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    Bad KreuznachBaumstammprozess: Gericht verhandelt erneut über den Tod eines sechsjährigen Mädchens

    Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, seit eine 18-köpfige Kindergartengruppe aus Sponheim jenen verhängnisvollen Ausflug in den Wald unternahm, bei dem ein sechsjähriges Mädchen durch einen den Hang herunter rollenden Baumstamm am Kopf getroffen, überrollt und getötet wurde. Zwei weitere Kinder wurden leicht verletzt. Der Prozess wird vor dem Bad Kreuznacher Landgericht jetzt erneut aufgerollt.

    Bad Kreuznach - Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, seit eine 18-köpfige Kindergartengruppe aus Sponheim jenen verhängnisvollen Ausflug in den Wald unternahm, bei dem ein sechsjähriges Mädchen durch einen den Hang herunter rollenden Baumstamm am Kopf getroffen, überrollt und getötet wurde. Zwei weitere Kinder wurden leicht verletzt. Der Prozess wird vor dem Bad Kreuznacher Landgericht jetzt erneut aufgerollt.

    Inwieweit war das Unglück vermeidbar? Wie viel Schuld haben die beiden Erzieherinnen am Tod des Mädchens, haben sie ihre Aufsichtspflicht verletzt? Darüber muss die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Matthias Friedrich erneut befinden. In erster Instanz waren die 46 und 26 Jahre alten Erzieherinnen sowie ein 55-jähriger Waldarbeiter wegen fahrlässiger Tötung und zweifacher fahrlässiger Körperverletzung vom Amtsgericht jeweils zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die beiden Frauen sollen auf die Kinder bei dem Waldsparziergang nicht hinreichend aufgepasst haben, der Waldarbeiter soll den tonnenschweren Baumstamm nicht ausreichend gegen ein Wegrollen gesichert haben. Die Angeklagten, deren Verteidiger Freispruch gefordert hatten, legten gegen das Urteil Berufung ein, die Staatsanwaltschaft ebenfalls.
    Die Aufarbeitung des schrecklichen Geschehens setzt allen Beteiligten auch heute noch sichtbar zu: Die Mutter des getöteten Mädchens, die als Nebenklägerin auftritt, hat auf den Tisch vor sich wieder ein Bild mit ihrer verstorbenen Tochter aufgestellt. Als die beiden Angeklagten den Unfallhergang schildern, schaut sie nach unten. Doch auch diese haben zeitweise mit den Tränen zu kämpfen, ihnen versagt fast die Stimme.
    Hätten die Erzieherinnen die Gefahr erkennen können oder müssen, die von dem großen Baumstamm ausging? Das erstinstanzliche Urteil bejahte dies. Die Jüngere, die erst seit ein paar Tagen in der Kita beschäftigt war und die Kinder der sogenannten „Waldgruppe“ kaum kannte, sagte jetzt aus, dass den Kinder verboten worden war, auf den Baustamm zu klettern. Welche Autorität sie gegenüber den vier- bis sechsjährigen Kinder hatte, blieb ebenfalls unklar. So musste die 26-Jährige ihre erfahrenere Kollegin erst fragen, ob ein paar Jungs, die etwas entfernt von der Unglücksstelle mit Hölzern eine „Straßensperre“ auf dem Weg bauten, dies überhaupt durften, wie sie ihr gegenüber behaupteten.
    Was sich nach den Aussagen der beiden Angeklagten auch herauskristallisierte: Die Waldausflüge hatten in dem Kindergarten zwar schon ein längere Tradition, gezielte Absprachen über das richtige Verhalten im Wald oder konkrete Schulungen über mögliche Gefahren gab es aber offenbar nicht, sondern nur allgemeine Regeln, wie in Hörweite der Erzieherinnen zu bleiben und sich leise zu verhalten, wie die 26-Jährige aussagte.
    Die 46-Jährige erklärte, sie habe den Kindern verboten, auf den Stamm zu klettern. Weil er so groß war, hatte sie Angst, die Kinder könnten herunterfallen und sich verletzten. Als sie sah, wie mehrere Kinder darauf saßen, habe sie ihnen sofort zugerufen, schnell da runter zu gehen. „Auf einmal habe ich wahrgenommen, wie der Stamm schon auf den Weg rollt. Er war zu gewaltig, ich konnte nichts machen.“ Mehrfach habe sie versucht, dem Mädchen zu helfen, obwohl ihr Verstand ihr sagte, sie könne nicht mehr helfen – „weil ich es nicht wahrhaben wollte“. Der Prozess wird am 3. Mai, 10 Uhr, fortgesetzt. (hg)

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