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  • BUND-Vorsitzender: Sparpläne der CDU für Nationalpark Hunsrück-Hochwald sind absurd

    Kreis Birkenfeld. Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald hat "eine einzigartige Entstehungsgeschichte und viel Potenzial", schwärmt BUND-Vorsitzender Hubert Weiger. Umso unverständlicher seien die Sparpläne der CDU, sagte er im Interview mit unserer Zeitung.

    Die CDU lasse mit ihren Sparplänen zum Nationalpark jeden Respekt gegenüber der breiten demokratischen Entstehungsgeschichte des Premium-Schutzgebietes vermissen, kritisieren der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger (vorne) und EuroNatur-Präsidentin Christel Schroeder. ⋌Foto: Reiner Drumm
    Die CDU lasse mit ihren Sparplänen zum Nationalpark jeden Respekt gegenüber der breiten demokratischen Entstehungsgeschichte des Premium-Schutzgebietes vermissen, kritisieren der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger (vorne) und EuroNatur-Präsidentin Christel Schroeder. ⋌
    Foto: Reiner Drumm

    Wie bewerten Sie die von der CDU-Landtagsfraktion angestrebten Einschnitte am Nationalpark?

    Diese Pläne sind nicht nachvollziehbar. Wenn die CDU ihre eigenen Umweltprogramme ernst nehmen würde, dürfte sie einen solchen Vorstoß nicht unternehmen. Weil sie sich ja zudem dem christlichen Gedankengut und so der Bewahrung der Schöpfung verpflichtet fühlt, müssten die Christdemokraten eigentlich an der Spitze der Bewegung für den Nationalpark stehen. Nach meinem Verständnis müsste es sogar einen Wettbewerb der Parteien geben nach dem Motto: Wer ist bereit, mehr in dieses lohnende Projekt zu investieren. Stattdessen hat die CDU eine Diskussion angestoßen, die ich als absurd empfinde.

    Offenbar will sie damit Stimmen in anderen Regionen von Rheinland-Pfalz zu gewinnen, denen der Nationalpark eher egal ist.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Rechnung aufgeht. Alle Umfragen zeigen: Die große Mehrheit der Deutschen wünscht sich nicht weniger, sondern mehr Wildnis. Dieser Begriff ist im Gegensatz zu früher heute positiv besetzt. Vor allem jüngere Menschen und natürlich Städter finden Natur pur reizvoll und spannend. Das zeigt sich beispielsweise auch daran, dass sich für unsere Wildnisprojekte immer genug ehrenamtliche Helfer melden. In unserer technisierten und hektischen Welt gibt es geradezu eine Sehnsucht nach solchen urwüchsigen Fluchtpunkten.

    Was ist für Sie das Besondere am Nationalpark Hunsrück-Hochwald?

    Hier ist etwas gelungen, was wir im Naturschutz sonst schmerzlich vermissen: Durch einen breiten Beteiligungsprozess hat man es geschafft, einen Konsens herzustellen. Dazu kann man allen Beteiligten nur gratulieren. Dieser Nationalpark ist demokratisch legitimiert und somit ein Projekt der Region. Man stülpt nichts über, sondern setzt auf Akzeptanz. Das ist beispielhaft und ein ermutigendes Signal für den Naturschutz in Deutschland. Modellhaft ist auch, dass dieses Projekt mit Regionalentwicklung verknüpft wird. Auch deshalb kann ich nur betonen: Ich halte es für inakzeptabel, diesen vorbildlichen Prozess durch Kürzungen oder Streichungen lahmzu- legen und den Park so auszutrocknen. Einmalig sind die Rosselhalden und Hangmoore, deren Renatu- rierung eine Art Wiedergutmachung an der Natur ist, und zugleich kulturhistorisches Erbe von Kelten und Römern. Und ich freue mich, dass die Wildkatze als Symboltier des BUND hier jetzt eine feste Heimat hat. Bei unseren Ausflügen haben uns übrigens zwei Bürgermeister von Verbandsgemeinden begleitet und deutlich gemacht: Wir stehen zu dem Projekt. Was will man als Naturschützer mehr.

    Aber den meisten Kommunalpolitikern geht es weniger um Naturschutz, sondern darum, an Fördertöpfe heranzukommen.

    Das ist völlig legitim. Das ist ja gerade der Ansatz: Man gewinnt Menschen für den Naturschutz, indem man die Region gezielt fördert. Diese Kombination kann und sollte als Vorbild für andere Großprojekte überall in Deutschland dienen.

    Warum sind Nationalparke so wichtig? Gegner verweisen gern darauf, dass die Artenvielfalt in einem bewirtschafteten Wald größer ist.

    Entscheidend ist nicht die absolute Zahl der Arten, die in einem Wald vorkommt. Sondern es geht um die waldtypischen Arten. Es gibt bestimmte Arten, die auf dicke, alte Bäume angewiesen sind, die es in einem bewirtschafteten Wald nicht gibt. Viele Pilzarten brauchen beispielsweise Totholz. Auch manche Spechtarten leben nur in wilden Wäldern. Ein Nationalpark garantiert so das Überleben ganz bestimmter Arten, die nur dort die für sie notwendigen Bedingungen vorfinden. Diese entstehen nur, wenn man den Wald ganz in Ruhe lässt.

    Wie sehen Sie die Zukunft des Nationalparks Hunsrück-Hochwald im nationalen und internationalen Wettbewerb?

    Er wird nicht nur in der Natur, sondern auch in der Regionalentwicklung besondere Prozesse in Gang setzen. Die Region erhält ein neues Image und wird dadurch auch ein neues Selbstbewusstsein erhalten. Der Fernsehsender CNN hat den Hunsrück-Hochwald weltweit zu einem der zehn schönsten neuen Nationalparke gekürt. Das ist beste Werbung, für die man sonst viel Geld ausgeben müsste. So ist sie kostenlos. Es wird auf Dauer deutlich spürbare Effekte geben. Das geht nicht von heute auf morgen, sondern man braucht ein bisschen Geduld. Ich bin nach allem, was ich gesehen und erfahren habe, fest überzeugt: Dieser Nationalpark hat das Potenzial, einer der schönsten in Deutschland zu werden.

    Das Gespräch führte Kurt Knaudt

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    Kolumnen von

    Gerhard Engbarth

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