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  • Tradition Einst spielten Bäume eine große Rolle - Sortenreichtum soll erhalten bleiben

    Welterbe-Serie, Folge 1: Mittelrheinkirsche steht wieder voll im Saft

    Mittelrhein. Einst war das Welterbegebiet Oberes Mittelrheintal berühmt für seinen Kirschanbau, der das Landschaftsbild geprägt hat. Nach halb Europa wurden die saftigen, roten Früchte exportiert. Mit dem Wandel der Zeit ging der Anbau im Mittelrheintal zurück. Doch seit einigen Jahren rücken die historischen Kirschsorten wieder mehr in den Fokus der Einheimischen und Touristen. Wir haben mit Obstbaumeisterin Hildegard Erhardt am Kirschlehrpfad bei Filsen darüber gesprochen.


    Die Mittelrheinkirsche hat in den vergangenen Jahren eine Renaissance erlebt. Vor mehr als 100 Jahren war der Anbau hier bereits schon mal weit verbreitet.

    Richtig, früher gab es hier einen weit verbreiteten Anbau. In der Mitte des 18. Jahrhunderts begann, dass der Kirschenbau nicht nur die eigene Bevölkerung ernährte, sondern auch, dass die Kirschen verkauft wurden. Das Anbauzentrum war damals in Boppard/Bad Salzig. Der Kirschanbau ist dann immer weiter intensiviert und die Kirschen sind bis nach Holland und England verschifft worden. Als dann die Eisenbahn gebaut wurde, ist die Kirsche auch ins Rhein-Main- und ins Ruhrgebiet verkauft worden. Die Lage im Mittelrheintal sorgt für eine frühe Reife, und die Kirschen haben eine tolle Qualität.

    Was waren die Gründe, dass der Kirschanbau abnahm?

    Immer mehr Kirschen aus dem Ausland kamen dazu, der Kirschanbau war nicht mehr so attraktiv, es war ja auch sehr viel Arbeit. Der gesamte Hang zwischen Filsen und Kamp-Bornhofen war mit Kirschbäumen bepflanzt. Man hat damals lange Leitern zusammengebunden, um auch die Kirschen in den Wipfeln pflücken zu können. Hinzu kam, dass die Preise für die Kirschen in den 1960er-Jahren zurückgingen. Die Kirschen wurden immer mehr zentral vermarktet. Die großen Handelsketten und die Obsthändler wollten mehr einheitliche Paletten mit einer Sorte. Das war bei diesem Sortenreichtum im Mittelrheintal schwierig. Aus diesem Grund sind viele Sorten dann nicht mehr angebaut worden und waren auf dem Weg, verloren zu gehen. Die Konsequenz war, dass der Kirschanbau zurückging, viele Flächen sind brach gefallen.

    Ein japanisches Sprichwort besagt: Wenn der Blütenschimmer der Kirschbäume auf den Hügeln länger währte als ein paar Tage, wir würden ihn nicht so innig lieben. Fotos: Mira Müller
    Ein japanisches Sprichwort besagt: Wenn der Blütenschimmer der Kirschbäume auf den Hügeln länger währte als ein paar Tage, wir würden ihn nicht so innig lieben. Fotos: Mira Müller
    Foto: Mira Müller

    Und dann gab es 2008 einen Umschwung. Man besann sich auf die Tradition des Kirschanbaus zurück. Wie kam es dazu?

    Im Rahmen der Flurbereinigung wurde geschaut, was es in dieser Region an Obstbäumen gibt – neben den Kirschen gab es auch noch viele Pfirsiche, Aprikosen und auch Pflaumen. Dabei ist dann festgestellt worden, dass es allein 82 verschiedene Kirschsorten im Mittelrheintal gibt. Das ist so einzigartig, dass man sich überlegt hat, dass man das Potenzial erhalten sollte. Denn viele Sorten gibt es wirklich nur im Mittelrheintal, wie beispielsweise die Perle von Filsen, Bopparder Krächer oder die Kesterter Schwarze. Es gibt verschiedene Kirschfarben, es gibt verschiedene Kirschwochen. Also es gibt eine riesige Bandbreite, und es wäre einfach schade, wenn das alles verloren ginge. Deshalb gibt es das Projekt Mittelrheinkirsche.

    2008 hat man begonnen, die Kirschsorten im Mittelrheintal wieder zu erfassen. Wie lief das ab?

