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    Kreis AltenkirchenKreis Altenkirchen: Immer mehr treten aus der Kirche aus

    Der Blick in die Statistik ist dazu angetan, den Pfarrern im Kreis Altenkirchen die Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest gründlich zu verderben. Der Grund: Beinahe täglich müssen die einzelnen Standesämter die Kirchengemeinden über weitere Kirchenaustritte informieren. 659 Bürger aus dem AK-Land kehrten allein im vergangenen Jahr der katholischen und der evangelischen Kirche den Rücken. Das sind rund 28 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Und für 2015 ist abermals von einer Steigerung auszugehen. In der Verbandsgemeinde Gebhardshain waren bis Oktober schon mehr Menschen ausgetreten als im ganzen Jahr zuvor.

    Ein Bild, das auch im AK-Land kein unbekanntes Motiv mehr ist: Stühle und Bänke in Gotteshäusern bleiben immer öfter verwaist. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt immer weiter an. Archivbild: Kevin Rühle
    Ein Bild, das auch im AK-Land kein unbekanntes Motiv mehr ist: Stühle und Bänke in Gotteshäusern bleiben immer öfter verwaist. Die Zahl der Kirchenaustritte steigt immer weiter an. Archivbild: Kevin Rühle

    Von unserem Redaktionsleiter Marcelo Peerenboom

    Während vor Jahresfrist vor allem die Enthüllungen rund um den ehemaligen Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst als Erklärung für eine Austrittswelle genannt wurden, so macht sich bei den Verantwortlichen der christlichen Kirche inzwischen die Erkenntnis breit, dass die Neigung von immer mehr Menschen, ihre Mitgliedschaft aufzukündigen, wohl eher grundsätzlicher Natur ist. Alle Bemühungen, durch Aufklärungs- und Reformwillen verlorenes Vertrauen wiederzugewinnen, haben offenbar nicht den gewünschten Erfolg. Auch Papst Franziskus, den viele für seinen Veränderungswillen loben, hat das Ruder bisher nicht herumreißen können.

    Der katholische Kreisdechant Martin Kürten aus Wissen sagt denn auch in Bezug auf die weiter steigenden Austrittszahlen: "Das kann einen nicht kalt lassen." Kürten bezweifelt, dass Diskussionen etwa über den Limburger Bischof tatsächlich der Grund für einen Austritt sind. "Solche Anlässe werden gerne benutzt, um einen langen Prozess der Entfremdung abzuschließen", lautet seine Erfahrung. In der Austrittswelle nach den Vorkommnissen in Limburg habe er "nie wirklich einen Ausdruck von Protest gesehen".

    So ist es die zunehmende Entfremdung von der Kirche, die Martin Kürten wirklich Sorge bereitet. Bei vielen Menschen stehen andere Dinge im Vordergrund, hat der Pfarrer beobachtet. "Elemente der Freizeitgestaltung erscheinen wichtiger als der Besuch des Gottesdienstes. Wenn man am Leben der Gemeinde und am Gottesdienst nicht mehr teilnimmt, dann verliert man die lebendige Beziehung zur Kirche", lautet Kürtens Schlussfolgerung.

    Eine ähnliche Beobachtung macht Marcus Tesch, der stellvertretende Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Altenkirchen: "Meine Vermutung ist, dass diejenigen, die austreten, mit dem Glauben abgeschlossen haben." In der Regel liefern die Betreffenden keine Begründung für ihren Entschluss, aus der Kirche auszutreten. Den Schritt zu vollziehen, ist denkbar einfach: Man geht ins zuständige Standesamt und gibt zu Protokoll, dass man seinen Austritt aus der evangelischen oder katholischen Kirche erklärt. Die Verbandsgemeindeverwaltung gibt diese Information dann sowohl an die betreffende Kirchengemeinde, als auch an das Finanzamt weiter, damit keine Kirchensteuer mehr eingezogen wird. Eine Begründung für den Austritt muss man beim Standesamt nicht angeben.

    Etliche Kirchengemeinden schreiben in einem solchen Fall denjenigen an, der seinen Austritt erklärt hat, berichtet Marcus Tesch. Dabei wird ein Gesprächsangebot formuliert. "Ich selbst habe in all den Jahren noch nie eine Reaktion auf ein solches Schreiben erhalten", bedauert Tesch, der in Wissen als Pfarrer tätig ist. Auch katholische Pfarrgemeinden verschicken solche Schreiben, weiß Dechant Kürten. Aber auch dort reagiert kaum jemand. Vor wenigen Tagen hat Pastor Kürten aber eine Antwort erhalten: Das Gesprächsangebot wurde angenommen.

    Bei einigen spielen finanzielle Gründe eine Rolle; sie sparen fortan die Kirchensteuer - je nach Einkommen sind das schnell mehrere Hundert Euro im Jahr. Kreisdechant Kürten hat in diesem Zusammenhang mit Kopfschütteln zur Kenntnis genommen, dass einige Banken gezielt auf diese Möglichkeit hinweisen, wenn es beim Kunden um Einsparpotenziale geht. Auch sein evangelischer Kollege Tesch hat von solchen Hinweisen gehört. Die Landeskirche werde aus diesem Grund Gespräche mit den Banken führen.

    Die wachsende Zahl von Austritten hat für die Kirchengemeinden finanzielle Folgen, da die entsprechenden Kirchensteuerzahlungen dann fehlen. "Das schränkt unsere Möglichkeiten ein", bestätigt Pfarrer Martin Kürten und weist auf hohe Kosten hin: "Um das Leben auch in den kleinen Gemeinden lebendig zu halten, müssen wir für viele Gebäude sorgen. Dadurch ist der ländliche Raum finanziell stärker gefordert als andere Regionen." Allein der Seelsorgebereich "Obere Sieg", für den Kürten zuständig ist, unterhält zehn Kirchen mit regelmäßigen Gottesdiensten. Eine hohe Präsenz in der Fläche aufrechtzuerhalten, sei ihm persönliches Anliegen, betont der Geistliche.

    Beim evangelischen Kirchenkreis halten sich die finanziellen Auswirkungen nach Angaben von Marcus Tesch derzeit noch in Grenzen. Die gute wirtschaftliche Lage mit insgesamt steigendem Steueraufkommen kompensiert demnach aktuell die austrittsbedingten Einnahmeausfälle. Tesch: "Die Zahl der Austritte ist im Kirchenkreis Altenkirchen vergleichsweise gering. Wir haben stärker unter dem demografischen Wandel zu leiden."

    Was aber tun die Kirchengemeinden gegen den Trend zu mehr Austritten? Dechant Kürten setzt auf den stärkeren Kontakt zu den Menschen. Der Präsenz in Schulen und Kindergärten kommt da laut Kürten eine besondere Bedeutung zu. Pfarrer Marcus Tesch plädiert dafür, "sorgfältige und professionelle Angebote vorzuhalten". Man müsse als Kirche attraktiv bleiben: "Wir wollen die Menschen nicht missionieren, sondern erreichen."

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