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  • Projekt VG Loreley startet Bürgerbeteiligung zu Vorsorge- und Schutzkonzept für Kommunen

    Bürgerbeteiligung zum Hochwasserschutzkonzept gestartet: Bewusstsein für Risiken schaffen

    Braubach. Konzepte zum Thema Hochwasser sollen über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren für die Kommunen in der Verbandsgemeinde Loreley erarbeitet werden. Dabei geht es um zwei zentrale Fragen: Wie viel Schutz ist möglich und was ist an Vorsorge bei Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen nötig? Mit einem Rundgang der Verwaltung, der Hochwassernotgemeinschaft (HWNG) und der Feuerwehr durch die Braubacher Risikogebiete ist die Bürgerbeteiligung dazu jetzt gestartet.

    Ingenieur Roland Boettcher erläutert die Funktion eines Regenrückhaltebeckens im Dachsenhäuser Tal oberhalb von Braubach. Die Verbandsgemeinde Loreley hat die Bürgerbeteiligung zu einem Hochwasserschutz- und vorsorgekonzept gestartet. Foto: Andreas Jöckel
    Ingenieur Roland Boettcher erläutert die Funktion eines Regenrückhaltebeckens im Dachsenhäuser Tal oberhalb von Braubach. Die Verbandsgemeinde Loreley hat die Bürgerbeteiligung zu einem Hochwasserschutz- und vorsorgekonzept gestartet.
    Foto: Andreas Jöckel

    Zwei völlig verschiedene Hochwassertypen spielen in der VG Loreley eine Rolle: die relativ gut vorhersagbaren Fluten des Rheins und die plötzlich auftretenden und nur schwer kalkulierbaren Überschwemmungen, wenn Starkregen die Bäche von den Höhen ins Tal binnen kürzester Zeit ansteigen lässt. Genau diese ansonsten beschaulichen Bächlein, die in Verwaltungssprache Gewässer dritter Ordnung genannt werden, stellen die Mittelrheiner aufgrund des Klimawandels vor viele neue Herausforderungen. Denn die kleinen Gewässer waren es, die nach den Starkregen im Mai und Juni 2016 zu reißenden Fluten wurden und einige Orte in der VG an den Rand einer Katastrophe gebracht haben. Und nicht nur das: Es entstanden „Gewässer“, die es zuvor gar nicht gab, die plötzlich aus den Steilhängen in die Häuser schossen.

    Bei Einlaufbauwerken besteht die Gefahr, dass sie durch Gartenabfälle verstopft werden. Foto: Andreas Jöckel
    Bei Einlaufbauwerken besteht die Gefahr, dass sie durch Gartenabfälle verstopft werden. 
    Foto: Andreas Jöckel

    Auftrag erteilt

    Einstimmig hatte der Verbandsgemeinderat im September vergangenen Jahres das Ingenieurbüro Roland Boettcher aus Urbar (Verbandsgemeinde Vallendar) mit der Betreuung des Projekts beauftragt. Für die Investitionskosten von 146.200 Euro zur Erstellung des Konzepts, die sich bis 2018 hinzieht, erhält die VG eine 90-prozentige Landesförderung in Höhe von fast 131.600 Euro.

    Risiko-Bewusstsein schaffen

    Zur Zielsetzung zählt laut VG-Bürgermeister Werner Groß auch, möglichst viele Menschen mit der Problematik vertraut zu machen: „Es geht vor allem darum, ein allgemeines Bewusstsein für die Gefährdungslage und die notwendige Vorsorge zu entwickeln.“ Bei der Begehung in Braubach wurde das Risikopotenzial in der Wein- und Rosenstadt deutlich. Da ist zunächst der Bachlauf durch das Dachsenhäuser Tal (Großer Bach), der unter der Stadt hindurch in den Rhein fließt. Dort wurde mit Regenrückhaltebecken inklusive Entlastungsbauwerk schon vor 15 Jahren Vorsorge getroffen. Mit einfachen Worten erklärt Ingenieur Boettcher das so: „Das Ganze funktioniert wie eine riesige Badewanne, die einen Schlitz hat, damit sie nicht überläuft.“ Das Stauvolumen beträgt rund 25 000 Kubikmeter. Die Kosten von 1 Million Euro haben je zur Hälfte die Verbandsgemeinde und das Land gezahlt. Das Bauwerk scheint seinen Zweck zu erfüllen: „Seit das Rückhaltebecken da ist, hatten wir hier kein Hochwasser mehr“, sagt ein Anwohner, durch dessen Garten der Bach weiter unter fließt. Noch etwas weiter talwärts, wo der Bach neben der Dachsenhäuser Straße in Rohre unter den Gehweg fließt, wird ein weiteres Problemfeld deutlich. Meist sind es Gartenabfälle, die das erst kürzlich geräumte Einlaufbauwerk wieder teilweise blockieren. Unachtsam am Bachlauf gelagerter Grünschnitt könnte zudem bei Starkregen eine folgenschwere Verstopfung verursachen.

