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  • Nationalpark-Debatte: Wie viel Natur darf es im Soonwald sein?

    Kreis Bad Kreuznach - Mit einer Podiumsdiskussion im Walderlebniszentrum in Neupfalz bei Stromberg hat die Initiative Soonwald am Montag die Bevölkerung darüber informiert, was sie erwartet, falls der Naturpark Soonwald zum Nationalpark umgewidmet wird. Die Entscheidung darüber ist zwar noch nicht gefallen, im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung ist aber festgelegt, dass in Rheinland-Pfalz ein Nationalpark geschaffen werden soll. Im Gespräch sind unter anderem der Soonwald und der Pfälzer Wald.

    Nationalpark Debatte Soonwald
    Information stand im Walderlebniszentrum Soonwald am Montagabend im Vordergrund. Der Saal war voll besetzt, als acht Experten auf dem Podium über einen Nationalpark und seine Folgen diskutierten.
    Foto: Denise Bergfeld

    Kreis Bad Kreuznach -  Mit einer Podiumsdiskussion im Walderlebniszentrum in Neupfalz bei Stromberg hat die Initiative Soonwald am Montag die Bevölkerung darüber informiert, was sie erwartet, falls der Naturpark Soonwald zum Nationalpark umgewidmet wird. Die Entscheidung darüber ist zwar noch nicht gefallen, im Koalitionsvertrag der rot-grünen Landesregierung ist aber festgelegt, dass in Rheinland-Pfalz ein Nationalpark geschaffen werden soll. Im Gespräch sind unter anderem der Soonwald und der Pfälzer Wald.

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    Das Interesse an diesem Thema war groß, der Saal im Walderlebniszentrum restlos besetzt. Rund 150 Zuhörer waren erschienen, um sich über die Vor- und Nachteile eines Nationalparkprojekts zu informieren und ihre Fragen an die Expertenrunde zu richten. „Wir finden es sehr gut, wenn die Regierung erklärt, dass ein Nationalpark nur eine Zukunft hat, wenn er von der Bevölkerung auch mitgetragen wird“, sagte Hansjochen Staege, Vorsitzender der Initiative Soonwald, zur Begrüßung.


    Der Nationalpark sei eine Chance für eine Region, sich herauszustellen und zu entwickeln, betonte Staatssekretär Thomas Griese vom rheinland-pfälzischen Umwelt- und Forstministerium und stellte klar: „Aber niemals funktioniert ein Nationalpark gegen den Willen der Bevölkerung.“ Nur mit einer breiten Mitwirkung von Bürgern und Kommunen sei ein solches Projekt zu realisieren – und so stellt Griese sich das auch für Rheinland-Pfalz vor. Ein Nationalpark wird seinen Angaben nach ausschließlich auf einer Waldfläche verwirklicht, die sich in Landeseigentum befindet.


    Vorbild ist für Griese der Nationalpark Eifel in Nordrhein-Westfalen. Dort habe der Prozess nur zwei Jahre gedauert, die Kommunen erhielten Mitwirkungsrechte, die auch in der Rechtsgrundlage niedergeschrieben worden sind. Die Fragen, die an diesem Abend in Neupfalz gestellt wurden, betrafen vor allem die Sorgen aus der Bevölkerung vor drohenden Einschränkungen, etwa durch Kernzonen, die abseits der Wege nicht betreten werden dürfen.


    Zu drohenden Einschnitten bei der Brennholzgewinnung und Waldwirtschaft argumentierte Staatssekretär Griese: „Wir haben nicht vor, das ganze Land zum Nationalpark zu machen.“ Rheinland-Pfalz umfasse 800 000 Hektar Wald. „Wir reden jetzt über ein Prozent der Waldfläche in Rheinland-Pfalz, auf 99 Prozent soll natürlich Waldwirtschaft stattfinden.“ Bei dem einen Prozent Nationalparkfläche solle der Ertrag künftig nicht aus der Waldwirtschaft, sondern aus dem Tourismus gewonnen werden. Aber: Auch in einem Nationalpark werde weiter Waldwirtschaft betrieben. Griese: „Der Waldumbau muss behutsam erfolgen.“ Wo nötig, würden Fichten gefällt. So bekomme man den Borkenkäfer in den Griff.


