40.000
  • Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Windkraftpläne im Welterbe und im Rheingau: Bürgerinitiative ruft zu Protest auf
  • MittelrheinWindkraftpläne im Welterbe und im Rheingau: Bürgerinitiative ruft zu Protest auf

    Zum Protest gegen geplante Windräder, die die Kulturlandschaft im Welterbe Oberes Mittelrheintal und im Rheingau verschandeln könnten, hat der Verein Pro Kulturlandschaft Rheingau aufgerufen.

    Die Fotomontage aus der vom Land Rheinland-Pfalz beauftragten Studie der Firma Grontmij zeigt Windräder bei Lorch. Das von Icomos anerkannte Gutachten stuft diese als störend im Welterbe ein. Foto: Landesregierung RLP
    Die Fotomontage aus der vom Land Rheinland-Pfalz beauftragten Studie der Firma Grontmij zeigt Windräder bei Lorch. Das von Icomos anerkannte Gutachten stuft diese als störend im Welterbe ein.
    Foto: Landesregierung RLP

    Die Stadt Lorch hat bereits entschieden, die Pläne für einen Windpark am Ranselberg weiter zu verfolgen, der von der Icomos bereits grundsätzlich als gefährdend für das Welterbe eingestuft wurde. Andere Kommunen im Rheingau-Taunus-Kreis beraten derzeit die Stellungnahmen zum zweiten Regionalplan Südhessen, der im Rheingau acht Flächen als Vorranggebiete für Windkraftanlagen mit insgesamt circa 600 Hektar bei Walluf, Oestrich-Winkel, Eltville und Geisenheim vorsieht.

    Appell an Bouffier

    In einem Schreiben an den hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier appelliert die Bürgerinitiative (BI): „Wir bitten Sie, umgehend einen Schlussstrich unter diese unvertretbaren Planungen zu ziehen. Das Kleinod Rheingau muss von solchen schädlichen Eingriffen verschont bleiben, wie es auch die überwiegende Mehrheit der Rheingauer Kommunen fordert.“ Im vergangenen Jahr hat Bouffier mehrfach öffentlich bekundet, dass Windräder in Lorch keine Chance hätten, wenn die Unesco sich ablehnend dazu äußert. „Seit Wochen liegt ihnen nun das Icomos-Unesco-Gutachten mit der eindeutigen Feststellung vor, dass Windräder im Pufferbereich das Welterbegebiet stark gefährden.“ Die internationale Vollversammlung der Unesco mache sich stets diese Gutachten zu eigen und werde auf ihrer Sitzung im Juli in Krakau ihre Zustimmung versagen.

    Konflikte mit dem Landschaftsbild

    Die Landesregierung in Rheinland-Pfalz hat mittlerweile den Bau von Windrädern im Welterbe und gegebenenfalls auch über dessen Rahmenbereich hinaus untersagt. Als Grundlage für diese Entscheidung diente eine Sichtachsenstudie der Firma Grontmij, die Konfliktpotenziale bezüglich Landschaftsbild und Denkmalschutz aufzeigt. Der Hintergrund: Die Unesco und das deutsche Nationalkomitee Icomos hatten sehr deutlich gemacht, dass sie eine Verbauung der Blicke über die einmalige Landschaft im Welterbe nicht hinnehmen werden und den Titel gegebenenfalls aberkennen. In Hessen zieht die Landesregierung dennoch Einzelfallentscheidungen einem generellen Verbot vor. Die Gutachten dafür lässt das Wirtschaftsministerium zunächst von den planenden Energieunternehmen selbst erstellen.

    Protest zur Stadtverordnetenversammlung in Geisenheim

    Die Stadtverordnetenversammlung von Geisenheim will am Donnerstag, 18. Mai, einen Beschluss über die Flächen im Teilplan „Erneuerbare Energien“ des Regionalplans fassen. Laut BI wäre Geisenheim im Falle eines positiven Beschlusses neben Lorch die einzige Gemeinde, die sich der Solidargemeinschaft der Rheingauer Kommunen gegen die Windkraftpläne verweigert. Der Verein hat in einem Schreiben an die Stadtverordneten appelliert, dagegen zu stimmen. Außerdem ruft die BI zu einem öffentlichen Protest am Donnerstag ab 18 Uhr auf dem Domplatz in Geisenheim auf.