    Gefahrenpotenzial erkennen

    Ein weiteres Risiko spricht HWNG-Vorsitzender Heinz Scholl an: Es sind zwei Seitentäler, die von der Höhe hinunter auf Braubach führen. Während von Dachsenhausen aus ein Rückhaltebecken für Entlastung im Notfall sorgt, gibt es eine solche Einrichtung entlang des Mühlbachs aus Richtung Hinterwald noch nicht: „Auch hier muss dringend etwas getan werden“, mahnt Scholl.

    Der größte anzunehmende Hochwasserfall in Braubach wäre, wenn ein Rheinhochwasser und Fluten nach Starkregen von Bergseite zusammentreffen würden. Statistisch betrachtet ist Braubach zumindest vor einem Hochwasser des Rheins, wie es etwa alle 65 Jahre auftritt, geschützt. Zur Veranschaulichung: Bei einem 100-jährigen Ereignis stünde das Wasser bis auf Höhe der Nonnengasse, bei einem Extremhochwasser fasst bis zum Obertor. Dafür gibt es unter anderem ein hochtechnisiertes System aus Pumpen, Drainagen, Überlaufsystemen. Durchlässe in der Schutzwand (Deichscharten) können geschlossen werden. Außerdem gibt es mobile Elemente für einen erhöhten Aufbau. In diesem Zusammenhang mahnen Feuerwehr und HWNG an, dass der ein Einsatztest mit Verwendung der mobilen Elemente dringend mal wieder geübt werden müsste.

    Workshops in Schwerpunktgruppen

    Die Bürgerbeteiligung wird im ganzen VG-Gebiet fortgesetzt. Geplant sind unter anderem elf Workshops, in denen wichtige Anforderungen gesammelt werden sollen. Dazu werden die Städte und Gemeinden teilweise zu Schwerpunktgruppen zusammengefasst. Die Themen der Workshops ergeben sich aus der jeweiligen Lage der Kommune. Da alle Gemeinden potenziell durch Starkregen gefährdet sind, wird dieses Thema in allen Workshops behandelt, das Thema Flusshochwasser hingegen nur in den Rheingemeinden. Die Gruppen sind wie folgt aufgeteilt: Diese sind: Braubach und Dachsenhausen; Filsen und Osterspai; Lykershausen, Dahlheim und Prath; Weyer und Nochern; St. Goarshausen; Auel, Lierschied und Patersberg; Reichenberg und Reitzenhain; Bornich, Weisel und Dörscheid; Kaub sowie Sauerthal.

    Die Einbeziehung der betroffenen Orte und Regionen in den Workshops orientiert sich am „Leitfaden für die Aufstellung von örtlichen Hochwasserschutzkonzepten“ des Landes Rheinland-Pfalz. Gemäß diesem Leitfaden gab es bereits entsprechende Pilotprojekte am Mittelrhein (Leutesdorf, Vallendar und Lahnstein), an der Mosel (Kobern-Gondorf) sowie an der Nahe (Bad Münster am Stein).

    Von unserem Redakteur Andreas Jöckel

    Beispiele für Möglichkeiten der Hochwasservorsorge

    Kommunale Vorsorge:

    • Bebauungspläne überprüfen und optimieren
    • Natürlichen Wasserrückhalt schaffen, Bewirtschaftung der land- und forstwirtschaftlichen Flächen optimieren (auch stärkere Beseitigung von Totholz)
    • Technik: Hochwasserrückhaltebecken, Schutzmauern, Deiche, Hangsicherungen, Auffangnetze, Verrohrungen
    • Angepasstes Bauen und Sanieren
    • Sicherstellung der Ver- und Entsorgung auch bei Hochwasser (Strom, Telekommunikation, Wasser, Abwasser)
    • Katastrophenschutz auf VG- und Kreisebene koordinieren: Warnung, Alarm - und Einsatzpläne, Evakuierungspläne
    • Selbsthilfe organisieren: Feuerwehren oder Bauhöfe entsprechend schulen und ausrüsten, Hochwassernotwege ausweisen, Nachbarschaftshilfe, Verkehrslenkung, Ansprechpersonen bekannt geben
    • Private Vorsorge:

      • Verhaltensregeln zur Vorbereitung auf Hochwasser und im Hochwasserfall
      • Für Evakuierung vorsorgen
      • Elementarschadenversicherung, wenn möglich
      • Maßnahmen in Industrie- und Gewerbebetrieben aj
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    Markus Eschenauer

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