Polizeichef: „Koblenz kein Eldorado des Verbrechens“
Koblenz - Die Meldung sorgte im Sommer für Angst und Schrecken: Koblenz sei ein Eldorado des Verbrechens. Das jedenfalls konnte man aus einer Statistik ableiten, die das Nachrichtenmagazin "Focus" Ende August veröffentlichte.
Im bundesweiten Vergleich rangiert die Rhein-Mosel-Stadt demnach in Sachen aufgedeckter Kriminalitätsdelikte auf Rang 13. Wie dieser Bericht einzuordnen ist, macht der Koblenzer Polizeipräsident nun unter anderem mit einer Zahl deutlich, die das Szenario eines Koblenzer Kriminalitätssumpfes auf den ersten Blick sogar noch zu unterstreichen scheint: Betrachtet man alleine die Häufungszahl von Kriminalitätsdelikten, dann hätte Koblenz 2004 sogar auf Platz 2 einer bundesweiten Kriminalitätsstatistik gelegen. Doch ganz so einfach sind die statistischen Rechenspiele nicht. Das wurde bei einem Treffen der Koblenzer Initiative "Sicherheit in unserer Stadt" deutlich, bei der Eckhardt nun zum dem "Focus"-Bericht Stellung genommen hat.
Daten, die die Fallzahlen schnell in die Höhe treiben können, nennt Eckhardt: "Hat ein Arzt zum Beispiel einen Abrechnungsbetrug begangen und es gibt 1000 geschädigte Patienten, dann tauchen alle diese Patienten als einzelne Fälle in der Statistik auf." Ein anderes Beispiel: Auch Graffiti-Schmierereien sind vor dem Gesetz Kriminalitätsdelikte. In Koblenz gibt es gerade auf diesem Gebiet einen hohen Kontrolldruck und eine hohe Aufklärungsquote. Folglich fließen viele dieser Fälle ebenfalls in die Statistik ein. Sie "wandern vom Dunkel- ins Hellfeld", wie der Polizeipräsident formuliert.
Dunkel- und Hellfeld: Das sind zwei weitere Begriffe, die bei der Bewertung einer Kriminalitätsstatik eine entscheidende Rolle spielen. Hellfeld bedeutet: Straftaten werden aufgedeckt. Im Dunkelfeld geschehen Straftaten, die eben nicht ans Licht kommen. Und da eine Statistik logischerweise nur die Fälle aus dem Hellfeld auflisten kann, sagt sie nur bedingt etwas darüber aus, wie hoch die Kriminalitätsrate denn tatsächlich ist.
Beeinflusst werden kann eine Statistik zum Beispiel durch den Kontrolldruck der Polizei, wie Eckhardt weiter erläutert. Sprich: Werden in bestimmten Bereichen verstärkte Kontrollen durchgeführt, dann werden dort auch verstärkt Kriminalitätsdelikte aufgedeckt. Eckhardt stellt zudem fest: Bezogen auf Koblenz ist in den vom "Focus" verwendeten Fallzahlen eine hohe Menge an Bagatellkriminalität vorhanden. Das Gros der Fälle sei ganz sicher nicht der Schwerstkriminalität zuzuordnen, so Eckhardt weiter: "Koblenz ist kein Eldorado des Verbrechens."
Gleichwohl stellte der Koblenzer Polizeipräsident fest: Eine "eindeutige Erklärung" für die im bundesweiten Vergleich hohen Fallzahlen an aufgedeckten Kriminalitätsdelikten gibt es nicht. Genau 12 255 Kriminalitätsdelikte weist die Statistik für das Jahr 2010 für Koblenz aus. Viele Ursachen haben diese Zahl wohl in die Höhe getrieben. Ein Erklärungsansatz für diese Zahl ist nach den Worten Eckhardts zum Beispiel die geografische Lage der Stadt und deren Funktion als Oberzentrum. Koblenz diene für ein großes ländliches Umfeld als Einzugsgebiet. Auch das wirke sich auf die Kriminalitätsstatistik aus.
Von unserer Mitarbeiterin Annette Hoppen















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