In Koblenz erinnern Pflasterstein-Gedenktafeln an Opfer des Holocausts
Koblenz – Sie sollen Steine des Anstoßes sein, bewusste Stolperfallen, die den Finger legen in eine schmerzhafte Wunde deutscher Geschichte, die niemals heilen wird und als Mahnung vor erneuter „Infektion“ mit dem nationalsozialistischen Bazillus auch bewusst niemals heilen soll: Die Stolpersteine des Kölner Künstlers Gunter Demnig. Bundesweit verbaut Demnig seit einigen Jahren solche Stolpersteine vor Gebäuden, aus denen die Hitler-Schergen Juden, Sinti, Roma, Homosexuelle, Behinderte und politisch Andersdenkende in die Vernichtungslager deportierten. In Koblenz gibt es seit Samstag 78 solcher Stolpersteine, solcher Gedenkplatten, die Namen, Geburts- und Todestag der Nazi-Opfer zeigen.
2007 hatte Demnig in der Rhein-Mosel-Stadt die ersten 45 seiner Gedenkplatten verlegt, weitere Aktionen folgten in den Jahren 2009 und 2010, die Zahl der Stolpersteine war so bis zu diesem Jahr bereits auf 66 Gedenktafeln angewachsen.
Die Steine, die nun hinzu gekommen sind, erinnern ausschließlich an jüdische Bürger, die die Schreckenherrschaft Hitlers mit ihrem Leben bezahlen mussten: Zwei Steine verlegte der Künstler für Bela Forst und Rita Alexander in der Schlossstrasse 1, einen Stein für den Ersten Staatsanwalt Dr. Georg Krämer in der Bismarckstraße 6b. Eine weitere Gedenktafel erinnert nun in der Schenkendorfstraße 14 an Alfred Schlochauer, in der Görgenstraße lebten bis zu ihrer Deportation Alfred Stern und seine Frau Ida Bertha, geb. Salomon, sowie Kurt Rosenblatt. Weitere vier Stolpersteine erinnern an die Familie Ramler: Markus, Paula, geb. Kruk, Manfred und Hellmut, die in der Löhrstraße 28 ihr Zuhause hatten, ein letzter Stein an Ernst Albert Wolff aus der Weißergasse 28.
Möglich gemacht wurde die Aktion in Koblenz wieder einmal federführend durch die christlich-jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit sowie den Förderverein Mahnmal und den Freundschaftskreis Koblenz-Petah Tikva. An der Aktion in Koblenz nahm zudem auch der Oberbürgermeister der israelischen Partnerstadt von Koblenz, Itzhak Ochayon, teil. Mittlerweile gibt es die Stolpersteine in unzähligen Städten und Gemeinden quer durch die Republik. Die spezielle Form macht die Nazi-Schrecken direkt greifbar. Denn anders als bei vielen zentralen Gedenkstätten und Mahnmalen für die Opfer des Nationalsozialismus, bei denen das Erinnern eher anonym geschieht, weisen die Stolpersteine ganz bewusst auf Einzelschicksale hin.
An der Verlegeaktion in Koblenz beteiligte sich zudem eine Schülergruppe aus Vallendar mit Gisela Rademacher. Die Mädchen verteilten „Matzen“, jüdisches Brot. Gisela Rademacher mahnte in ihrer Ansprache, dass das Mahnen mit einem bloßen Gedenken nicht getan sein. Denn Gedenken sei oft auch ein Verharren in der Vergangenheit, weshalb aus dem Ge- ein Bedenken werden müsse, „denn Bedenken schließt die Zukunft mit ein.“ Und für die gelte es, die Menschen aufzurütteln. „Die Menschen des Hitler-Regimes waren schwach und verführbar. Aber sind wir das nicht heute auch noch?“, fragt die Rednerin, die anschließend vor allem das Konsumstreben der Zivilisationsstaaten geißelte und eine gerechte Welt und eine gerechte Verteilung der Ressourcen für alle Völker dieser Erde forderte. „Die Welt gehört allen Menschen“, so Rademacher.
















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