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  • Nach Ergebnis einer Machbarkeitsstudie: Hochwasserschutz für Lahnstein ist vom Tisch

    Lahnstein. Ein umfassender staatlicher Hochwasserschutz ist weder für Niederlahnstein noch für Oberlahnstein wirtschaftlich umsetzbar. Zu diesem Ergebnis kommt eine verfeinerte Machbarkeitsstudie, die von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Auftrag gegeben wurde.

    Ein Bild, das Geschichte ist: Bei einem Workshop im Jahr 2012 mit Bürgern war demonstriert worden, wie der Hochwasserschutz für Lahnstein aussehen könnte.
    Ein Bild, das Geschichte ist: Bei einem Workshop im Jahr 2012 mit Bürgern war demonstriert worden, wie der Hochwasserschutz für Lahnstein aussehen könnte.
    Foto: Tobias Lui

    Die Regionalstelle Wasserwirtschaft hat die Nutzen/Kosten-Untersuchung (NKU) am Dienstag Oberbürgermeister Peter Labonte vorgestellt. Demnach wären die Kosten für eine Schutzanlage in den kommenden 100 Jahren statistisch gesehen erheblich höher als die dadurch verhinderten Hochwasserschäden.

    Die schwierige Gemengelage rund um den Hochwasserschutz in Lahnstein war allen Beteiligten von Beginn des Verfahrens an bewusst: Relativ gut vorhersagbare Rhein-Hochwasser, eine nahezu unkalkulierbar schnell steigende Lahn und mögliche Rückstaus auf dem Rhein durch einfließende Hochwasser der Mosel ergeben eine gefährliche Kombination. Deshalb mussten sich die Behörden schrittweise an die Machbarkeit herantasten.

    Es bestand noch Hoffnung

    Bereits in den Jahren 2003 bis 2007 wurden im Auftrag der SGD von einem Ingenieurbüro Voruntersuchungen bezüglich der Machbarkeit einer Hochwasserschutzanlage erstellt. Diese wurden von der Regionalstelle Montabaur durch Untersuchungen zu den besonderen Abflussbedingungen zwischen Rhein, Lahn und Mosel ergänzt. Nach Abschluss dieser ersten Untersuchungen lag der NKU-Index noch bei 1 und erschien damit gerade noch wirtschaftlich. Zum Vergleich: Im Bundesverkehrswegeplan werden keine Projekte unter einem Wert von 7 umgesetzt. Beim Hochwasserschutz in Rheinland-Pfalz wurden bislang alle Projekte mit einem NKU-Wert 2 angepackt. In Bad Kreuznach an der Nahe liegt der Wert sogar bei 20.

    Trotz des geringen Ausgangswertes von 1 bestand also für Lahnstein noch Hoffnung, dass der Hochwasserschutz im wirtschaftlichen Rahmen bleibt. Deshalb wurde mit der verfeinerten Machbarkeitsstudie der nächste kostenintensive Planungsschritt vollzogen. Hierzu mussten insbesondere noch die offenen Fragen bezüglich der Untergrundhydraulik, der städtebaulichen Aspekte sowie der Denkmalpflege geklärt werden. Zur Klärung dieser Fragen hat die SGD das Ingenieurbüro Francke & Knittel aus Mainz beauftragt, das auch den Bau des Hochwasserschutzes in Bad Kreuznach fachlich begleitet hatte.

    Ergebnis alles andere als erfreulich

    Das Ergebnis, das Peter Labonte gestern vorgelegt bekam, war für den Oberbürgermeister alles andere als erfreulich. Denn das bodenhydraulische Gutachten offenbarte eine wahre Kostenexplosion für einen effektiven Hochwasserschutz. Einfach gesagt: Der Untergrund ist schlichtweg zu durchlässig. Um im Hochwasserfall kommen aufgrund der ungünstigen Untergrundverhältnisse Grundwasserzuflüsse vom Binnenland hinzu. Um diese beherrschen zu können, müssten für Nieder- und Oberlahnstein zwei Pumpengalerien (aneinandergereihte Brunnen) vorgesehen werden. Diese Galerien wären laut SGD gegenüber einem zentralen Pumpwerk bereits die kostengünstigere Variante. Ob diese ihre Funktion ausreichend erfüllen, müsste erst noch umfassend getestet werden. Zusätzlich wären dabei im Bereich der Altstadt Niederlahnstein und in Teilbereichen Oberlahnsteins jeweils Untergrundabdichtungen bis auf den Fels erforderlich - mit der Folge eines ganzjährigen kostenintensiven Pumpbetriebs zur Grundwasserregulierung.

