Polizei Koblenz: Neuer Digitalfunk macht Helfer schneller
Koblenz - Nicht nur für die Polizei in Koblenz hat eine neue Ära begonnen: Mit einem Anruf beim Trierer Polizeipräsidenten Lothar Schömann startete Innenminister Roger Lewentz symbolisch den erweiterten Probebetrieb des Digitalfunks in Rheinland-Pfalz. Rund 100 Millionen Euro lässt sich das Land die "technische Revolution" kosten, die in ein bundesweites Programm eingebunden ist.
Bei der offiziellen Präsentation im Koblenzer Polizeipräsidium wurde klar: Hier geht es nicht um ein publikumswirksames Prestigeprojekt der Politik, sondern um ein System, das Einsätze von Helfern schneller macht und damit Leben retten kann. Denn die neuen abhörsicheren Leitungen und die digitalen Endgeräte werden nicht nur der Polizei, sondern perspektivisch auch der Feuerwehr und den Hilfsdiensten zur Verfügung stehen.
Am Anfang des Projektes stand jedoch der politische Wille. Und so wies Minister Lewentz darauf hin, dass die Fraktionen im Mainzer Landtag geschlossen hinter dem Projekt stehen, das auch andere Bundesländer forcieren. Das Ziel: Bis 2014 soll der Digitalfunk im gesamten Bundesgebiet flächendeckend funktionieren. Und Rheinland-Pfalz ist bei dieser Entwicklung ganz vorn. Bislang sind 176 der 276 Basisstationen in Betrieb - davon 80 im Gebiet des Polizeipräsidiums Koblenz. Bis zum Ende des Jahres soll das Land komplett versorgt sein. Und in Trier läuft der erweiterte Probebetrieb schon seit einiger Zeit. Schneller war nur noch Baden-Württemberg.
Der Koblenzer Polizeipräsident Horst Eckhardt nannte die Hintergründe, warum die Region mit ihrer schwierigen Topografie bei der Einführung des Digitalfunks an der Spitze steht: In den Mittelgebirgen und in den Flusstälern gibt es Gebiete, in denen der Empfang mit der alten Technik extrem schwierig ist.
Im Fall von Großveranstaltungen mussten bislang zusätzliche Relaisstationen errichtet werden, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Zudem schwebte über allem die Frage: "Was passiert, wenn im Katastrophenfall viele Helfer gleichzeitig auf die alten Kommunikationsnetze zugreifen?" Denn die Gefahr, dass die Belastbarkeit schnell an eine Grenze stößt, hat sich bei der Loveparade 2010 in Duisburg gezeigt: Es konnte nicht mehr einwandfrei lokalisiert werden, von welcher Stelle Hilfe angefordert wurde. So etwas soll es künftig nicht mehr geben. Im Endausbau, in dem das System bundesweit funktioniert, können theoretisch 500 000 Nutzer gleichzeitig zugreifen. Das neue Netz ist somit das weltweit größte Funknetz, das auf dem sogenannten Tetra-Standard basiert, einem Standard für den digitalen Bündelfunk, auf dem der gesamte betriebliche Mobilfunk aufgebaut werden kann. Das System ist so leistungsfähig, dass im Katastrophenfall Abstimmungsgespräche der Helfer untereinander möglich sind. Dazu kommen verbesserte Ortungsmöglichkeiten. Und schließlich können Dritte nicht mehr zugreifen. Das (illegale) Abhören des Polizeifunks gehört damit der Vergangenheit an. Und: Obwohl die ganze Neuordnung im gesamten Bundesgebiet ein milliardenschweres Projekt ist, werden unter dem Strich Betriebs- und Leitungskosten gespart. Allein in Rheinland-Pfalz rechnet man mit jährlichen Einsparungen, die leicht siebenstellige Höhen erreichen können.
Von unserem Redakteur Reinhard Kallenbach















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