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  • Goethe-Gymnasium: Noch mehr Drama, Baby

    Bad Ems. Frust, Trouble (feuchte) Träume: Die English Drama Group hat sich mit "Brighton Beach Memoirs" ein Theaterstück vorgeknöpft, das mit viel Humor und Tiefgang die Abgründe einer Patchwork-Familie im New York des Jahres 1937 beleuchtet.

    Von Michaela Cetto

    Unfassbar, was die English Drama Group des Goethe-Gymnasiums jedes Jahr auf die Bühne bringt. Monatelange Probenarbeit, schlaflose Nächte und Rinnsale von Angstschweiß gipfelten beim Premierenabend am Dienstag im Badhaus in eine mitreißende Aufführung, die mit stehenden Ovationen und begeistertem Jubel belohnt wurde.

    Dabei war es kein einfaches Stück, dass die Leiter der Theatergruppe, Beate Karst und Martin Bröcker, für ihre Schützlinge ausgesucht hatten: Träume, Geldnot, Eifersucht, Pubertät, Verlust, Angst, Enttäuschung, Versöhnung - das alles zeigt "Brighton Beach Memoirs". So erstaunlich die Parallelen im sozialen Miteinander damals wie heute, so bestürzend die Aktualität der Flüchtlingsthematik, die den Autor beim Schreiben des Stückes umtrieb. Denn nicht zuletzt müssen sich die Figuren mit den vor Hitlers Nationalsozialismus fliehenden Anverwandten auseinandersetzen.

    Was unmittelbar schwerer wiegt, sind die Katastrophen des Alltages, die der knapp 15-jährige Eugene Morris Jerome in seinem Tagebuch (den „Memoirs“) festhält. Dieser fürchtet ob seines abscheulichen Namens um seine Karriere als Baseballspieler und übt mit seinen Memoiren schon einmal Plan B: den Schriftstellerberuf. Großartig verkörpert wird der Heranwachsende von Noel Zinke, der hellwach jeden Gag punktgenau platziert und nicht nur in den (unzähligen!) Dialogen glänzt, sondern auch als distanzierter Erzähler, der den direkten Kontakt zum Publikum hält.

    Vor allem seine ersten pubertären Erfahrungen auf dem Weg zu dem „Golden Palace of the Himalayas“ (was man sehr frei vielleicht mit „Bermuda-Dreieck“ übersetzen könnte) bereiten den Zuschauern Vergnügen, und man muss kein Prophet sein, um zu erahnen, dass die Darsteller heilfroh sind, die peinlichen Fragen und Erkenntnisse in einer fremden Sprache äußern zu dürfen. Sehr witzig jedenfalls.

    Beachtlich auch die schauspielerische Leistung der anderen Akteure: Den gebeutelten Vater mit dem großen Herz für die Familie gibt Tim Haag überzeugend. In der kleinen Laurie, die ob einer wohl eingebildeten Herzschwäche zum Ärger des Protagonisten verhätschelt wird, enthüllt Bianca Sauer die ganze Palette des Kleine-Schwester-Phänomens: das liebenswerte Mädchen, die verwöhnte Prinzessin, die Nervensäge. Eugenes Bruder Stanley wird facettenreich verkörpert von Niklas Haas – gemeinsam kreieren Noel und Niklas die wohl komischsten Momente auf der Bühne.

    Nicht minder facettenreich und energiegeladen zeigt Katharina Epstein die schöne Nora, die von einer Karriere am Broadway träumt, und deren emotionale Versöhnungsszene mit ihrer Mutter Blanche (Seraphina Hollemann) auch die Zuschauer zu Tränen rührt. Letztere setzt mit ihrem ernsten, besonnenen Spiel einen wunderbaren Gegensatz zu der schlagfertigen Kate, die als Familienmanagerin mit kühlem Kopf die Fäden in der Hand hält. Mit immenser Bühnenpräsenz schimpft, mahnt, tadelt, kümmert, streitet und versöhnt sich Madeleine Thom in ihrer Rolle. Sehr starker Auftritt.

    Lobende Worte und rote Rosen verteilte Schulleiter Joachim Baldus im Anschluss der Vorstellung zurecht großzügig. Tatsächlich kann man vor der Leistung der jungen Akteure den Hut nicht tief genug ziehen. Immerhin stecken vier der Schauspieler mitten im Abitur und stemmen das Theater mal so ganz „nebenbei“. Bleibt nur zu hoffen, dass nächstes Jahr genügend willige Akteure nachrücken. Denn über eines dürften sich die Zuschauer nach dem Premierenabend einig sein: Das Goethe-Gymnasium braucht noch mehr Drama, Baby.

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