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  • Funde in der Klosterkirche Arnstein begeistern die Fachleute

    Seelbach. Schon äußerlich ist die Arnsteiner Klosterkirche ein Schmuckstück. Wie andere wunderbare Kirchen an der Lahn zeuge sie davon, welch blühende Region dies gewesen sei, sagt Wolfgang Rösch, Ständiger Vertreter im Bistum Limburg. Aber auch innen sei sie reich an Geschichte.

    Von unserem Redakteur Carlo Rosenkranz

    Zur Anschauung wurden Teile der Klosterkirche in der künftigen Farbgebung vorgestellt. Auch im Kirchenschiff sind Teile in den Farben des 15. Jahrhunderts hergestellt. 
    Zur Anschauung wurden Teile der Klosterkirche in der künftigen Farbgebung vorgestellt. Auch im Kirchenschiff sind Teile in den Farben des 15. Jahrhunderts hergestellt. 
    Foto: Carlo Rosenkranz

    Die 1172 entstandene Arnsteiner Bibel, die seit 300 Jahren in London aufbewahrt wird, und die mittelalterlichen Glasmalereien im Westfälischen Landesmuseum wurden am Donnerstag gar nicht erwähnt, die Friedensglocke von 1648 nur ganz am Rande. Der Fokus war auf die Entdeckungen gerichtet, die seit 2013 im Zuge der Untersuchungen zur Vorbereitung der Sanierung gemacht wurden. Und auch davon gibt es reichlich.

    Drohnen im Einsatz

    Eine am Befund orientierte Sanierung ist das Ziel, wie Landeskonservatorin Roswitha Kaiser sagt. Dazu gab es aufwendige Untersuchungen. Die Kirche St. Maria und Nikolaus wurde innen und außen mit Drohnen abgeflogen, um sie Stück für Stück fotografisch zu dokumentieren. Auf Gerüsten stehend untersuchten die Baufachleute Schicht für Schicht Farbauftrag, Putz und das darunter liegende Mauerwerk. Einer soll sich gar aus einem Fenster abgeseilt haben, um Stellen zu erreichen, wo kein Gerüst errichtet werden konnte. Holz wurde dendrochronologisch untersucht und seine Herkunft aufs Jahr genau bestimmt. Am Ende steht die Erkenntnis, dass große Teile der Kirche im Mittelalter farblich völlig anders aussahen als heute.

    Im Gewölbe des Chors sind über der gelben Wand rote und blaue Flächen sowie zweifarbige Gerippe zu sehen.
    Im Gewölbe des Chors sind über der gelben Wand rote und blaue Flächen sowie zweifarbige Gerippe zu sehen.
    Foto: Carlo Rosenkranz

    "Sie werden verblüfft sein", prophezeite Kaiser den zahlreichen Gästen der Präsentation. Besonders die Farbfassung der zweiten gotischen Bauphase der Klosterkirche, die auf die Zeit von 1425 bis 1433 datiert wird, hat es den Experten angetan - und nicht nur ihnen. Im Chor, wo derzeit ein schmuddeliges Weiß-Grau vorherrscht, prägten damals gelbe Wände das Bild. "Das stammt aus der französischen Kathedralarchitektur", meint Restauratorin Karen Keller. Noch bemerkenswerter: Das Kreuzrippengewölbe war halb blau, halb rot eingefärbt. Die Rippen selbst waren ebenfalls zweifarbig, sodass jeweils die blaue Hälfte an den roten Teil des Gewölbes stößt und der rote Teil an den blauen Bereich des Gewölbes. Eine Tatsache, die Keller ins Schwärmen geraten lässt. "Es sieht ein bisschen wie ein Zirkuszelt aus", sagt sie. Auf einigen der blauen Flächen waren zudem Engel abgebildet. Diese wurden vor Jahrzehnten ebenfalls bei einer Kirchenrenovierung von Bruno Krings fotografisch festgehalten, der als Autor des Buchs "Das Prämonstratenserstift Arnstein a. d. Lahn im Mittelalter" bekannt ist.

    Engel und die Farbe des Himmels

    Wie ungewöhnlich die Farbgebung ist, zeigt die zunächst vorhandene Skepsis der Restauratorin. "Wir waren sehr erstaunt über den blauen Hintergrund der Engelsdarstellungen, weil sie sehr großflächig und in der Baugeschichte beispiellos sind", sagt sie. Deshalb habe man untersucht, ob die dafür benutzten Farbpigmente schon im Mittelalter verwendet wurden. Die Experten fanden Azurit, das schon die alten Ägypter nutzten und in der mittelalterlichen Buchmalerei eine Rolle spielte. Für den Diözesankonservator Prof. Matthias Kloft passen Engel und blauer Hintergrund ideal zusammen: "Die Himmelsfarbe und die Himmelsbewohner", sagt er.

    Dass heute noch etwas von der rund 600 Jahre alten Farbgebung zu finden ist, ist Glückssache. Weniger der Zahn der Zeit als vielmehr vergangene unsachgemäße Sanierungen haben große Schäden verursacht. Damals sei die Oberfläche abgelaugt und die Lauge auf dem Untergrund gelassen worden. Dort seien die Salze noch immer vorhanden und machten Probleme, berichtet Restauratorin Keller. Übrigens: Nicht alles wird später sein wie im 15. Jahrhundert. Der aus der Phase der Barockisierung (1733 bis 1760) stammende Stuck wird restauriert und bleibt erhalten. "Im Bistum Limburg gibt es nichts Vergleichbares", sagt Keller. Um die Fehler vergangener Arbeiten zu vermeiden, will man historische Materialien und Arbeitsweisen verwenden. Statt Farbe nimmt man eingefärbten Putz, der mit breiten Quasten im Kreuzschlag aufgetragen wird. Überhaupt will man bei der Sanierung des historischen Bauwerks achtsam vorgehen. "Es gibt keine Schnellschüsse mehr", beschreibt Diözesankonservator Kloft die Entwicklung der Denkmalpflege. Auch moderne Werkstoffe hätten sich nicht bewährt, während die historischen Materialien bewiesen hätten, dass sie lange halten.

    Klosterkirche in Arnstein soll bunter werden: Sanierung von 2017 bis 2025
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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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