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    Kreis AltenkirchenAngst vor Werksspionage wächst

    Der Schutz vor Wirtschafts- und Industriespionage rückt bei Firmen im Kreis Altenkirchen immer mehr in den Fokus. Laut IHK Koblenz war 2011 bundesweit jedes zweite Unternehmen von mindestens einem Schadensfall betroffen. Studien zufolge geraten besonders kleine und mittlere Firmen, die innovativ und international tätig sind, ins Visier. Autozulieferer und Maschinenbauer gehören zu bevorzugten Angriffszielen – Branchen, die im AK-Land stark vertreten sind.

    WEW Eisenwerke - Westerwälder Eisenwerke Weitefeld - Produktion Container
    WEW Eisenwerke - Westerwälder Eisenwerke Weitefeld - Produktion Container
    Foto: Markus Döring

    Kreis Altenkirchen - Der Schutz vor Wirtschafts- und Industriespionage rückt bei Firmen im Kreis Altenkirchen immer mehr in den Fokus. Laut IHK Koblenz war 2011 bundesweit jedes zweite Unternehmen von mindestens einem Schadensfall betroffen. Studien zufolge geraten besonders kleine und mittlere Firmen, die innovativ und international tätig sind, ins Visier. Autozulieferer und Maschinenbauer gehören zu bevorzugten Angriffszielen – Branchen, die im AK-Land stark vertreten sind.

     

     


    Dass es längst nicht nur Großkonzerne trifft, weiß auch Oliver Schrei, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft im Kreis: „Es kommt gar nicht so sehr auf die Firmengröße an. Je wertvoller das Know-how und je internationaler die Geschäftsbeziehungen, desto gefährdeter das Unternehmen.“ Experten zufolge gibt es in jedem Unternehmen mindestens fünf Prozent eigenen Wissens, das aus strategischen Gründen schützenswert ist, etwa Kundendaten, Verkaufszahlen, Patente, Konstruktionspläne, Preise oder Marktstrategien. Doch mancherorts ist man sich der Bedeutung dieser Daten und des Interesses Dritter offenbar nicht bewusst. „Viele Firmen haben die Gefahr noch nicht wirklich vor Augen“, bestätigt Robert Lippmann von der IHK Koblenz, „sie freuen sich über neue Wachstumsmärkte und vergessen darüber, sich und ihr Know-how abzusichern. In manchen Ländern nimmt man es mit der Rechtstaatlichkeit nämlich nicht so genau.“ Nach Angaben von Verfassungsschützern kommen die Akteure der Wirtschaftsspionage vor allem aus China und Russland.

    Hohe Dunkelziffer
    Dass es im Kreis bereits konkrete Fälle gegeben hat, lässt sich nur vermuten. „Es gab in den vergangenen zehn Jahren vielleicht drei oder vier Verdachtsmomente“, berichtet Franz Orthen, Leiter der Kriminalpolizei Betzdorf. Allerdings: Die Dunkelziffer ist im Allgemeinen ziemlich hoch, weil die Betroffenen meist keine Anzeige erstatten. Manche Firmen fürchten um ihren Ruf – die Sicherheitsbehörden appellieren jedoch, derartige Vorfälle unbedingt zu melden und versprechen Diskretion.
    Anderen ist gar nicht bewusst, dass sie Opfer einer Straftat geworden sind. So sind laut Verfassungsschutz „merkwürdige“ Einbrüche, bei denen die Täter auf den ersten Blick keine Beute gemacht haben, mitunter in diesem Zusammenhang zu sehen: Möglicherweise wurde versucht, Dokumente von Datenträgern zu kopieren. Es sind sogar Fälle bekannt, bei denen Wanzen, Minikameras oder Keylogger (elektronische Winzlinge, die Tastaturanschläge aufzeichnen) installiert, Scanner in Aktenvernichter eingebaut oder der Speicher von Fotokopierern ausgelesen wurde. Für IHK-Mitarbeiter Lippmann ist Industriespionage der „denkbarste Hintergrund“ bei solch mysteriösen Einbrüchen: „Was sonst, wenn nicht wichtige Informationen, wollen Sie in Produktionsanlagen stehlen?“
    So ist es kaum verwunderlich, dass vielerorts der Hochsicherheitsbereich mittlerweile schon am Eingang zum Firmengelände beginnt. „Wir hatten vor Jahren Probleme“, sagt Stefan Böhmer, Betriebsleiter der Maschinenbau Böhmer GmbH Steinebach, „seitdem kommt hier ohne Chip und Besucherausweis niemand mehr rein.“ Auf Zäune und Videoüberwachung setzt man auch bei der WEW Westerwälder Eisenwerk GmbH in Weitefeld. WEW (Exportquote circa 70 Prozent) fertigt Tanks, Container und Lagersysteme, die unter anderem auch beim Militär oder in der Chemieindustrie Verwendung finden. „Außerdem gilt bei uns ein generelles Fotografierverbot“, sagt Firmensprecherin Julia Wilkens.
    Auch das Thema Datensicherheit steht bei vielen Unternehmen ganz oben auf der Prioritätenliste, so bei Böhmer in Steinebach: „Wir sind ständig auf aktuellem Stand und nutzen bei Besuchen von Geschäftspartnern Firewalls und getrennte Netzwerke.“ Doch das ist längst noch nicht überall so. Das Problem: „Je kleiner die Firma, desto weniger IT-Fachleute gibt's“, sagt IHK-Mitarbeiter Lippmann. 

