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    Herdorf/BetzdorfVon der Gastfreundschaft überwältigt

    Einmal andere Erfahrungen sammeln, sehen, wie es in der Welt aussieht, das war Ziel einer dreiwöchigen Reise von Tobias Erner (21) aus Herdorf. Gemeinsam mit seinem Freund Felix Henseler (21) aus Betzdorf-Bruche machte er sich auf den Weg nach Ghana zum christlichen „Wilhelm Educational Complex“ in der Hafenstadt Tema. Durch Hilfe aus Deutschland (Patenschaften) werden dort bis zu 300 Schüler unterrichtet.

    Tobias Erner (im blauen Shirt links) aus Herdorf und Felix Henseler aus Betzdorf-Bruche arbeiteten drei Wochen lang in einer christlichen Schule in der Hafenstadt Tema in Ghana. Basketball und Fußball spielten sie oft mit den Schülern.  Fotos: privat
    Tobias Erner (im blauen Shirt links) aus Herdorf und Felix Henseler aus Betzdorf-Bruche arbeiteten drei Wochen lang in einer christlichen Schule in der Hafenstadt Tema in Ghana. Basketball und Fußball spielten sie oft mit den Schülern. Fotos: privat

    Einer der Unterstützer ist seit 2008 das Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung des Kreises Siegen-Wittgenstein. Von dort fahren regelmäßig Schüler nach Afrika, um in der Schule zu helfen. Henseler, der inzwischen eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei Westnetz absolviert, war so auch schon einmal vor drei Jahren vor Ort. Für Erner, gelernter Erzieher, der ab Oktober Psychologie an der Fachhochschule in Göttingen studiert, ist es der erste Besuch. Erner erzählt der Rhein-Zeitung von diesem Besuch. Der inzwischen pensionierte Lehrer Wilhelm Hawerkamp (Berufskolleg Kleve) hat das Projekt ins Leben gerufen. Im sozialpädagogischen Bereich waren Erner und Henseler in der Schule tätig. Fußball und Basketball hat er mit den Kindern gespielt. Meist mit jungen Menschen aus der achten Klassenstufe. Denn die Schüler der neunten Klasse seien bereits im Prüfungsstress gewesen. „Ja, das kennen die auch in Ghana.“ Denn wer da die Prüfung nicht bestehe, der habe kaum noch eine Chance. Denn einen zweiten Bildungsweg, um auf anderem Weg zum Abschluss zu kommen, gebe es nicht. Der Sport fand bei 30 bis 33 Grad statt. Dazu stets eine hohe Luftfeuchtigkeit. Für einen Westeuropäer schon gewöhnungsbedürftig. Die Schule, so Erner, liege nicht grade in einer guten Wohngegend der Stadt. „Mittendrin in der Realität bin ich dort angekommen.“

    Ein Blick auf den Komplex des Schulgebäudes in der Hafenstadt Tema in Ghana.
    Ein Blick auf den Komplex des Schulgebäudes in der Hafenstadt Tema in Ghana.
    Foto: red

    Vom Kindergartenalter bis zum Alter von etwa 15 Jahren werden in dem Schulzentrum Jungen und Mädchen unterrichtet. Es ist eine Privatschule, die über Spendengelder finanziert wird. Plätze seien dort sehr begehrt. Schließlich seien die Klassen mit rund 20 Schülern schon privilegiert. „In staatlichen Schulen befinden sich oft 60 bis sogar 90 Schüler in einem Klassenraum“, so Erner. Mit einem Schulbus werden die Kinder täglich zur Schule gebracht.

    Da es eine christliche Schule ist, gibt es nicht nur wöchentlich einen Gottesdienst. Schulbeginn ist um 7.30 Uhr. Dann treten alle Schüler ab Klasse 1 auf dem Schulhof an. Die Nationalhymne wird gespielt. Der Schulleiter oder eine andere Lehrperson hält eine kurze Ansprache, und es wird gebetet. „Es ist so eine Art Einführung in den Tag“, berichtet der 21-jährige Erner.

    Die Sprache in der Schule ist Englisch. „Doch das ist gewöhnungsbedürftig. Mit Schulenglisch kommt man da nicht weit. Ich musste mich erst an den afrikanischen Akzent in der Sprache gewöhnen“, erzählt Erner. Untergekommen waren Erner und Henseler bei einer Familie in der Schule. Sie wohnt in dem Gebäude, das sie an das Schulprojekt vermietet hat. Hier gab es auch Verpflegung. Das Essen war landestypisch. Viel Reis, viel Gemüse, Hähnchen und alles scharf gewürzt.

    Erner und Henseler hatten auch Gastgeschenke dabei. In zwei Koffern führten sie zum einen Türschlösser mit und zum anderen technisches Gerät, um in der Schule WLAN (drahtloses Netzwerk) einzurichten. Einen Internetanschluss gibt es in der Schule. Das wird übers Stromnetz angeboten. Funktioniert aber nicht immer. „So alle zwei Tage gab es Stromausfälle“, erinnert sich Erner. Die Schüler hatten schon oft Besuch aus Deutschland. Aber wo Deutschland nun liegt, das sei den Schülern völlig fremd, hat Erner mitbekommen. Viele hätten da sogar ein Problem, wenn es um die Lage von Ghana in Afrika geht. Denn Erdkunde sei kein Schulfach. Englisch, Mathe, Religion und Naturwissenschaften stehen hier im Vordergrund.

    Natürlich nutzen die beiden jungen Leute auch die Gelegenheit, das Land zu erkunden. Selbst mit einem Mietwagen dort unterwegs sein, „da hätten wir den Verkehr nicht überlebt“. Kreuzungen seien zwar per Ampel geregelt, doch das interessiere niemanden. „Dann sah für uns in der Stadt auch jede Ecke gleich aus.“ So begab man sich hier doch in die Hände erfahrener Busfahrer. Das war Abenteuer genug. In Sachen Schulbus erzählt Erner noch, dass dafür ein umgebauter Acht- bzw. Neunsitzer benutzt wurde. Umbau ist eigentlich falsch gesagt. Ausgebaut waren da die Sitze. So passten wesentlich mehr Kinder in den Schulbus.

    Fazit der Reise von Erner, die er, wie sein Freund, selbst finanzierte: „Mein Eindruck ist, dass die Leute hier sehr wenig haben. Aber dafür sind sie sehr freundlich und offen gegenüber Besuchern. Sehr schnell wird man eingeladen und bewirtet. Die Gastfreundschaft ist faszinierend. Auch wenn sie selbst fast nichts zum Essen haben. So habe ich auch gelernt, hier in Deutschland einiges mehr zu schätzen.“ Und noch etwas ist Erner aufgefallen: „Da wird sich nicht so schnell geärgert.“

    Von unserem Redakteur Andreas Neuser

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