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  • Die AfD will die Stimmen der bürgerlichen Mitte: Frauke Petry auf Wahlkampftour in Bad Kreuznach

    Bad Kreuznach. Während vor dem Veranstaltungsort rund 500 Menschen trotz Regens gegen die in ihren Augen als fremdenfeindlich einzustufende AfD protestieren, geben sich Parteichefin Frauke Petry und ihre Mitstreiter im Kreuznacher Haus des Gastes indes als wählbare Alternative für die bürgerliche Mitte.

    Gruppenbild mit Parteiführerin: Nach der Veranstaltung posiert Frauke Petry mit ihren Sicherheitsmännern für ein Erinnerungsfoto.
    Gruppenbild mit Parteiführerin: Nach der Veranstaltung posiert Frauke Petry mit ihren Sicherheitsmännern für ein Erinnerungsfoto.
    Foto: Dominic Schreiner

    Von Dominic Schreiner und Carsten Zillmann

    Frauke Petry nimmt neben einem Parteifreund Platz in der ersten Reihe. Vor wenigen Minuten hat sie das Haus des Gastes im Bad Kreuznacher Kurviertel betreten, in dem am Freitagabend ihre Partei Alternative für Deutschland (AfD) Eigenwerbung mit Blick auf die Landtagswahl am 13. März betreiben will. Mehrere Kamerateams und Fotografen drängen sich um die Bundessprecherin der AfD.

    Petry führt mit ihrem Sitznachbarn Small Talk. Und überrascht mit einem Vergleich, den sie gut hörbar für das Umfeld zieht: "Der Mord an Olof Palme ist eine meiner ersten politischen Erinnerungen", sagt sie. "Dem ging’s wie uns jetzt. Der wurde umgebracht, weil er nicht Mainstream war."

    Die These sorgt für erstaunte Gesichter. Und dürfte doch gerade aus dem Kalkül heraus getätigt worden sein, das auch die Stoßrichtung der Redner an diesem Abend vorwegnimmt.

    Stimmen von ehemaligen oder potenziellen Wählern von CDU und FDP - vor allem darum scheint es der AfD an diesem Freitag zu gehen. Ein Mann, der gemeinsam mit einem Bekannten aus Wittlich angereist ist und einen gut 90-minütigen Hinweg auf sich genommen hat, um Petry zu sehen, könnte exemplarisch für genau diese Entwicklung stehen. Der Besucher, etwa Mitte 40, will seinen Namen nicht nennen. "Ich werde die AfD wählen, das steht fest", sagt er, "bei der letzten Wahl habe ich CDU gewählt und war sogar Parteimitglied, inzwischen bin ich ausgetreten. Die sind ja unwählbar geworden, eine zweite SPD."

    Auf Menschen, die mit der Politik der Altparteien nicht mehr einverstanden sind, scheint die AfD eine immer größer werdende Anziehungskraft auszuüben. Das suggerieren auch Beobachtungen vieler Politanalysten. Ein Pfund, mit dem die Partei auch im Haus des Gastes wuchert: "Es geht den großen Volksparteien an den Kragen", wird Petry später als Einstieg in ihre Rede sagen und dabei auf die sinkenden Umfragewerte von SPD und CDU verweisen. "Die Dreyer muss weg - und die Merkel gleich hinterher", heißt es bei AfD-Landeschef Uwe Junge, der an diesem Abend für die Abteilung Attacke zuständig ist. Beide bekommen für diese Aussagen kräftigen Applaus.

    Winfried Gruszin steht im Foyer. Der 60-Jährige aus Rüdesheim, der im Gegensatz zu den meisten anderen Besuchern im Haus des Gastes kein Problem damit hat, namentlich als AfD-Wähler bekannt zu sein, stützt sich auf seinen Krücken ab. Seit 2005 sind sie seine ständigen Begleiter. "Ich hatte einen Unfall und bin seitdem arbeitsunfähig", sagt er. Von der Politik fühlt er sich vergessen. "Menschen wie mir hilft niemand", sagt er. "Das habe ich nach meinem Unfall sehr schnell festgestellt. Bundesbürger werden von der Politik immer hintenangestellt."

    2013 trat er in die AfD ein. "Die AfD vertritt meine Meinung", sagt er. "Sie will sozial Schwachen helfen." Kanzlerin Merkel interessiere sich nicht für "13 Millionen Deutsche an der Armutsgrenze. Das ist eine Schande", klagt Gruszin.

    Petry tritt im weiteren Verlauf des Abends gemäßigt auf, bemüht sich, salonfähig zu wirken. "Die AfD hat sowohl bürgerlich-konservative als auch liberale Elemente", behauptet die AfD-Chefin.

    Dann seziert sie detailversessen das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP als Gefahr für den deutschen Mittelstand, argumentiert gegen Gender Mainstreaming - "Geldverschwendung" - und zitiert am Schluss ihrer Rede sogar Konrad Adenauer. Der rheinland-pfälzische Spitzenkandidat Junge hingegen ist ihr Mann für die klare Kante und die nationalistischen Töne. Gerade für Letztere bekommt er wiederholt die lautstarke Zustimmung des Publikums. "Der Islam gehört nicht zu Deutschland", sagt er. Starker Applaus. Oder: "Wir können und dürfen stolz sein, Deutsche zu sein." Tosender Applaus.

    Junge beschließt seine gut einstündige Rede, in der er wiederholt die deutsche Asylpolitik attackiert, mit dem Satz "Gott schütze unser Vaterland". An dieser Stelle springen die Menschen im Saal auf und applaudieren und jubeln. Und ganz am Ende des Abends werden sie alle gemeinsam singen. Natürlich das Deutschlandlied, dritte Strophe.

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