• Startseite
  • » Region
  • » Aus den Lokalredaktionen
  • » RLZ Bad Ems/Lahnstein
  • » Hochwasserschutz in Braubach weist noch Mängel auf
  • Hochwasserschutz in Braubach weist noch Mängel auf

    Braubach. Wie der Hochwasserschutz Neustadt in Braubach genau funktioniert und welche Probleme es noch gibt, war jetzt Thema einer Bürgerversammlung.

    Einen ersten kleinen Belastungstest bestand der Braubacher Hochwasserschutz vor der Neustadt bei dem Hochwasserereignis im Januar 2011.
    Einen ersten kleinen Belastungstest bestand der Braubacher Hochwasserschutz vor der Neustadt bei dem Hochwasserereignis im Januar 2011.
    Foto: ------------

    Von unserer Redakteurin Karin Kring

    Vor einem Hochwasser, wie es, statistisch betrachtet, alle 65 Jahre einmal auftritt - dies bezeichnet die Klassifizierung HQ 65 - ist die Braubacher Neustadt geschützt. Die umfangreiche Hochwasserschutzanlage wurde 2010 fertiggestellt und hat auch im Januar 2011 ihre erste - wenn auch kleine - Bewährungsprobe bestanden. Allerdings arbeitet sie nicht so wie ursprünglich vorgesehen. Wie der Hochwasserschutz Neustadt genau funktioniert und welche Probleme es noch gibt, war jetzt Thema einer Bürgerversammlung mit Fachleuten und Verwaltungsmitarbeitern, die die Hochwassernotgemeinschaft (HWNG) Braubach zu ihrem 30-jährigen Bestehen angeregt hatte.

    Rudolf May von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) erklärte den Zuhörern detailliert die Funktionsweise der Schutzanlage Neustadt. Hier nur einige Details:

    • Eine zehn Meter tiefe Wand wurde ins Erdreich und bis auf den Felsen eingelassen. Darin befinden sich Öffnungen, die das Wasser, das von der Bergseite kommt, in den Rhein abfließen lassen. Bei Hochwasser werden diese Öffnungen durch Schieber geschlossen.
    • Entlang der Deichwand befinden sich Entwässerungsschächte und insgesamt 17 Brunnen, die mit Pumpen versehen sind.
    • Geregelt wird diese Technik durch eine Schaltanlage im Betriebsgebäude (neben der neuen Feuerwache) sowie durch eine weitere kleinere Schaltanlage am Finkenweg.
    • Weiteres Schutzelement ist die hohe Böschung an der B 42, die mittels einer dicken Folie abgedichtet wurde. Falls dennoch Wasser eindringt, greift hier ein Drainagesystem.
    • Hinter der Böschung schützt außerdem eine Spundwand (mit Beton verkleidet) vor den Fluten.
    • Im Innern der Hochwasserschutzanlage Neustadt befindet sich ein hochtechnisiertes System aus Pumpen, Drainagen, Überlaufsystemen, die im Falle eines Hochwassers in Gang gesetzt werden.
    • Durchlässe in der Schutzwand (Deichscharten) werden dann außerdem mit mobilen Elementen geschlossen.

    Trotz der Fertigstellung des Bauwerks vor vier Jahren befindet sich die komplette Anlage noch immer in der Zuständigkeit der SGD Nord und wurde noch nicht an die Stadt Braubach übergeben, erklärte May. Denn die Anlage arbeitet offenbar nicht so, wie es sein sollte, sie weist Mängel auf. Zum Beispiel mussten alle 18 Pumpen schon nach drei Jahren komplett ausgetauscht werden, da sie durch starke Korrosionsschäden völlig zerstört worden waren. Grund war die Kombination von Eisengussmaterial und Edelstahl. Weiterer Mangel: Die Schaltanlagen funktionieren nicht so, wie sie sollten.

    Bei der Abnahme der Anlage durch die SGD war deshalb der technische Bereich vorsorglich ausgeklammert worden. Und auch die Zahlung an die Baufirma ist nur zum Teil erfolgt, der größte Teil an die Firma steht noch aus. May sprach von 17 Millionen Euro Gesamtsumme, von der bislang nur 7 Millionen Euro an die Baufirma gezahlt wurden.

    Wenn alle noch offenen Probleme geklärt sind, soll die Hochwasserschutzanlage Neustadt in die Zuständigkeit der Stadt Braubach übergehen. Dann wird es notwendig sein, eine Wartungsfirma zu beauftragen, die die Steuerung des Bauwerks künftig übernimmt.

    • Gutachten soll Mitte des Monats vorliegen: „Es gibt offenbar erhebliche Differenzen zwischen dem, was SGD Nord in Auftrag gegeben hatte, und dem, was die bauausführende Firma geliefert hat“, formulierte Fachbereichsleiter Harald Kimmel von der VG-Verwaltung Loreley. Die technischen Anlagen des Deiches weisen Mängel auf, die computergesteuerte Technik funktioniere nicht so, wie es sein sollte. Pumpen sollen beispielsweise in regelmäßigen Abständen automatisch in Betreib gehen, um zu gewährleisten, dass sie im Ernstfall funktionsfähig sind. Und natürlich sollen sie auch bei Hochwasser automatisch anlaufen. „Das ganze muss nun geprüft werden“, sagte Kimmel. „Es wird zu klären sein: Was ist tatsächlich eingebaut worden?“ Zurzeit werde ein Gutachten erstellt, mit dessen Ergebnis bis Mitte des Monats November zu rechnen sei. Letztlich, so vermutet Kimmel, werde die ganze Angelegenheit auf einen Rechtsstreit hinauslaufen.
    Anzeige
    Anzeige
    x
    Top Angebote auf einen Klick
    Anzeige
    Regionalwetter
    Freitag

    13°C - 24°C
    Samstag

    15°C - 26°C
    Sonntag

    15°C - 24°C
    Montag

    14°C - 22°C
    Anzeige
    News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
    wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
    epaper-startseite
    Rhein-Lahn-Zeitung.de bei Facebook