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  • Qualmende Socken: Irische Tanzshow lässt den Boden beben und die Liebe leben

    Bad Ems. Irische Rhythmen, schnuckelige Hauptdarsteller und rasante Stepps – kein Wunder, dass das Publikum im ausverkauften Bad Emser Kurtheater aus dem Häuschen war.

    Von unserer Redakteurin Michaela Cetto

    Das irische Spektakel Magic of the Dance bringt genau das auf die Bühne, was den gemeinen Bürger hinter dem Ofen hervorlockt. Denn neben der atemberaubenden Tanzshow sorgt das motivierte Ensemble auch für jede Menge Klamauk.

    Mystisch beginnt die Vorführung mit düsteren Klängen und finsteren Fackelträgern, die über die Bühne schreiten. Wer sich vorab über die Handlung informiert hat, versteht, dass die dunkle Macht, die das Glück der Protagonisten durchquert, für die Hungersnot steht, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts Irland heimsuchte und Tausende junger Iren zum Aufbruch in die neue Welt (Amerika) bewegte.

    Für diejenigen, die unbedarft die Vorstellung besuchen, erschließt sich die Geschichte nicht unbedingt. Auch dann nicht, wenn eine bedeutungsschwangere Stimme aus dem Off kryptische Ansagen macht (die englischsprachige Stimme soll Christopher Lee sein). Ist aber nicht so schlimm. Wie alle irischen Tanzshows geht es irgendwie um Liebe, um Gut und Böse und um Kämpfe, die allein über ausgefeilte Fußarbeit ausgetragen werden. Und das versteht sich spätestens seit Michael Flatley ganz von selbst.

    Ein rührendes Paar, die beiden Protagonisten: Sie (Colette Dunne) mit blonden langen Locken und weißem Kleidchen betört ihren Herzbuben (Ciaran Maguire), der sich zur Freude des weiblichen Publikums bestens in Form präsentiert. Mit Zahnpastagrinsen trägt der Sympatikus weiße Rosen zwischen den Zähnen und verleiht seiner Begeisterung ob der jungen Dame – natürlich – steppend Ausdruck. Es ist das letzte Tanzfest vor dem großen Aufbruch in die Staaten (sagt die Geschichte), und natürlich feiern die Iren eine große Party mit traditioneller irischer Musik, wie einst die Dritte-Klasse-Passagiere auf der Titanic. Schon diese ersten Szenen entlocken den Zuschauern begeisterte „Whohos“ und spontanen Applaus.

    Im Laufe des Abends zeigen nicht nur Colette Dunne und Ciaran Maguire atemberaubende Steppkombinationen und anrührende Paartänze. Auch der Widersacher des romantischen Helden (ein echter Hingucker) und sein gesamter Mob lassen auf der Bühne die Funken sprühen. Dabei bekommt der Zuschauer alles auf dem Silbertablett, was man aus großen irischen Tanzshows kennt und liebt: Sprünge, in denen die Damen kurz zu fliegen scheinen, die Flatley’schen Hackenklatscher, verblüffende Synchronität. Vor allem in den Battles – den Kämpfen zwischen Gut und Böse oder den Wettbewerben zwischen Iren und Amerikanern – rattern die Stepps wie aus dem Maschinengewehr aufs Parkett. Tolle Arbeit des Choreografen und achtmaligen Weltmeisters im Irish Dance John Carey.

    Und noch ein bisschen mehr hat die Regie dem Ensemble von Magic of the Dance in den Rucksack gepackt: Nicht nur, dass die adrette Colette Dunne auch sehr lieblich irische Weisen singt. Nein, da ist auch noch die Putzkolonne, bestehend aus drei Spaßkanonen, die ihr Wort ans Publikum richten und auf, an und in Eimern und Blechtonnen steppen, dass es nur so raucht. Selbiges Trio sorgt später in der Geschichte in der amerikanischen Cotton Bar allenthalben für großes Vergnügen mit einer Art Hotelanimation, die man sonst aus dem Urlaub im Süden kennt. Sie fischen drei gestandene Männer aus dem Publikum, die irgendwie sexy gucken und sexy tanzen sollen und schließlich mehr oder weniger geschickt live die ersten Stepps lernen. Etwas befremdlich das Ganze, wenn nicht, sogar unnötig, aber den Zuschauern gefällt’s, und die drei Gast-Stepper bekommen verdienten Beifall. Puh.

    Am Ende findet Grinsprinz seine Zuckerpuppe wieder (ach ja, die hatten sich vorher verloren) und die Geschichte gipfelt in einer romantischen Hochzeit ganz in Weiß – natürlich begleitet mit einer zünftigen irischen Party, bei der das gesamte Ensemble ein Stepp-Feuerwerk zündet. Begeisterungsstürme und stehende Ovationen bewegen die Darsteller zu mehreren Zugaben. Und wenn am Ende nichts bleibt, (so sinngemäß die Stimme aus dem Off), so bleibt doch der Tanz. Stimmt. Der Tanz war grandios. Das Drumherum ist nicht so wichtig.

    Magic of the Dance
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