Herz und Seele der Koblenzer Mundart: Katharina Schaaf ist tot
Koblenz - Sie war das Herz und die Seele der Koblenzer Mundart - bis zum Ende bemüht, ein heimatliches Kulturgut in das Heute und Morgen zu retten: Katharina Schaaf, die große Koblenzer Mundartdichterin, ist tot. Sie starb im Alter von fast 96 Jahren.
Im Metternicher Unterdorf, am Rohrerhof, wurde sie am 19. November 1915 geboren - als zehntes Kind der Familie Dott. Zur Geburt gratulierten Seine Majestät, Kaiser Wilhelm II. und Gemahlin - was dem Katharinchen von den Geschwistern prompt den Spitznamen "Dä Kaiserwatz" einbrachte. Der Sinn für Poesie wurde ihr vom Vater, der Humor von der Mutter in die - nach neun Kindern stark abgewetzte - Wiege gelegt, so sagte sie einmal.
Von der Muse so richtig geküsst wurde sie jedoch erst mit 50. Damals, 1965, als sie ein Gedicht über die Koblenzer Mundartdichterin Josefine Moos bei der Lokalredaktion Koblenzer der Rhein-Zeitung einreichte - zusammen mit einem Porträt ihres Vorbilds aus der Feder ihres Cousins Philipp Dott, einem Künstler, dessen Sgraffiti noch heute viele Koblenzer Häuser zieren. Es sollte der Beginn der längsten Serie werden, die je in der Rhein-Zeitung abgedruckt wurde - mehr als 40 Jahre lang in mehr als 1000 Folgen. Die "Kowelenzer Steckelcher" fanden schnell einen großen Freundeskreis, der weit über Koblenz selbst hinaus ging. Viele Leserinnen und Leser schnitten Katharina Schaafs Verse aus, die liebevoll den Alltag der Schängel ebenso beschrieb wie zu aktuellen Lokalthemen Augen zwinkernd Stellung nahm und damit dokumentierte "Su schwätze mir". In der kleinen RZ-Bücherei erschienen die "Versjer" schließlich auch als Bände: "Rond om dä Schängel". In keiner anderen Sprache, so hatte es oft der verstorbene Koblenzer Oberbürgermeister Willi Hörter, ein Bewunderer des Lebenswerkes von Katharina Schaaf, formuliert, lassen sich Emotionen und Heimatliebe so zum Ausdruck bringen wie in der Mundart.
Gemeinsam mit anderen Mundartfreunden wie Peter Dommermuth, Ewald Fischbach oder Manfred Gniffke machte Katharina Schaaf die "Moddersproch" salonfähig - und heimste Orden und Ehrungen ein. Natürlich auch im Karneval. Dennoch sah sie die Faasenacht nicht als ihre Wirkungsstätte. Im Rampenlicht zu stehen, lag der bescheidenen Frau ohnehin nicht. Und dennoch zogen gerade die Karnevalisten immer wieder respektvoll den Hut vor ihr, allen voran ihre Freunde von den rot-weiß-goldenen Funken aus Metternich und die "Gruße".
Noch im hohen Alter lernte Katharina Schaaf das Schreiben am Computer, setzte ihre letzten Verse, als sich das Augenlicht zunehmend trübte, am Bildschirm - "weil ma do die Buchstabe su scheen gruß mache kann", verriet sie ganz begeistert.















Diesen Artikel versenden