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  • Gerichtsurteil: Drei Jahre für schwere Brandstiftung

    Betzdorf/Niederfischbach. Zu einer Haftstrafe von drei Jahren wegen schwerer Brandstiftung ist gestern am Amtsgericht Betzdorf der Inhaber des Ausflugslokals Tüschebachsmühle verurteilt worden. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Melanie Neeb sah es als erwiesen an, dass der 58-jährige Angeklagte das ihm gehörende Gebäude bei Niederfischbach am 25. April 2014 selbst angezündet hat, worauf es bis auf die Grundmauern niederbrannte.

    Wie lang die Ruine von Tüschebachsmühle noch die Landschaft verschandelt, weiß keiner. An einen Wiederaufbau ist nach dem Urteil von gestern weiterhin nicht zu denken.
    Wie lang die Ruine von Tüschebachsmühle noch die Landschaft verschandelt, weiß keiner. An einen Wiederaufbau ist nach dem Urteil von gestern weiterhin nicht zu denken.
    Foto: Markus Döring

    Von unseren Redakteur Peter Seel

    Allerdings sprach man dem Gastwirt eine verminderte Schuldfähigkeit zu, weil er nach wochenlangem schweren Stress in einer Art Kurzschlussreaktion gehandelt habe. So konnte das Strafmaß im Bereich zwischen drei Monaten und drei Jahren angesiedelt werden - anstatt, wie sonst, zwischen einem und 15 Jahren. Mit dem Urteil folgte das Gericht der Einschätzung von Staatsanwältin Ilona Kirchner. Die indes hatte eingeräumt: "Ich sehe, dass dies ein Indizienprozess ist, aber alle Indizien deuten darauf hin, dass der Angeklagte der Täter ist."

    Dass kein anderer als Brandstifter infrage kommt, sondern dass der Wirt aus einer "akuten schweren Belastungssituation" heraus gehandelt hatte und unter einer "tief greifenden Bewusstseinsstörung" litt, die zu einer extremen Kurzschlussreaktion geführt hatte - daran bestanden für Richterin und Staatsanwältin kaum Zweifel, auch wenn Neeb darin kein "erdrückendes Motiv" für die Tat erkennen mochte. Beide folgten den Ausführungen des forensischen Psychiaters, der eine Anhäufung von Belastungsfaktoren bei dem Angeklagten festgestellt hatte: So hatte er den Tod seiner Mutter Tage vor der Tat zu verkraften und stand dazu nach einer Kontrolle des Gesundheitsamts in seinem Restaurant unter Zugzwang, weil daraufhin Umbauarbeiten und Sanierungen nötig geworden waren. Für den Mann, der als cholerisch und aufbrausend beschrieben wurde, sei es "das letzte finale Aufbrausen" gewesen, "die Mühle in Brand zu stecken", erklärte die Staatsanwältin.

    Dafür sprach wohl auch, dass er nach dem Brand noch im Krankenhaus mehrere Suizidversuche unternommen hatte und wochenlang in der geschlossenen Psychiatrie untergebracht werden musste. Auch während der vier Prozesstage wirkte er verunsichert und labil: "Ein gebrochener Mann", wie Neeb anmerkte. Seine Motive seien "nicht restlos zu klären", zumal auch ein finanzieller Druck auszuschließen sei. Die meisten Zeugen, darunter ein Bankfachmann, hatten bescheinigt, dass die Familie wirtschaftlich gut dagestanden habe.

    Zwar, so die Richterin in der Urteilsbegründung, sei die zu erwartende Versicherungsprämie von 1,3 Millionen Euro sicher "ein finanzieller Anreiz". Aber erstens hätte der Mann, für den die Tüschebachsmühle sein Lebenswerk bedeutet habe, mit dem Betrag kaum ein neues Gebäude in ähnlicher Größe errichten können; zweitens stelle sich die Frage, ob bei Verzicht auf den Wiederaufbau ein kleinerer Versicherungsbetrag mit einem derart tiefen Einschnitt ins Leben der Familie habe erkauft werde wollen.

    Wie schon die Staatsanwältin zuvor, zählte auch die Richterin die Indizien auf, die zu dem Urteil geführt hätten: Dass der Gutachter belegt habe, dass der Brand großflächig ausgebrochen sei - was ebenso auf das Ausschütten und Entzünden von Brandbeschleuniger hinweise wie die Ölreste an der Kleidung des Wirts und die "rasend schnelle Entwicklung zum Vollbrand" in nur 15 Minuten; dass Fenster und Türen geöffnet waren, sodass die Flammen viel Sauerstoff bekamen; dass es keine Einbruchspuren gab, die auf andere Täter hindeuten; dass die Familie keine Feinde mit Motiven für die Tat gehabt hätte; dass Fehler in Elektrik und Gasleitungen als Brandursache ausgeschlossen werden könnten...

    Obwohl in dem viertägigen Prozess zwei Dutzend Zeugen ausführlich vernommen, Gutachter und Mediziner gehört sowie alle Aspekte wieder und wieder beleuchtet worden waren - die Geschichte der Tat bleibt nur teilweise rational nachvollziehbar. Neeb: "Es hakt nicht nur an einer Stelle, sondern an vielen." Hier sah die Niederfischbacher Rechtsanwältin Rita-Holstein-Brass als Verteidigerin des Mühlenbesitzers noch viel größere Fragezeichen: Sie hatte am Ende ihres Plädoyers Freispruch beantragt: "Im Zweifel für den Angeklagten!" Entsprechend kündigte sie später an, das Urteil anzufechten. Also wird der Fall demnächst am Landgericht in Koblenz wieder ganz von vorne aufgerollt.

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