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  • Angebot vor Ort: Miehlen hofft auf positive Dorfladen-Bilanz

    Miehlen. Passend zur Jahreszeit stehen Schoko-Nikoläuse im Regal, daneben gibt es Stollen, Adventskalender und Kerzen - der Dorfladen an der Miehlener Hauptstraße ist gut ausgestattet. Er bietet alles Überlebensnotwendige und noch ein klein wenig mehr.

    Im Juli vergangenen Jahres hat die Ortsgemeinde den Laden von der Arbeiterwohlfahrt übernommen. Gleich neun Geschäfte im Rhein-Lahn-, dem Westerwaldkreis und dem Kreis Altenkirchen hatte die AWO-Gemeindepsychiatrie in Bad Marienberg geschlossen. "Die Läden waren zum Teil stark defizitär", begründet Jürgen Borniger, Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH, die Schließungen. Ein Grund seien hohe Personalkosten gewesen: "Um konkurrenzfähig zu sein, haben wir Personal im Schichtdienst gebraucht", sagt Borniger gegenüber unserer Zeitung.

    Foto: Cordula Sailer

    Um nicht das einzige Lebensmittelgeschäft in Miehlen zu verlieren, stimmte der Gemeinderat damals einstimmig für dessen Fortführung. "Wir wollten den Laden weiterführen, um die Lebensqualität für die ältere Generation zu erhalten", erklärt Bürgermeister Ernst-Georg Peiter die Entscheidung. Aber auch jüngere Bürger sollen angesprochen werden. Je mehr Kunden, desto besser.

    Foto: Cordula Sailer

    Es sei zwar nicht das Ziel, großartig Gewinn zu erwirtschaften, aber das Jahr mit einer schwarzen Null abzuschließen. 2015 ist das gelungen. "Wir sind gespannt, was das Ergebnis 2016 bringt", sagt Peiter. Doch er gibt sich zuversichtlich: Der Betrieb laufe gut.

    Unvorbereitet ist Miehlen jedenfalls nicht in das Projekt geschlittert. Nach einem entsprechenden Aufruf an die Bürger konnte ein Arbeitskreis eingerichtet werden. Der hat sich mit den Herausforderungen eines Dorfladens beschäftigt und Ideen entwickelt. "Darin war auch jemand, der Filialleiter eines großen Discounters ist", erzählt Peiter. Das habe geholfen. Denn seine eigene Erfahrung in Sachen Einkauf hätten sich bisher auf den Wocheneinkauf für die Familie beschränkt, sagt der Bürgermeister mit einem Augenzwinkern.

    Neu ins Angebot aufgenommen hat die Gemeinde einige Schreibwaren wie Postkarten sowie Zeitungen und Zeitschriften. Artikel, die das inzwischen geschlossene Schreibwarengeschäft in der Haargasse verkauft hatte. "Das Sortiment haben wir - soweit es dazu passt - übernommen", erklärt Peiter. Verzichtet habe man beispielsweise auf die Spielwaren.

    Auch der Service der im Dorfladen integrierten Postfiliale ist erweitert worden. Während unter der AWO nur Sendungen abgegeben werden konnten, können nun auch Pakete abgeholt werden. Wer zum Lieferzeitpunkt eines Päckchens nicht zu Hause war, musste davor zur Post nach Nastätten fahren, um es abzuholen, erläutert der Bürgermeister.

    Seit diesem Frühjahr beschäftigt die Gemeinde eine weitere Teilzeitangestellte. Damit sind nun vier Mitarbeiterinnen im Laden beschäftigt: eine Vollzeit-, zwei Teilzeitkräfte und eine Minijobberin. "Außerdem haben wir derzeit 17 Ehrenamtliche, die sich engagieren", berichtet Peiter. Im Einsatz sind die Helfer beispielsweise zweimal die Woche, wenn neue Ware angeliefert wird. Dann heißt es: Paletten auspacken, Produkte etikettieren und Regale einräumen. Auch Buchhaltung und Steuererklärung werden ehrenamtlich geleistet, so der Bürgermeister.

    Und wer es einmal nicht aus eigener Kraft zum Einkaufen schafft, kann den Lieferservice des Dorfladens nutzen. Auch hier sind die Ehrenamtler im Einsatz. Jeden Dienstagnachmittag fahren sie die Einkäufe mit ihren privaten Autos im Ortsgebiet aus. Beliefert werden Firmen im Gewerbegebiet oder meist ältere Stammkundschaft, "die, wenn sie kann, zu Fuß zum Laden kommt", erklärt Peiter. Dabei geht es nicht nur darum, die Leute mit Obst, Gemüse oder Milch zu beliefern. "Die fragen auch, was es Neues gibt", sagt der Bürgermeister. "Die Kommunikation ist für die älteren Herrschaften auch gut."

    Doch trotz vieler helfender Hände: In den Dorfladen muss auch investiert werden. Zum Start im vergangenen Jahr hatte die Gemeinde der AWO etwa die restlichen Waren für 20 000 Euro abgekauft, und ein Computer für die Ehrenamtler wurde angeschafft. Nun muss eine neue Kasse her. "Zum 1. Januar muss die Kasse neuen gesetzlichen Vorgaben entsprechen", erläutert Peiter. Bis zu 6000 Euro könne das neue Modell kosten. "Das wird die Bilanz für 2017 etwas nach unten drücken", so der Ortschef. Wie die Bilanz fürs laufende Jahr dann tatsächlich aussieht, soll voraussichtlich bei der ersten Gemeinderatssitzung im neuen Jahr bekannt gegeben werden.

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    Markus Eschenauer

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    Markus Eschenauer

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