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GafferKommentar: Schmaler Grat zwischen Gaffen und Neugierde

Das ist ein böses Schimpfwort für eine Personengruppe, die es immer gab und wohl auch immer geben wird. Wenn’s lichterloh brennt wie kürzlich mitten in Kirn zwei Busse, dann ist es doch logisch, dass man sich dafür interessiert, was da wohl los ist.

Armin Seibert kommentiert
Armin Seibert kommentiert

Wo ist in der nun folgenden Verhaltensweise, die den außenstehenden Bürger antreibt, die Grenze zwischen normaler Neugierde und strafwürdiger Gafferei? Sie ist schwer, ja eigentlich unmöglich zu ziehen, gibt der Kirner Polizeiinspektionsleiter Joachim Reimann zu. Beim Busbrand setzt die Polizei geradezu auf die neugierigen Mitmenschen, die mit einem zufällig gedrehten Video vielleicht sogar den entscheidenden Hinweis auf den Brandstifter geben können. Bei der Personenrettung am Kellenbach ein paar Tage später ist die Lage eine ganz andere.

Hier sollten sich Schaulustige besser fernhalten. Wer jedenfalls hinter Rettungsfahrzeugen herfährt, um die Lage zu peilen und dann vielleicht seiner WhatsApp-Gruppe zu posten: "Ich war dabei!", der gehört wirklich an den Pranger. Auch wir in der Redaktion fragen uns mitunter: Müssen wir das ein oder andere Bild oder das Video bringen?

Dem ein oder anderen Zeitgenossen, der weder als Retter noch als Berichterstatter am Ort des Geschehens gefragt ist, geht vermutlich erst ein Licht auf, wenn er selbst betroffen ist. Zum Beispiel, wenn ein Angehöriger bei einem Unfall versorgt wird und dann Gaffer die Szenerie filmen. Auch die Rettungskräfte haben es bei Unfällen oder Brandeinsätzen schwer genug. Sie sind oft ehrenamtlich im Einsatz und geraten schnell an die Grenze des Belastbaren, wenn in Sekundenschnelle weitreichende Entscheidungen zu fällen sind.

Sich einmal an die eigene Nase zu fassen, sich zu fragen, ob das anständig ist, was man als Unbeteiligter da gerade macht, dieses Grundrezept, das Joachim Reimann vorschlägt, ist ein guter Ansatz. Frei nach dem Motto: Was du nicht willst, das man dir tu, das füg auch keinem anderen zu. Vielleicht hilft das sogar eher als die kürzlich von Innenminister Lewentz angedrohte "Keule", Voyeuren mit neuen Gesetzen und empfindlichen Geldstrafen das Gaffen zu vergällen.

E-Mail: armin.seibert@rhein-zeitung.net

Video: Spektakuläre Rettungsaktion bei Simmertal54-Jähriger stürzt in Kellenbach: spektakuläre Rettung [mit Video]Spektakuläre Rettungsaktion bei Simmertal
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