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

    Lorch hält an seinen Windkraftplänen fest

    Lorch. Die Stadt Lorch verfolgt weiterhin den Plan, am Ranselberg vier Windräder bauen zu lassen, obwohl diese Vorrangfläche nicht mehr im neuesten Regionalplan für Südhessen auftaucht. Darin herrscht bei den Kommunalpolitikern sehr große Einigkeit, was beileibe nicht die Regel ist in Lorch. In der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten gab es lediglich zwei Enthaltungen aus Reihen der FWG und keinerlei Nein-Stimmen, als eine Stellungnahme verabschiedet wurde.

    Deren Ziel ist es, dass die Fläche mit der Nummer 420 wieder in den Regionalplan aufgenommen wird. Die endgültige Stellungnahme soll mit der EnBW Energie Baden-Württemberg GmbH als ausgewähltem Investor abgestimmt werden. Entschlossen und mit einer leidenschaftlichen Rede machte sich Lorchs Bürgermeister Jürgen Helbing (CDU) weiterhin für den Bau der Anlagen stark.

    „Gegen alle Widerstände“ will sich der Bürgermeister nach wie vor für das Vorhaben zugunsten von Energiewende und Etat-Sanierung der Schutzschirm-Kommune Lorch einsetzen. Bis zu 300.000 Euro an Einnahmen erhofft sich die Stadt jährlich. Einiger Ärger hat sich offenbar beim Rathauschef angesammelt. Etwa wegen der Länge vieler Verfahren, aktuell gehe es um neun Monate für ein Gutachten über mögliche Vorkommen des Schwarzstorches am Ranselberg. Sichtachsen-Studien, bei denen Windräder „dick und fett schwarz eingezeichnet“ werden müssten und nicht hell und silbern wie in natura, kritisierte Helbing außerdem. Mit Vertretern von „Pro Kulturlandschaft Rheingau“ rede er inzwischen nicht mehr, die verhielten sich „unredlich“.

    Verdruss provozieren vor allem jedoch die Stellungnahmen rheinland-pfälzischer Ministerien gegen die Maßnahme auf der Fläche 420 und damit im Randbereich des Unesco-Welterbes Oberes Mittelrheintal. Die Rheinland-Pfälzer sollten lieber „vor der eigenen Tür kehren“ meinten ebenso die Fraktionsvorsitzenden Thomas Schott (CDU) und Klaus König (FWG) mit Hinweis auf die vielen Anlagen im Nachbarbundesland. Im Regionalplan weiterhin enthalten, wenn auch in verkleinerter Form, ist nach wie vor – und nicht neu, wie Windkraftgegner behaupteten – eine Fläche bei Lorchhausen im Gebiet „Silbergrube“. Sie ist viel stärker zum Rhein hin exponiert als die am Ranselberg, die Stadt will sie nicht entwickeln. ths

    Unesco-Komitee fordert: Windparkpläne in Lorch stoppen - Managementplan fürs Welterbe entwickelnUnesco-Komitee fordert: Windparkpläne in Lorch stoppen - Managementplan fürs Welterbe entwickelnLorch hält an seinen Windkraftplänen festWelterbe am Mittelrhein: Neuer Wirbel um Windkraft in Hessen
    Artikel drucken
    Bad Ems Lahnstein
    Meistgelesene Artikel
    Online regional
    Markus Eschenauer

    Regio-CvD Online

    Markus Eschenauer

    Mail | 02602/160 474

    Anzeige
    Regionalwetter
    Mittwoch

    16°C - 23°C
    Donnerstag

    14°C - 24°C
    Freitag

    15°C - 23°C
    Samstag

    16°C - 25°C
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Rhein-Lahn-Zeitung.de bei Facebook
    Anzeige