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  • Vor dem Adventskonzert: Frohsinnler holen sich letzten Schliff

    Lahnstein. "Wir sind gerade dabei, überflüssige Töne wegzumachen", begrüßt Franz Rudolf Stein den Besucher bei der ganztägigen Chorprobe des Männerchors Frohsinn Lahnstein. Wie bitte? Welcher Komponist ist denn hier so ungeschickt, dass er sein Werk mit Überflüssigem belastet? "Nein, ich meine die Sänger", stellt Stein klar. "Sie singen Noten, die gar nicht auf dem Blatt stehen."

    Ein Funken Ironie muss schon erlaubt sein inmitten all der Ernsthaftigkeit, mit der sich der Frohsinn auf sein großes Chorkonzert vorbereitet. Das findet wie immer am zweiten Adventssonntag statt, verspricht wie immer ein Höhepunkt im kulturellen Leben der Stadt Lahnstein zu werden - und erfordert wie immer im Vorfeld eine Menge Arbeit. Schon seit Wochen, wenn nicht Monaten üben die Frohsinnler im Rahmen ihrer "normalen" Chorprobe für den großen Auftritt in der Stadthalle. Und treffen sich heute also zum Intensivtraining, um die letzten Unebenheiten auszubügeln und sich den letzten Schliff verpassen zu lassen.

    Im Kloster Schönstatt arbeitete der Männerchor Frohsinn an den letzten Feinheiten vor dem Weihnachtskonzert am Sonntag, 4. Dezember.  Foto: Bletzer
    Im Kloster Schönstatt arbeitete der Männerchor Frohsinn an den letzten Feinheiten vor dem Weihnachtskonzert am Sonntag, 4. Dezember.
    Foto: Bletzer

     

    Neu in diesem Jahr: Erstmals steuert der Frohsinn unter Bernd Geil als Erstem Vorsitzenden auf das große Ereignis zu. "Bei dieser Aufgabe kann man aber niemanden ins kalte Wasser werfen", betont sein Vorgänger Günter Sporenberg, der diesmal noch einen großen Teil der Organisation übernommen hat und überdies nie um einen Tipp verlegen ist. Zum Beispiel den, wieder im Kloster Schönstatt in Vallendar in Klausur zu gehen. Hier, in der Abgeschiedenheit von Haus Marienland, ist der Frohsinn, der für sein Adventskonzert Verstärkung von Projektsängern bekommt, heute Morgen um 10 Uhr mit Lockerungsübungen und Einsingen an den Start gegangen. Jetzt feilen die Sänger nach Stimmen getrennt an Tonhöhen, Tempiwechseln, winzigen Nuancen und noch kleineren Feinheiten. Franz Rudolf Stein widmet sich mit den Bässen gerade dem Lied "Tauet Himmel den Gerechten" - und wird nicht müde, ihnen noch mehr stimmliche Präzision, noch mehr Feinfühligkeit und Perfektion beim Singen abzuverlangen. Dazu gehört, einzelne Stellen gefühlte 200 Mal zu wiederholen - so lange, bis sie auch wirklich in Fleisch und Blut übergegangen sind. "Tut mir leid, ich weiß, es ist nervig, aber ich kann es ja nicht so lassen", kommentiert der Chorleiter, der jedoch mitnichten nur kritisiert, sondern durchaus auch Verständnis zeigt, wenn es, wie bei dem Lied "Transeamus busque Bethlehem", mal nicht auf Anhieb makellos läuft. "Dreimal diese Figur aus Sechzehntelnoten, die, obwohl der Wortlaut immer der gleiche ist, jedes Mal ein bisschen anders aussieht - das ist wirklich schwer", räumt er ein und betont: "Wir setzen erst beim Gloria ein. Vorher lassen wir den Solisten singen."

    Altbekannter und lieber Gast

    Womit wir bei Peter Edelmann wären. Nach 1992, 2001 und 2010 bereichert der österreichische Bariton das Frohsinn-Adventskonzert bereits zum vierten Mal. Im Gepäck hat er am 4. Dezember so unterschiedliche Opernarien wie "Der Vogelfänger bin ich ja" aus Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte", "Auf in den Kampf, Torero" aus "Carmen" von Georges Bizet oder "O del mio amato ben" von Stefano Donaudy. Logisch, dass auch der Chor den Schwerpunkt seines Repertoires auf das Opern-Genre legt. So wird er mit "Heil sei euch Geweihten" aus der "Zauberflöte" in den Abend einsteigen und im weiteren Verlauf unter anderem ein Lied aus Friedrich Smetanas "Die verkaufte Braut" zu Gehör bringen.

    Mit an Bord sind am zweiten Advent neben Pianist Gerhard Wöllstein zudem Katharina Wimmer (erste Geige), Hendrike Steinebach (zweite Geige), Friederike Trove (Bratsche) und Felicia Meric (Cello) - die vier Damen des Streichquartetts Mélange aus Koblenz. Mit Beiträgen wie Enrico Tosellis "Serenade" oder dem Largo aus dem "Weihnachtskonzert" von Francesco Manfredini dürften auch sie das Konzert zu einer hochkarätigen Mischung werden lassen. Apropos Weihnachtskonzert: Dass in der zweiten Hälfte der Veranstaltung Klassiker rund um das Fest der Liebe auf dem Programm stehen, war beim Frohsinn schon immer so und wird auch in diesem Jahr nicht anders sein.

    Noch ist es aber nicht so weit. Noch gilt es weiterzuüben und sich auch vom zweiten Dirigenten, der Franz Rudolf Stein traditionsgemäß bei der Ganztagsveranstaltung unterstützt, schulen zu lassen. Wilhelm Gries, Stimmbildner und stellvertretender Chorleiter der Limburger Domsingknaben, ist bereits zum wiederholten Mal in Kloster Schönstatt mit dabei - und momentan damit beschäftigt, an der sprachlichen Komponente des musikalischen Vortrags zu feilen.

    Das Zischen einer Lokomotive

    "Konsonanten sind am Wortanfang immer stimmhaft und am Ende stimmlos", erklärt er beispielsweise, als Johann Strauss‘ Polka "Leichtes Blut" an der Reihe ist, und lässt die Frohsinnler zur Verdeutlichung schon mal kurzfristig wie eine Lokomotivenherde kurz vor dem Losfahren "sch" zischen. "Es ist hilfreich, wenn sie die Korrekturen und Hinweise auch einmal von jemand anderem als ihrem angestammten Chorleiter bekommen", sagt er über die Sänger und zeigt sich zufrieden: "Es macht Spaß mit ihnen, weil sie etwas leisten wollen. Ich komme jedenfalls immer wieder gerne hierher."

    Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Bletzer

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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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