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  • Skulpturengarten "Im Tal": Das 50. Kunstwerk ist da

    Hasselbach. Spaziergänge haben ihren eigenen Wert. Wie befreiend kann es sein, weit auszuschreiten, den Wind zu spüren und die Gedanken fliegen zu lassen. Eindrücke wirken stärker, wenn die Natur mitmischt – ein Effekt, den Erwin Wortelkamp seit Jahren schätzt und nutzt. Seine „Talgänge“ sind Legende, und wer die Gelegenheit hat, sich dem zügigen Marsch durch die raue, von Skulpturen durchwirkte Westerwälder Landschaft anzuschließen, der lässt sie ungern verstreichen. Der Hasselbacher Künstler wäre allerdings nicht er selbst, wenn er die „Mitläufer“ nicht immer auch ein wenig fordern würde.

    Die Leipziger Schauspielerin Verena Noll las an ungewöhnlichen Plätzen aus Thomas Hettches Roman "Pfaueninsel".
    Die Leipziger Schauspielerin Verena Noll las an ungewöhnlichen Plätzen aus Thomas Hettches Roman "Pfaueninsel".

    So wurden beim November-Rundgang, der das dreiteilige Programm rund um "Kunst als Gegendteil" eröffnete, wetterfeste Kleidung und die Inkaufnahme roter Nasen vorausgesetzt. Kein Hinderungsgrund für die 60 Teilnehmer, die unter der Anleitung von Wortelkamps Sohn Kim loszogen. Das Ziel war klar: die Präsentation der 50. Skulptur "Im Tal". Durch Laub, dornenumwobene Hohlwege und matschige Pfützen, über weiches Moos und glitschige Brücklein verlief der Weg - vorbei an einigen Verweilplätzen mit Objekten, die länger nicht mehr im Fokus der Führungen gestanden hatten. Hier und auch im weiteren Verlauf las die Leipziger Schauspielerin Verena Noll aus Thomas Hettches Roman "Pfaueninsel" und erwies sich als Juwel der Rezitationskunst. Den dargebotenen Raum szenisch nutzend, gab sie den Protagonisten mal zartfühlend, mal fein-ironisch eine eigene Gestalt und erhielt dafür die uneingeschränkte Aufmerksamkeit der verblüfften Zuhörer und natürlich viel Applaus. Mit Einbruch der Dämmerung war "Cover 16" erreicht. Was zur Enthüllung bereit stand, wollte gar nicht enthüllt werden - die Arbeit der Künstlerin Bea Meyer aus Leipzig fand ihre Bestimmung im "Behausen" eines von der Witterung bedrohten, neunteiligen Keramik-Exponats von Christoph Schäfer. Somit offenbarte sich dem Betrachter ein temporäres, weil nur für die kalte Jahreszeit vorgesehenes Ensemble aus hellen Textilhauben, die an zugekrempelte Papiertüten erinnerten und das "Darunter" vollkommen verbargen. Meyer erläuterte, dass sie nach dem Gedanken "Wenn du weg bist, bin ich da" gehandelt habe und folglich je nach Saison immer nur eins der beiden Kunstwerke zu sehen sei.

    In der Dämmerung kamen die Teilnehmer des "Talgangs" bei "Cover 16" von Bea Meyer (4. von rechts) an, dem 50. Kunstwerk in Erwin Wortelkamps Sammlung. Fotos: Julia Hilgeroth-Buchner
    In der Dämmerung kamen die Teilnehmer des "Talgangs" bei "Cover 16" von Bea Meyer (4. von rechts) an, dem 50. Kunstwerk in Erwin Wortelkamps Sammlung. Fotos: Julia Hilgeroth-Buchner

    Die Hüllen habe sie bewusst flexibel gestaltet, betonte Bea Meyer: "Der Wind darf hineinfahren und sie verändern." Kim Wortelkamp unterstrich, ein Wert von "Cover 16" bestehe darin, dass die inzwischen begrenzte Fläche des "Tals" über diese Art der Doppelnutzung erweiterbar sei: "Es entsteht etwas, was es vorher nicht gab."

    Ein Shuttlebus fuhr die Gruppe dann zur Finissage der Jubiläums-Ausstellung "Dreißig Jahre, fünfzig Werke und einige Wünsche" ins Weyerbuscher Depositum. Schließlich ging es zurück ins Hasselbacher "Haus der Kunst". Hier wartete Koch und Künstler Dieter Froelich von "Restauration an anderen Orten", der mit dem Menü "3 Rafiolen für Marie" eine Speisenfolge in Anlehnung an den Roman "Pfaueninsel" kreiert hatte.

    Ein bebilderter Vortrag über das Kochen als Kunstgattung im Laufe der Jahrhunderte ging voraus, bevor das aus ehrlichen Zutaten bestehende, ungewöhnliche Gastmahl die "Trilogie der Genüsse" beschloss.

    Die Stunden mit Erwin Wortelkamp und seiner Familie waren zwar von hoher Exklusivität durchzogen. Die Veranstaltung verlor aber nie die Bodenhaftung - zu sehr ist der Künstler eingebunden in die Urkräfte der Natur, ins Archaisch-Handwerkliche, zu sehr schätzt er sein Westerwälder Umfeld. Das ist gut so, denn es ermuntert auch Außenstehende, sich auf sein Schaffen einzulassen. Und vielleicht findet der eine oder andere Neugierige ja noch in diesem Winter gut bemützt den Weg ins Tal, um das besondere Timbre dieses Tages in aller Stille für sich einzufangen.

    Von unserer Mitarbeiterin Julia Hilgeroth-Buchner

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