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  • Der Nisterberger Brunnen soll geschützt werden

    Nisterberg. Seit den 1960er-Jahren beziehen die 400 Einwohner von Nisterberg ihr Trinkwasser aus einem eigenen Brunnen. Das viele Hektar große Areal ringsum, aus dem das Grundwasser kommt, liegt zu einem großen Teil auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Stegskopf. Die Struktur- und Genehmigungs-Direktion (SGD) Nord in Koblenz will das Gelände jetzt zu einem Schutzwassergebiet machen.

    Einen Brunnen stellt man sich als Otto-Normalverbraucher anders vor: Unter den Hügeln liegt die Quelle der Wassergewinnung für Nisterberg. Die Schutzzone I des geplanten Wasserschutzgebietes ist bereits eingezäunt, Zone II sind vor allem die umliegenden Weide- und Ackerflächen.  Fotos: Peter Seel
    Einen Brunnen stellt man sich als Otto-Normalverbraucher anders vor: Unter den Hügeln liegt die Quelle der Wassergewinnung für Nisterberg. Die Schutzzone I des geplanten Wasserschutzgebietes ist bereits eingezäunt, Zone II sind vor allem die umliegenden Weide- und Ackerflächen. Fotos: Peter Seel
    Foto: sel

    Von unserem Redakteur Peter Seel

    Drei Landwirte, die Landwirtschaftskammer und die Forstverwaltung haben in dem Verfahren Einwendungen erhoben, die bei einem - nicht öffentlichen - Termin am Mittwoch, 24. Februar, in der Verbandsgemeindeverwaltung in Daaden ausgeräumt werden sollen. Das Schutzwassergebiet-Projekt hat die Verbandsgemeinde Herdorf-Daaden auf Anregung der SGD bereits 2007 beantragt. Der Nisterberger Brunnen, der oberhalb des Ortsausgangs in Richtung Stegskopf hinter dem letzten Bauernhof liegt, ist einer der letzten in Rheinland-Pfalz, der bisher ohne ein ihn umgebendes Wasserschutzgebiet bestanden hat. Nach Auskunft von SGD-Sachbearbeiterin Pia Jochum gibt es rechtsrheinisch nur noch ganz wenige Brunnen, deren Einzugsbereich sozusagen nachträglich durch eine solche gesetzlich festgelegte Zone geschützt werden soll. "Eine wesentliche Aufgabe der SGD Nord", so Jochum, "liegt in der ökologischen Bewirtschaftung der Wasserressourcen mit dem Ziel, sie für künftige Generationen nachhaltig zu sichern." Die Festsetzung von Wasserschutzgebieten soll Schadstoffe aus dem Grundwasser fernhalten. Durch Schutzzonen mit unterschiedlich stark geregelten Verboten, Beschränkungen, Duldungs- und Handlungspflichten soll sichergestellt werden, dass das Wasser vor chemischen, biologischen oder physikalischen Beeinträchtigungen bewahrt bleibt. Bislang wurden auf dem Gebiet der SGD Nord fast 1000 Wasserschutzgebiete festgesetzt.

    Für die Zukunft vorsorgen

    Ortsbürgermeisterin Kirstin Höfer erfuhr erst im RZ-Gespräch von dem geplanten Wasserschutzgebiet. "Ich bin seit zehn Jahren im Rat, aber das Thema ist mir nie zu Ohren gekommen", sagt sie. Inzwischen hat sie sich mit Ralf Edelmann, dem zuständigen Sachbearbeiter bei den Verbandsgemeindewerken der VG in Verbindung gesetzt, mit dem sie demnächst über das Thema sprechen will. Edelmann erklärte im RZ-Gespräch, dass es hier bisher kein Schutzgebiet gab, weil der Truppenübungsplatz gleich angrenze. "Seit 45 Jahren entnehmen wir das Wasser aus der Anlage, und es hatte immer eine gute Qualität. Aber auch, wenn hier bisher nichts passiert ist, sollten wir doch jetzt für die Zukunft vorsorgen."

    Gülle, Jauche und Festmist tabu

    Das sehen die drei Landwirte, die von den Plänen betroffen sind, anders. Zwar wissen sie noch nicht, wie groß Zone II letztlich ausfallen soll, doch sie wissen, dass sie dort dann nicht mehr pflügen, nicht mehr Vieh auf die Weide treiben und nicht mehr organisch düngen dürfen - Gülle, Jauche und Festmist sind tabu. Markus Kühn, dessen Hof in Sichtweite des Brunnens steht, erklärt: "Uns wird dadurch die Arbeit erschwert. Eine einheitliche Bewirtschaftung unserer Flächen ist dann nicht mehr möglich. Und nach zwei Jahren ohne Dünger wächst da auch nichts mehr." Und Sascha Lesswing fügt hinzu: "Ich muss die Kühe dann auf eine andere Weide weiter weg bringen, muss da zwei Mal am Tag kontrollieren und dafür einen weiteren Weg zurücklegen - das ist mehr Arbeit, mehr Belastung..."

    Alle drei, von denen zwei als Biolandwirte tätig sind, verstehen nicht, dass organische Düngung verboten sein soll, während chemische Pflanzenschutzmittel hier erlaubt seien. "In Deutschland", erläutert Kühn, "sind 170 Kilo Stickstoff, die durch den Dünger in den Boden kommen, pro Hektar erlaubt. Bei uns sind es höchstens 60 bis 70 Kilo. Wir als Biobetriebe sind also extrem benachteiligt, weil wir eben genau diesen naturbelassenen Dünger benutzen." Auch über das Weideverbot schütteln die drei die Köpfe. Lesswing sagt: "Wir bringen die Kühe nur dreimal im Jahr hierher. Die stehen ja nicht immer hier."Gerhard Weyand geht noch weiter: Zwar könne es sein, dass sie für die Einschränkungen entschädigt würden, doch "uns kommt das vor wie eine Enteignung durch die Hintertür." Alle drei sind auch davon überzeugt, dass die Filterqualität des Bodens ohne eine landwirtschaftliche Nutzung nachlässt. "Dünger, Beweidung und die Bearbeitung durch landwirtschaftliche Maschinen sind gut für den Boden", sagt Kühn.

    Nur zwei eigene Brunnen in der VG

    Übrigens: Neben Nisterberg hat auch Weitefeld seinen eigenen Brunnen und versorgt damit sich selbst und das benachbarte Niederdreisbach. Alle anderen Orte in der VG Herdorf-Daaden beziehen ihr Wasser über den Zweckverband Wasserversorgung des Kreises mit Wasser aus der Wiehltalsperre des Aggerverbandes.

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