    Die Pomologin Dr. Annette Braun-Lüllemann hat alle Bäume, die sie gefunden hat, erfasst und viele Menschen befragt nach alten Bäumen und Sorten. Anhand des Aussehens des Baums, aber auch der Früchte und, was ich auch sehr interessant finde, anhand des Aussehens des Steins der Kirsche kann sie bestimmen, welche Sorte sie da vor sich hat. Dabei hat sie natürlich auch Kirschbäume gefunden, die sie nicht eindeutig zuordnen kann und zu denen es keinen Vergleich gibt, die dann Arbeitstitel bekommen haben wie Lahnsteiner Maikirschen-Ähnliche.

    Obstbaumeisterin Hildegard Erhardts Herz schlägt für die Mittelrheinkirsche.
    Obstbaumeisterin Hildegard Erhardts Herz schlägt für die Mittelrheinkirsche.
    Foto: Mira Müller

    Ist mit dieser Arbeit die Sortenvielfalt der Mittelrheinkirschen gerettet?

    Es ist versucht worden, von allen Sorten neue Bäume zu veredeln. Wenn ein Baum ganz schwachwüchsig ist und nicht mehr viel Triebzuwachs hat, ist das schwierig. Wir hoffen, dass die Bäume alle durchkommen und die Vielfalt dadurch erhalten bleibt.

    Ein Anliegen ist, die Bäume in der Region wieder zu rekultivieren.

    Es sind schon wieder viele Bäume gepflanzt worden. Es gibt auch viele Kindergärten, Kommunen und Heimatvereine, die die Identität mit den lokalen Kirschbäumen wieder aufleben lassen wollen, dass die Kirschbäume auch wieder im Landschaftsbild auftauchen, weil sie auch einfach sehr schön sind. Während der Blüte sieht die Kirsche fantastisch aus, aber auch sonst ist sie einfach ein schöner Baum.

    Wie viel wirft so ein Baum ab?

    Das hängt ganz vom Baum ab. Es gibt unterschiedliche Baumformen. So gibt es Bäume, die relativ klein bleiben, etwa drei bis vier Meter, aber es gibt auch Hochstämme. Da kann man schon ein, zwei Zentner Kirschen ernten.

    Mittlerweile haben sich die Akteure rund um die Mittelrheinkirsche Gedanken gemacht, was man aus den Früchten herstellen kann.

    Es gibt verschiedene Produkte, damit man nicht nur in der Kirschenzeit etwas anzubieten hat. Es gibt einen wunderbaren Kirsch-Dessertwein, es gibt Konfitüre, eine Kirschleberwurst, Kirschziegenkäse und auch Kirschsenf und einiges mehr. Das soll auch helfen, die Mittelrheinkirsche zu erhalten. Also Erhaltung durch Nutzung.

    Die Fragen stellte Mira Müller

    Hanami: Kirschblüten-Picknick in Osterspai am 23. April

    Kirschbäume tauchen das Mittelrheintal in ein weißes Blütenmeer. Dann ist wieder Zeit, die Picknickdecke zu schnappen, einen Spaziergang durch die Streuobstwiesen zu machen und sich unter einem blühenden Kirschbaum niederzulassen. Ganz im Sinne des japanischen Kirschblütenfestes lädt der Welterbe-Zweckverband für Sonntag, 23.

    April, ab 14 Uhr zum Welterbe-Hanami. Dabei werden Führungen durch den Sortengarten angeboten, und auch der leibliche Genuss kommt nicht zu kurz. Es werden Spezialitäten aus Mittelrheinkirschen und ein großes Kuchenbüfett unter freiem Himmel aufgetischt. Picknick-Decken und Besteck müssen selbst mitgebracht werden. Vor Ort können Gäste einen kleinen Picknickkorb mit Spezialitäten aus Mittelrhein-Kirschen erwerben. Und wer will, kann seine Fähigkeiten beim Kirschsteinweitspucken unter Beweis stellen. Für die passende Musik sorgen Philipp Steinert und Yannik Hövelmann.

    Stars im Welterbe: Alle Folgen der Serie im ÜberblickVon der Wiese in den Versand: Möglichkeiten der VermarktungSchnittkurs: Kirschbaum braucht stete PflegeKirschgenuss pur: Mal schnell, mal haltbar
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