschulen (IGS) und Grundschulen im Kreis. Die Zahlen, die die IHK als „aktuell“ bezeichnet, stammen vom Statistischen Landesamt aus dem Schuljahr 2012/13. Demnach sind heute schon vier von sieben Realschulen plus im Kreis aufgrund rückläufiger Schülerzahlen als gefährdet einzustufen, betont die Industrie- und Handelskammer: Kirn (Realschule plus auf Kyrau), Langenlonsheim, Meisenheim und Waldböckelheim/Wallhausen. Wobei die zweite Kirner Realschule plus Auf Halmen gar nicht in den Daten auftaucht, weil sie 2012/13 noch als Realschule fungierte.

    Zu den vier aktuell gefährdeten Realschulen plus, ergänzt die IHK, gesellen sich 2020/21 auch noch die Standorte in Bad Münster-Ebernburg und Bad Sobernheim. Der einzige Standort, der als „wenig gefährdet“ betitelt wird, ist die Realschule plus an der Heidenmauer in Bad Kreuznach, die nach IHK-Berechnungen 2020/21 noch 632 Kinder unterrichtet. Landrat Franz-Josef Diel begrüßt zwar, dass sich viele Gedanken machen um den Nachwuchs, fordert aber zugleich, vorsichtig zu sein mit vorschnellen Prognosen. „Natürlich werden die Schülerzahlen zurückgehen, aber wir haben genügend Stellschrauben, um zu reagieren“, erklärt er. Ein wichtiger Schritt bei den Realschulen plus sei die Rückkehr von der Dreizügigkeit zur Zweizügigkeit. „Dafür setze ich mich vehement ein. Dann haben wir für längere Zeit Ruhe an den Schulen“, unterstreicht Diel.

    Zurück zur IHK-Studie. Sie malt auch für die beiden Integrierten Gesamtschulen (IGS) in Stromberg und Bad Kreuznach ein düsteres, allerdings stark umstrittenes Bild. Obwohl die IHK generell bei den Integrierten Gesamtschulen als einzige Schulform mit einem Wachstum von 5,3 Prozent in den nächsten sechs Jahren rechnet. Sie seien bereits heute als gefährdet einzustufen. Bis 2020 würde sich die Standortsicherheit nur unwesentlich verändern, heißt es. Das jedoch widerspricht völlig dem aktuellen Trend, der an der IGS in Bad Kreuznach und der IGS Stromberg zu spüren ist und sich dort auch in Zahlen niederschlägt. Beide wachsen enorm, sind sogar so stark nachgefragt, dass sie viele Kinder aufgrund der Vorgaben des Landes nicht aufnehmen können.

    Dieter Koch-Schumacher, der Kreuznacher IGS-Leiter, sagt: „Wir haben allein im nächsten Jahr schon circa 560 Schüler. Und bis 2020 sind es in jedem Fall mehr als 800.“ Das korrespondiert auch mit dem Schulentwicklungsplan des Kreises, was auch Grundlage für die Entscheidung des Kreistags war, die Schulstandorte Ringstraße und Heidenmauer (Realschule plus) schon in diesem Sommer zu tauschen. Die IHK geht bei der Kreuznacher IGS 2020 gerade mal von 449 Schülern aus, was sich Koch-Schumacher überhaupt nicht erklären kann. „Die Frage ist bei solchen Studien natürlich auch immer, wie belastbar ihre Zahlen sind“, ergänzt er. „Aus welchen Informationen die IHK glaubt, darauf schließen zu können, dass unser Schulstandort gefährdet ist, erschließt sich mir nicht im Geringsten“, sagt der stellvertretende Leiter der Stromberger IGS, Oliver Bischof. Der Rückgang der Schülerzahlen um 14 Prozent bis 2020 stelle für die IGS kein großes Problem dar: „Seit Jahren müssen wir eine Vielzahl von Schülern ablehnen, die gern an unsere Schule möchten, was wir sehr bedauern“, sagt Bischof. Bis 2020 soll die Schülerzahl an der IGS in Stromberg sogar wachsen: von 924 auf 973 Schüler. Bei den Grundschulen ist laut Studie eine klare Schere zwischen Stadt und ländlicher Region zu erkennen (Bericht folgt).

    Am besten kommen im Schulatlas noch die Gymnasien weg. Alle drei Kreuznacher Gymnasien (Am Römerkastell, Stadtmauer und Lina-Hilger) liegen deutlich im grünen Bereich. Sicher sollen auch der Standort in Kirn und die Alfred-Delp-Schule in Hargesheim sein. Eng soll es laut IHK dagegen für das Paul-Schneider-Gymnasium in Meisenheim (2020 noch 463 Schüler) und das Emanuel-Felke-Gymnasium in Bad Sobernheim (2020 noch 500 Schüler) werden.

    In ihren Kernaussagen relativiert die Industrie- und Handelskammer: „Das heißt nicht, dass alle roten Standorte auch tatsächlich geschlossen werden müssen. Das ist auch von den einzelnen Gegebenheiten vor Ort abhängig“, stellt Robert Lippmann, IHK-Geschäftsführer für Standortpolitik, Koordination und Kommunikation, heraus.

    Der IHK gehe es mit dem Atlas vor allem „um den Appell an die Landesregierung, frühzeitig zu agieren und Lösungen zu finden, die einen Kompromiss zwischen wohnortnaher Versorgung und qualitativ hochwertigem Schulangebot ermöglichen.“ Dazu gehöre, die Vorgaben für die Mindestschülerzahlen je Klasse und zur Zügigkeit von Klassenstufen stärker abzusenken als das bisher vorgesehen ist. sbr/bed/gst

    Mehr zum Schulatlas im Detail unter www.ihk-koblenz.de, Dokument-Nr. 116772

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