Abzocke im Internet: Per Mausklick in die Abofalle
Mülheim-Kärlich - Heinz Müller ist ein gebranntes Kind. Im Internet bewegt sich der 74-Jährige aus Mülheim-Kärlich längst nicht mehr so unbekümmert wie noch vor einigen Monaten. Die Suche nach einem Routenplaner hat ihn direkt in die Abofalle gelotst. Jetzt flattert eine Mahnung nach der anderen ins Haus.
Rückblick: Einmal im Jahr macht sich Heinz Müller an die Planung einer mehrtägigen Fahrt, die er gemeinsam mit seinen ehemaligen Schulkameraden bestreitet. In diesem Jahr zieht es den Jahrgang 36/37 aus Mülheim in den Thüringer Wald. Fünf Tage soll die Tour dauern, es ist die neunte infolge. Der gelernte Großhandelskaufmann kümmert sich dabei federführend um die Anmietung von Reisebus und Hotels. Die Reiseroute nimmt er zuvor stets am heimischen PC unter die Lupe. Über die Suchmaschine Google wählt er dafür einen der vielen kostenlosen Routenplaner im Internet. Am Sonntag, 10. April, jedoch kommt alles anders.
„Ich verwende immer den gratis Routenplaner von Falk. Aber an diesem Tag hat die Seite nicht richtig funktioniert“, sagt Heinz Müller, der daraufhin nach Alternativen googelte. Nur wenige Mausklicks später landete er auf der Seite www.routenplaner-service.de. Wie genau das geschehen ist – das kann sich Heinz Müller heute selbst nicht mehr erklären.
Auf der Internetseite lädt eine ansprechende Eingabemaske zur Suche nach der gewünschten Route ein. Doch wenn diese berechnet werden soll, wird der Nutzer zunächst auf eine andere Seite weitergeleitet. „Gleich geht’s weiter. Nach der Anmeldung erhalten Sie Zugriff auf unsere Routenplaner Dienstleistungen und Informationen“, heißt es dort vom Anbieter Webtains GmbH aus Rodgau (Hessen). Anmeldung heißt in diesem Fall: Abschluss eines Abonnements. Denn die angebotenen Serviceinhalte gibt es bei diesem Anbieter nicht etwa kostenlos wie bei zahlreichen anderen Internet-Dienstleistern. 96 Euro pro Jahr berechnet Webtains an Kosten. Vertragslaufzeit: zwei Jahre.
Den Hinweis darauf erhält der Nutzer jedoch nicht deutlich unter dem „Jetzt anmelden“-Knopf, sondern muss ihn zwischen einem Gewinnspiel und weiteren Informationen am rechten Bildrand oder in den allgemeinen Geschäftsbedingungen suchen. Klare Abzocke, argumentieren Verbraucherschützer.
Im Juni 2010 hatte die Verbraucherzentrale Thüringen erstmals vor der Masche der damals noch in Eisenach ansässigen Firma gewarnt. Damals sei der Abo-Preis nur im „Kleingedruckten“ zu finden gewesen. Mittlerweile, so teilt Ralph Walther von der Verbraucherzentrale Thüringen auf Anfrage der Rhein-Zeitung mit, sei das Unternehmen jedoch erfolgreich gerichtlich vom Bundesverband abgemahnt worden. Seitdem gebe es am „Jetzt anmelden“-Knopf ein Sternchen, das auf Vertragsinformationen hinweist. Dennoch: „Aus unserer Sicht fehlt es immer noch an einer Willenserklärung durch den Verbraucher“, betont Walther. Kurzum: Wenn es dem Verbraucher bewusst geworden wäre, dass das Angebot so viel Geld kosten soll, hätte er sich nicht angemeldet.















Diesen Artikel versenden