    Mensch bleibt ein Risikofaktor

    Es ist ein ungleicher Kampf, denn gerade in China und Russland gibt es viele spezialisierte Wirtschaftsspione, für die Überwachung von Telekommunikation, elektronische Attacken via Internet und Eindringen in Firmenrechner und IT-Systeme durch Schadsoftware (Viren und Trojaner) zu den „Grundübungen“ gehören. Sie wissen Sicherheitslücken bei Smartphones und Laptops auszunutzen, insbesondere bei unverschlüsselten und drahtlosen Verbindungen (WLAN, Bluetooth) oder sind als Kunden oder Verkäufer auf Messen unterwegs, um USB-Sticks zu verschenken, auf denen sich Spionagesoftware verbirgt.
    Gewarnt wird auch vor dem neuen Trend, der sich „The Cloud“ (die Wolke) nennt: Firmen legen Daten auf fremden Großrechnern ab und vertrauen sich dabei Web-Dienstleistern an, die die Datenpakete via Internet auf unausgelastete Rechner in aller Welt verteilen. „Allerdings“, so gibt Lippmann zu Bedenken, „gibt es im Ausland mitunter völlig andere Datenschutzbestimmungen.“
    Doch auch der Mensch bleibt ein Risikofaktor: Deutschlandweit gibt es Fälle, bei denen versucht wurde, Spione als Praktikanten, Diplomanden, Aushilfen oder Putzfrauen einzuschleusen oder gezielt Mitarbeiter für eigene Zwecke anzuwerben. „Wichtig ist eine konsequente Personalpolitik, die sicherstellt, dass Unternehmen und Mitarbeiter sich als Team verstehen“, sagt WEW-Sprecherin Wilkens. Gefährdet sind jedoch auch Geschäftsreisende: Ihnen rät das Bundesamt für Verfassungsschutz in einer Broschüre dringend, „kompromittierende Situationen“ zu vermeiden. In Hotelzimmern, Büros oder Tagungsräumen liegen gelassene Firmenunterlagen seien leichte Beute. Sensible Geschäftsdaten, etwa auf USB-Sticks, sollten ständig mitgeführt, nie aus der Hand gegeben und auch nicht im Hotelsafe aufbewahrt werden.
    Nicht immer wird das Know-how heimlich ausgekundschaftet. Eine beliebte Methode von Produktpiraten: Das begehrte Erzeugnis wird einmal regulär erworben, in Einzelteile zerlegt und akribisch analysiert – um es dann als günstiges Plagiat nachzubauen. Ein Problem, das auch bei der Gebr. Schumacher GmbH in Eichelhardt bekannt ist. Der weltweit agierende Produzent von Ährenhebern und Mähsystemen besitzt etwa 300 Patente, ein enormes Wissenskapital. Das Thema Markenschutz sei insbesondere in China schwierig, sagt Marketingmitarbeiterin Christiane Pechstein. „Unterbinden können wir den Nachbau unserer Produkte kaum.“ Ansetzen könne man jedoch beim Handel. „Hier versuchen wir Aufklärung zu leisten, dass Plagiate möglichst nicht in die Produktpalette wandern, sondern das qualitativ eindeutig bessere Original.“ Und zur Not wird die Justiz bemüht: So werden bei WEW in Weitefeld seit Jahren Verstöße gegen eigene Patente konsequent verfolgt, sagt Sprecherin Wilkens: "Wir konnten in der Vergangenheit mit Erfolg Gerichte in Deutschland und im Ausland einschalten." Daniel Weber

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