    Eine weitere Sorge in der Bevölkerung ist, dass durch den Nationalpark Arbeitsplätze wegfallen. Staatssekretär Griese betonte, die Forstleute würden weiter beschäftigt. „In der Eifel ist der Waldumbau in die Hände des Forstamts gelegt worden“, sagte Griese. Dieser werde außerdem Jahrzehnte, wenn nicht Jahrhunderte dauern. Natürlich würden auch die Sägewerke nach wie vor zu tun haben. Griese: „Die Furcht davor, dass die Wertschöpfung von heute auf morgen zusammenbricht, ist unbegründet.“


    Michael Prinz zu Salm-Salm bewertete dies anders. Während seine Nachbarn auf dem Podium der Nationalparkidee aufgeschlossen und positiv gegenüberstanden, vertrat zu Salm-Salm die Waldwirtschaft und plädierte sichtlich ergriffen für einen behutsamen Umgang mit dem Soonwald. Vor zwei Jahren sei er in den Nationalpark Bayerischer Wald eingeladen worden. Zu Salm-Salm: „Ich sage Ihnen, da ist die Hölle los.“ 80 Prozent der Bevölkerung seien bis heute gegen das Projekt. Er selbst befürworte „schützen durch nützen“ und betonte: „Der Soonwald wäre heute nicht so schön, wenn sich nicht Forstleute darum gekümmert hätten.“


    Vier bis fünf Millionen Euro an direkter Wertschöpfung sind laut Salm-Salm in Gefahr, die man mit dem Faktor zehn multiplizieren müsse. Die Frage sei außerdem: „Können wir uns das leisten, auf den Rohstoff Holz zu verzichten, auch wenn es ,nur' um 10.000 Hektar Wald geht?“ Salm-Salm forderte von Staatssekretär Griese, eine Gesetzesänderung in die Wege zu leiten. Bislang werde die Landesregierung ermächtigt, das Gesetz zum Nationalpark zu erlassen, und müsse nur einen Ausschuss dazu fragen. Es sei mit Stand heute „ein Gesetz von oben herab“.

     

    In Nordrhein-Westfalen sei die Gesetzeslage so wie bei uns, entgegnete Griese: „Das gibt uns die Freiheit, eine Verordnung zu erlassen, die Bürger und Kommunen vor Ort einbindet.“ In NRW sei dies der Fall gewesen. Auch die Aspekte Wirtschaft und Tourismus seien dort gesetzlich festgehalten.

    Aus dem Publikum meldete sich unter anderem Landrat Franz-Josef Diel zu Wort und wollte wissen, wie man künftig mit dem Thema Windkraft umgehen werde. Griese entgegnete klar: „Nationalpark und Windkraft schließen sich gegenseitig aus.“ In der Teilfortschreibung des Landesentwicklungsprogramms (LEP) IV sei festgelegt, dass Windkraft in den Kernzonen der Biosphärenreservate, des Nationalparks und in Naturschutzgebieten tabu ist. In den Kernzonen der Naturparks hingegen, wie auch der Soonwald einer ist, werden Windräder in Ausnahmen gestattet sein.


    Eine Zuhörerin fragte, ob es in einem Nationalpark auch weiter möglich sei, Tiefbrunnen zur Trinkwasserversorgung zu erschließen, was Griese für die Zonen bejahte, die zur Bewirtschaftung zur Verfügung stünden. Auch zur Jagd äußerte sich der Staatssekretär: In der Eifel hätte es anfangs Beschwerden über zu viel Jagd gegeben. Griese: „Der Jagddruck wird anfangs sogar steigen.“ Sonst sei der Laubwald gefährdet, den man für den Nationalpark hochziehen wolle.


    Siegfried Schuch vom Nabu Rheinland-Pfalz stellte schließlich eine Frage in den Raum, die aus dem Publikum großen Beifall erntete: „Mit welchem Recht fordern wir von den Entwicklungsländern, auf die Nutzung des Regenwalds zu verzichten, wenn wir selbst nicht bereit sind, auf einen kleinen Teil unseres Waldes zu verzichten?“

     

    Denise Bergfeld

     

    Auf dem Podium saßen an diesem Abend Staatssekretär Thomas Griese vom rheinland-pfälzischen Umwelt- und Forstministerium, Karsten Wittern, Vorsitzender des Fördervereins Nationalpark Kellerwald-Edersee, Siegfried Schuch vom Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz, Ulrich Stöcker, Leiter Naturschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, Waldbesitzer Michael Prinz zu Salm-Salm aus Wallhausen, Hansjochen Staege, Vorsitzender der Initiative Soonwald, und die Moderatorin Monika Kirschner, Wissenschaftsjournalistin und stellvertretende Vorsitzende der Initiative Soonwald.

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    Kolumnen von

    Gerhard Engbarth

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