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    BetzdorfPopuläre alte Schlager: Philharmonie Südwestfalen begeistert

    Spätestens beim großen Finale darf sich Michael Nassauer auf die Schultern klopfen - alles richtig gemacht. Der Funken ist auf das Publikum übergesprungen, die Zuhörer in der Betzdorfer Stadthalle haben sich packen lassen und singen begeistert mit.

    Die Solisten Freddy Albers, Nicole Mühle, Stefanie Hertel, Hill Gutt und Angelina Monti kommen beim großen Finale der musikalischen Wirtschaftswunder-Revue in der Betzdorfer Stadthalle zusammen auf die Bühne. Beim temperamentvollen Italien-Medley reißen sie das Publikum noch einmal mit. Die Zuschauer lassen sich bereitwillig zum Mitsingen animieren.  Foto: Claudia Geimer
    Die Solisten Freddy Albers, Nicole Mühle, Stefanie Hertel, Hill Gutt und Angelina Monti kommen beim großen Finale der musikalischen Wirtschaftswunder-Revue in der Betzdorfer Stadthalle zusammen auf die Bühne. Beim temperamentvollen Italien-Medley reißen sie das Publikum noch einmal mit. Die Zuschauer lassen sich bereitwillig zum Mitsingen animieren.
    Foto: Claudia Geimer

    Von unserer Mitarbeiterin Claudia Geimer

    Die "Capri Fischer", "Rote Lippen, rote Rosen, roter Wein" und das "Chiantilied". "Ja, ja der Chiantiwein, der lädt uns alle ein" - die fünf Solisten singen den fröhlichen Refrain und die Philharmonie Südwestfalen spielt. Die Stimmung ist ausgelassen, die Zuschauer stehen auf und spenden den Sängern und Musikern am Schluss begeistert Applaus.

    Ein Moment zum Genießen für die Musikgemeinde Betzdorf/Kirchen und ihren musikalischen Leiter Michael Nassauer, gleichzeitig auch Intendant der Philharmonie Südwestfalen aus Hilchenbach. Denn er hat das Experiment gewagt und die neue musikalische Wirtschaftswunder-Revue mit Liedern aus den 1950er-Jahren am Samstag nach Betzdorf in die Stadthalle geholt. Das Konzert ist eine Premiere, die, um es vorweg zu nehmen, nach einer Fortsetzung verlangt.

    Populäre alte Schlager statt Klassik - das Orchester unter der Leitung von Hans Walter Florin zieht bei diesem Auftritt ganz andere, ungewohnte Seiten auf. Und nicht nur der glänzend aufgelegte Moderator Gisbert Baltes zieht den Hut vor den Damen und Herren Musiker: "Es ist toll, dass sie sich nicht zu schade dafür sind, so schöne und alte Melodien zu spielen." Es sind Melodien aus der Adenauer-Zeit, die viele der rund 400 Besucher in ihrer Jugend und jungem Erwachsenenleben begleitet haben. Aber auch die jüngeren Semester im Saal kennen die Lieder aus späteren Unterhaltungssendungen im Fernsehen.

    Dirigent Florin hatte die Idee zu dieser Revue mit Evergreens. Und das Programm ist glänzend zusammengestellt worden mit einer hervorragenden Liedauswahl, die kaum Wünsche offen lässt. Das "Who's who" der Stars der Wirtschaftswunderjahre wird von fünf Solisten wunderbar interpretiert. Stefanie Hertel singt Lieder ihrer Lieblingssängerin Caterina Valente, wie "Ganz Paris träumt von der Liebe" und von Edith Piaf auf Deutsch "Mylord" und "Je ne regrette rien".

    Freddy Albers hat die Stimme und auch das entsprechende Seemannsoutfit, um an Freddy Quinn zu erinnern: "Junge, komm bald wieder", "Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise". Es sind Lieder, die das Herz berühren. Sie handeln von Sehnsucht, wie die Ballade "Schön war die Zeit" von Freddy Quinn: "Dort wo die Blumen blüh'n, dort wo die Täler grün, da war ich einmal zu Hause." Filme wie "Ich denke oft an Piroschka" füllen die Kassen. Das Orchester spielt Melodien aus diesem Klassiker mit Lilo Pulver. Doch die 50er-Jahre werden auch kritisch gesehen: Hazy Osterwald und sein Sextett spotten in ihrem Hit "Konjunktur-Cha-Cha" über den frühen Kapitalismus: "Geld, das ist auf dieser Welt der einz'ge Kitt der hält, wenn man davon genügend hat." In Betzdorf sind es Matthias Merzhäuser und seine Kollegen Ignaz Vitt, Dieter Korstian und Wolfgang Kötting, die als Männerensemble Sonorix Hazy Osterwalds Songs brillant interpretieren. Beim "Kriminaltango" steigt die Spannung in der brütendheißen Stadthalle.

    Italien wird nach dem Krieg zum Sehnsuchtsland der Deutschen: Angelina Monti stammt aus Rimini. Sie ist schon mit James Last aufgetreten und nun mit der Philharmonie Südwestfalen in Betzdorf. "Italienische Balladen sind immer sehr dramatisch", erklärt sie dem Publikum. Gut, dass es auch das Lied "Volare" gibt, das für gute Laune im Saal sorgt. Beim Lied "Oh mein Papa", gesungen von Nicole Mühle, herrscht dagegen andächtige Stimmung im Raum. Natürlich darf ein Medley von Hildegard Knef nicht fehlen. "Für mich soll's rote Rosen regnen", "Ich hab noch einen Koffer in Berlin" -Hill Gutt kommt dem Original sehr nahe.

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