    Städtebaulich wäre der Hochwasserschutz an der Lahn voraussichtlich alles andere als schön und die Akzeptanz in der Bevölkerung dürfte als fraglich gelten. Als städtebaulich noch vertretbare Bauwerkshöhe für einen festen Hochwasserschutz empfiehlt die aktuelle Studie eine maximale Schutzhöhe, die einem Hochwasser entspricht, das statistisch gesehen einmal in 20 Jahren eintritt. Dieses sogenannte "HQ20 Lahn" entspricht beispielsweise am Wirtshaus an der Lahn einer Schutzwandhöhe von 4,50 Meter über dem Gelände. Die Verwendung mobiler Elemente, um die Höhe im Fall einer Flut per Handarbeit zu erhöhen, wäre in Lahnstein laut SGD rein logistisch kaum umsetzbar. Denn die Lahnhochwasser kommen dafür zu schnell. Kurz nach der Alarmierung wäre die Zuwegung gegebenenfalls schon überflutet und nicht mehr zugänglich. Stattdessen die mobilen Elemente jährlich mehrere Monate lang zur "Hochwassersaison" anzubringen, wäre städtebaulich keine nennenswerte Verbesserung.

    Weitere Untersuchungen nicht gerechtfertigt

    Aufgrund der Explosion bei den Baukosten hat die SGD den zu erwartenden Nutzen der Anlage, der zuletzt 2007 ermittelt worden war, erneut untersuchen lassen. Mit der mikroskaligen Abschätzung des Schadenspotenzials durch Hochwasser wurde das darauf spezialisierte Ingenieurbüro Ruiz Rodriguez, Zeisler, Blank aus Wiesbaden beauftragt. Dabei wurde jedes einzelne Grundstück mit den darauf befindlichen Gebäuden und deren Höhenanlagen betrachtet. Das Ergebnis war ein weiterer Rückschlag für die NKU: Die ermittelten Schadenswerte lagen sogar noch unter denen, die noch 2007 angenommen worden waren. Unter dem Strich kommen die Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass ein NKU-Mindestwert von 1, der weitere kostspielige Untersuchungen und Tests rechtfertigen würde, nicht erreicht werden kann.

    Die SGD Nord will die Ergebnisse der nun vorliegenden verfeinerten Machbarkeitsstudie möglichst bald auch den städtischen Gremien und den interessierten Bürgern vorstellen. Da der geplante staatliche Hochwasserschutz nicht wirtschaftlich umgesetzt werden kann, sollen alle Möglichkeiten für Schutzmaßnahmen einzelner Gebäude oder Gebäudereihen ausgelotet und ausgeschöpft werden. Die Wasserwirtschaftsverwaltung will die Stadt Lahnstein und die Bürger dabei unterstützen.

    Oberbürgermeister kann Entscheidung nachvollziehen

    Oberbürgermeister Peter Labonte, der nach seinem Gespräch mit der SGD für unsere Zeitung eine erste Stellungnahme abgab, ist "enttäuscht, weil ich mir für uns alle eine andere Entscheidung gewünscht habe", kann die Entscheidung aber nachvollziehen. "Schließlich wurden die Kosten heute von der SGD mit 22,5 Millionen Euro beziffert." Und er habe den Eindruck, dass die Behörde bis zuletzt alles versucht habe, das Projekt zu verwirklichen. Jetzt, so kündigt Labonte an, gelte es, nach vorn zu schauen, "wir können die Bürger schließlich nicht im Regen stehen lassen." Als Stichworte nannte er ein Städtisches Hochwasservorsorgekonzept und individuelle Objektschutzmaßnahmen.

    • Ausführlich über die SGD-Entscheidung informieren will die Verwaltung im Rahmen einer Bürgerversammlung am Mittwoch, 14. Dezember, um 17 Uhr voraussichtlich in der Stadthalle.

    Von unseren Redakteuren Karin Kring und Andreas Jöckel

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