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  • Ohne Eltern dem Krieg entkommen: Jugendliche Flüchtlinge im Rhein-Lahn-Kreis

    Rhein-Lahn. Ali ist 16 Jahre alt und lernt voller Ehrgeiz Deutsch. Als er am ersten Tag von der Schule in sein neues Zuhause zurückkam, hatte er rot verweinte Augen. Er gehört zu neun unbegleiteten jugendlichen Ausländern, die seit 15. November in Katzenelnbogen betreut werden. Die RLZ hat Ali und seine Mitbewohner sowie eine weitere Gruppe in Braubach besucht.

    Ahmad, Ali (oben), Zubuid, Jabal und Hamza fühlen sich wohl in ihrer Wohngruppe und freuen sich, dass sie in Katzenelnbogen so freundlich empfangen wurden – unter anderem von Jennifer Küll, die sie betreut und sich in der Flüchtlingsinitiative engagiert.
    Ahmad, Ali (oben), Zubuid, Jabal und Hamza fühlen sich wohl in ihrer Wohngruppe und freuen sich, dass sie in Katzenelnbogen so freundlich empfangen wurden – unter anderem von Jennifer Küll, die sie betreut und sich in der Flüchtlingsinitiative engagiert.
    Foto: Dagmar Schweickert

    Von unserer Redakteurin Dagmar Schweickert

    Ali ist 16 Jahre alt, stammt aus Latakkia, spricht Englisch und lernt voller Ehrgeiz Deutsch. Als er am ersten Tag von der Realschule in Katzenelnbogen in sein neues Zuhause zurückkam, hatte er rot verweinte Augen. Betreuerin Jennifer Küll berichtet: "Er hatte einen Intensivkurs gemacht, lernt mit seinem Handy über Kopfhörer ständig Deutsch, aber der Alltag in der Schule ist etwas anderes, er verstand nichts, war völlig aufgelöst."

    Ali gehört zu neun unbegleiteten jugendlichen Ausländern, die seit 15. November vom Evangelischen Verein für Innere Mission (EVIM) in Katzenelnbogen betreut werden. Sie sind 15 bis 18 Jahre alt, stammen aus Syrien, Afghanistan und Somalia. In Katzenelnbogen leben sie in einer Wohngruppe, die sich bei einem Tag der offenen Tür präsentierte.

    Gespräche über Heimweh, Sehnsucht und Einsamkeit

    Kommunalpolitiker, Nachbarn, interessierte Bürger und die Betreuer drängten sich in der Wohnung: Schlafräume mit Stockbetten, Küche, Bad, Toilette und ein Wohnzimmer sind das neue Zuhause der freundlichen Jungs. Mit schüchternem Lächeln, aber auch unübersehbar stolz führten sie die Besucher durch die blitzblank aufgeräumten Zimmer. In der Küche sind Lernzettel an verschiedenen Utensilien: "Schrank", "Tür", Alltagsworte, die sie lernen sollen - ebenso wie unzählige andere Dinge: Sprache, Gewohnheiten, Mülltrennung. Die Betreuer haben viel zu tun, um den Jungen das Einleben zu erleichtern. Dazu gehört neben Formalitäten oder dem Schulbesuch vor allem so etwas wie Nestwärme. Die Betreuer sind pädagogisch ausgebildet, sie unterhalten sich einfühlsam über Heimweh, Sehnsucht, Einsamkeit. Dabei fließen regelmäßig Tränen.

    Auspowern beim Vereinssport

    Gleichzeitig helfen sie den Jungs, Anschluss zu finden. Jennifer Küll, Bereichsleiterin Gerti Bonn oder Teamleiter Martin Merkl sind dankbar, dass die Kooperation in Katzenelnbogen so gut funktioniert: Stadt und Verbandsgemeinde haben sie unterstützt, die Zusammenarbeit mit dem Jugendamt, Schulen und Vereinen ist gut. Schon jetzt powern sich die Jungs regelmäßig beim Fußball im TUS KK aus. Das alles berichtet Ali seiner Familie, wenn er sie per WhatsApp anruft. Sein größter Wunsch? "To study", sagt er. Studieren, Marketing. Und materielle Wünsche? Ihm fällt nichts ein. Oder er ist eben doch noch zu schüchtern.

    • Mehrere Organisationen helfen: Derzeit hat der Verein EVIM vier Jugendgruppen mit unbegleiteten minderjährigen Ausländern in Braubach, Katzenelnbogen, Mainz und Ingelheim. Auch Organisationen wie Igel in Kamp-Bornhofen und die Stiftung Scheuern in Nassau bieten stationäre Wohngruppen, in denen Jugendliche untergebracht sind. Den Betreuern wird die Alltagssorge übergeben. Das bedeutet, dass sie Alltagsentscheidungen treffen können. Bei weitreichenden Fragen beispielsweise zur Schulentwicklung oder bei Operationen muss der Vormund entscheiden. Ziel der Wohngruppen ist es, die Jugendlichen in die Gesellschaft zu integrieren und sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten. mkm
    Wohngruppe für junge Flüchtlinge in Braubach: Alltag gestalten und Routine bekommen
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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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