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  • Tierschützer fordern Pferdeverbot bei Umzug

    Eine Pferdeschutz-Initiative aus Hennef in Nordrhein-Westfalen hat die Stadt Nastätten aufgefordert, auf Pferde beim Oktobermarktfestzug am kommenden Samstag zu verzichten.

    Foto: Norbert Schmiede

    Nastätten. Auch wenn im Vorfeld und während der Veranstaltung alles für die Sicherheit getan werde, gebe es "bei Festumzügen durch den Einsatz zahlreicher Pferde immer wieder Verletzungen bei Zuschauern, Teilnehmern (...) sowie auch bei den Pferden". Das schreibt die Initiative in einer E-Mail an die Redaktion unserer Zeitung.

    Zudem sind Pferde Fluchttiere, heißt es weiter in dem Schreiben. Daher seien sie für die Teilnahme an Festumzügen nicht geeignet. "Für die Pferde ist das ein Riesenstress, da gibt es die Gefahr von Koliken bei den Tieren", sagt Dieter Kübbeler, Sprecher und Mitbegründer der Vereinigung, die sich "Pferdeschutz-Initiative 2015" nennt.

    Die Stadtverwaltung hat das Schreiben der Tierschützer zur Kenntnis genommen, sieht aber derzeit keinen Handlungsbedarf. "Wir werden auf keinen Fall in diesem Jahr etwas am Festzug ändern", erklärt Nastättens Bürgermeister Emil Werner gegenüber unserer Zeitung. Zwar werde man sich nochmal Gedanken über die Anregung der Initiative machen, aber "ich sehe nicht, dass die Pferde eine Gefahr darstellen", sagt Werner. Er setzt auch auf die Qualifikation der Mitwirkenden: "Die einen sind für solche Veranstaltungen ausgebildet, die anderen sind es nicht." Zwei Pferdehalter sind in diesem Jahr beim Festumzug mit ihren Gespannen in Nastätten dabei: Günter Hasselbach aus Obertiefenbach und Karl-Heinz Sopp aus Reitzenhain. Beide nehmen mit ihren Pferden regelmäßige an Umzügen teil. Günter Hasselbach sieht die Teilnahme nicht als Stress an: "Man kann das sicher nicht mit allen Pferden machen, die Tiere müssen daran gewöhnt sein."

    Wichtig ist es aus seiner Sicht, die Pferde langsam an derlei Veranstaltungen heranzuführen. "Man muss den Pferden auch zeigen, dass das Spaß macht", sagt Hasselbach. Passieren können natürlich immer mal etwas. "Sie können auch 50 Jahre Auto fahren und im 51. Jahr geschieht ein Unfall." Zur Sicherheit gebe es aber noch zwei, drei Begleitpersonen, die während des Umzugs neben den Pferden herlaufen und notfalls eingreifen können.

    "Dass die Pferde eine Kolik kriegen, ist purer Quatsch", sagt Karl-Heinz Sopp zur Befürchtung der Pferdeschutz-Initiative. Betont aber gleichzeitig, dass es auch auf Rasse und Erziehung der Tiere ankomme, ob sich ein Pferd sich für Festzüge eigne. Sopp nimmt mit zwei seiner Friesenpferde teil. "Die sind unheimlich ruhig und menschenbezogen", erläutert der Züchter. Seine Tiere habe er schon in jungen Jahren an den Festtrubel gewöhnt: zuerst bei kleinen Umzügen und dann immer zusammen mit einem routinierten Pferd. "Wenn das ältere Pferd ruhig bleibt, bleibt auch das jüngere ruhig", sagt Sopp. Zudem müsse das Tier Vertrauen zu seinem Reiter oder Kutscher haben. Die Bindung zu seinen Pferden ist eng, sagt Sopp. Er hat sie selbst großgezogen und an der Kutsche eingefahren. Mit den Tieren zu reden, sei das Allerwichtigste.

    "Wenn etwas passiert und die hören mich sprechen, wissen sie: Auf die Stimme kann ich mich verlassen", erzählt er. Aus seiner Sicht kommt es vor allem dann zu Unfällen, wenn es den Pferdehaltern an Expertise und den Tieren an Erfahrung und Ausbildung mangele: "Viele nehmen sich zwei Pferde und sagen: ,Am Samstag fahren wir beim Umzug mit', obwohl die Tiere das noch gar nicht kennen", bemängelt Sopp. "Und dann passiert was."

    Ähnlich sieht es auch Dieter Kübbeler von der "Pferdeschutz-Initiative 2015". "Die Pferdehalter überschätzen sich da manchmal", meint Kübbeler. Die Erfahrung des Reiters helfe nicht immer, wenn die Tiere in eine ungewohnte Situation wie den lauten Festumzug geraten. Zwar lehne seine Initiative die Teilnahme von Tieren an Umzügen generell ab. Doch "wenn es unbedingt sein muss", sollte die Ausbildung bei Tier und Mensch gut sein, so Kübbeler.

    Und nicht immer sind Unfälle von Pferd und Halter verursacht, sagt Zugteilnehmer Günter Hasselbach. Schon oft habe er etwa bei Fasnachtszügen erlebt, dass Kinder zwischen die Pferde laufen, um Bonbons aufzusammeln. Daher appelliert er auch an die Eltern, ihre Kinder vor Festzügen für Gefahren zu sensibilisieren. "Denn das ist ja das Bonbon nicht wert." Cordula Sailer

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