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  • Flüchtlinge: Wohnraum in der Verbandsgemeinde Nastätten wird langsam knapp

    VG Nastätten. Zurzeit befinden sich in der Verbandsgemeinde Nastätten 212 Flüchtlinge und Asylbewerber. Das Gros stammt aus Syrien (80 Personen), Afghanistan (30) und dem Iran (23). Diese Zahlen hat Arno Thomas von der VG-Verwaltung erst vor wenigen Tagen zusammengefasst. Zugleich macht er darauf aufmerksam, dass es langsam aber sicher zu Engpässen bei der Unterbringung immer neuer Flüchtlinge kommt.

    Gemeinsame Schicksale bringen die Menschen schnell zusammen, wie bei diesen beiden Müttern, die schnell Kleidung für ihre Kinder gefunden hatten. Die Hilfsbereitschaft in der VG Nastätten ist groß, Wohnraum aber wird langsam knapp. (Archivfoto)
    Gemeinsame Schicksale bringen die Menschen schnell zusammen, wie bei diesen beiden Müttern, die schnell Kleidung für ihre Kinder gefunden hatten. Die Hilfsbereitschaft in der VG Nastätten ist groß, Wohnraum aber wird langsam knapp. (Archivfoto)
    Foto: Norbert Schmiedel

    Von Michael Stoll

    Die meisten Asylbewerber sind zurzeit in der Stadt Nastätten (rund 90 Personen) und in Bogel (etwa 24 Personen) untergebracht. Der Rest verteilt sich auf die anderen Ortsgemeinden. So weit es geht wird darauf geachtet, dass Landsleute zusammen eine Wohnung oder ein Haus nutzen können. Das Problem: Es gibt immer weniger freie Wohnungen, die vom Zustand und vom Mietpreis her für eine Unterbringung in Frage kommen. Dazu Arno Thomas: "Wir gucken uns natürlich die Wohnungen an und achten darauf, dass sie auch bewohnbar sind. Leider gibt es zu wenige Singlewohnungen in unserem ländlichen Raum, was uns Schwierigkeiten bereitet, denn vor allem in jüngster Zeit kommen immer mehr alleinstehende Flüchtlinge, meist junge Männer. Dagegen waren am Anfang der Flüchtlingswelle noch viele Familien darunter."

    Vor der Anmietung sehr großer Wohnungen schreckt die Verwaltung, die ja selbst als Mieter auftritt, im Moment aber noch zurück, denn hier müssten Wohngemeinschaften gebildet werden, was unter Umständen zu weiteren Problemen führen könnte. Eine der Folgen dieses Engpasses: Die ersten Flüchtlinge mussten bereits in einem Hotel einquartiert werden. Vorübergehend, erklärt Thomas, denn als Dauerlösung kommt ein Beherbergungsbetrieb schon allein deshalb nicht infrage, weil die Menschen hier zum Beispiel nicht selbst kochen oder waschen können. Bei Bedarf können Menschen sogar im Klubhaus des Nastätter Tennisvereins unterkommen, das der Verein zur Verfügung stellt - aber nur bis Ende März, wenn die Saison für den Weißen Sport wieder beginnt. Verschärft wird die Wohnraumproblematik übrigens noch dadurch, dass Flüchtlinge, die als Asylberechtigte anerkannt sind, zwar aus der Statistik der VG-Verwaltung herausfallen und fürderhin vom Jobcenter betreut werden, damit aber nicht zwangsläufig aus ihren Wohnungen ausziehen, was ja sicherlich auch verständlich ist.

    Etwa 80 Asylberechtigte, so schätzt Thomas, leben derzeit im Bereich der Verbandsgemeinde. Die meisten von ihnen sind Syrer, Afghanen, Iraker, Iraner und Eritreer - deren Anträge auf Asyl werden in der Regel positiv beschieden. Zusammen mit den Asylbewerbern sind es also rund 300 Menschen, die hier Zuflucht gesucht und gefunden haben.

    Unter den Asylbewerbern gibt es aber auch immer wieder Menschen, die sich dazu entschließen, wieder in ihre Heimat zurückzukehren, ohne zuvor auf das Asylverfahren zu warten. Im letzten halben Jahr waren es knapp 20 Personen, meist vom Balkan, aber zum Beispiel auch eine syrische Familie, die zurückgeführt wurden. Dass die Zahl der Asylbewerber auch in der VG Nastätten dennoch wächst, hängt damit zusammen, dass noch immer Tausende Menschen in den Erstaufnahmeeinrichtungen darauf warten, einer Kommune zugewiesen zu werden. Und gleichzeitig kommen ja trotz des Winters noch immer täglich Tausende in Deutschland an. Perspektivisch dürfte also auch im Blauen Ländchen die Zahl der Asylsuchenden noch weiter zunehmen - und Arno Thomas und seine Mitarbeiter werden deren Unterbringung auch in Zukunft meistern müssen. Übrigens: Bei der Verwaltung kümmern sich zwei Mitarbeiter mit Vollzeitstellen um Flüchtlinge und Asylbewerber, aber auch um alle anderen Belange, die in der Sozialabteilung anfallen. Zusätzlich sind jetzt zwei Mitarbeiterinnen in Teilzeit angestellt. Die Unterbringungs- und alle weiteren Kosten zu 100 Prozent werden über den Kreis vom Land abgedeckt. Die Personalkosten innerhalb der Verwaltung jedoch muss die Verbandsgemeinde selbst aufbringen.

    Mehr als 80 potenzielle Paten: Die Unterstützung für Flüchtlinge ist in der Verbandsgemeinde Nastätten nicht nur Sache der Verwaltung. Zur Koordination wurde das Netzwerk „Flüchtlingshilfe“ gegründet. Hier haben sich mehr als 80 Menschen angemeldet, die als sogenannte Paten ihre Hilfe und ihren Einsatz anbieten. Da ist zum Beispiel der pensionierte Schreiner, der bei Bedarf hier ein Regal anschraubt, dort eine Reparatur durchführen kann. Oder eine Frau, die islamische Mädchen und Frauen begleitet, wenn diese zum Frauenarzt müssen. Und es gibt Beispiele, wo sich in einem Dorf drei deutsche um eine Flüchtlingsfamilie kümmern. Wen's interessiert, wer noch mitmachen möchte, der kann sich auf der Homepage der VG-Verwaltung informieren. Seit dem 1. Februar hat zudem eine Halbtagskraft ihre Arbeit bei der Koordinierungsstelle der Evangelischen Kirche aufgenommen. Finanziert wird dieses Modell von den Verbandsgemeinden Nastätten, Loreley und Katzenelnbogen, der Stadt Nastätten, der Kirche selbst und der Diakoniegemeinschaft Paulinenstift. Sprachkurse sind bei Asylbewerbern stark nachgefragt. Zurzeit geben vier ehrenamtliche Frauen solche Kurse für Anfänger, leicht Fortgeschrittene und Fortgeschrittene. Besucht werden sie zurzeit von rund 30 Asylbewerbern. Sprachkurse und eine Nachmittagsbetreuung gibt es auch für schulpflichtige Flüchtlingskinder. Derzeit werden fünf in der Grundschule Miehlen, elf an der Grundschule Nastätten und rund 30 an der IGS unterrichtet. Mitarbeiter des Jugendhauses Hahnenmühle kümmern sich mit Hausaufgabenbetreuung um die Schüler.

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