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Ehrenamtliche Flüchtlingshilfe in der Region: Infos per Mail für RZ-Helferkarte

Ich will helfen, aber wie? – Wir sammeln Kontaktstellen für Ehrenamtliche

Begrüßungskomitees an Bahnhöfen, Sachspendenflut, spontanes Anpacken: Die Bereitschaft der Menschen, Flüchtlingen in Deutschland zu helfen, ist riesig - so groß, dass manchmal der Überblick fehlt. An Willkommensgesten und tatkräftiger Hilfe für Flüchtlinge lassen es die Deutschen derzeit nicht mangeln.

>>> Falls auch Sie helfen wollen: Wir arbeiten an einer Karte mit Ansprechpartnern in der Region. Wenn Sie weitere Anlaufstellen kennen, senden Sie uns bitte eine E-Mail an online@rhein-zeitung.net

 

Von überwältigender Hilfsbereitschaft spricht beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz. Bürgermeister, Abgeordnete und Minister loben den Einsatz der Ehrenämtler. Gleichzeitig stellen die vielen Freiwilligen und spontanen Initiativen Behörden und Hilfsorganisationen vor organisatorische Herausforderungen.

Wie bringen sich die Menschen ein?

Die Menschen spenden Kleidung, Möbel, Spielzeug oder Geld oder wollen sich beim Sprachunterricht oder der Kinderfreizeit einbringen. Vereine öffnen ihre Pforten, Menschen bieten leere Wohnungen an. Manche helfen wenige Stunden in der Kleiderkammer oder an der Essensausgabe, andere übernehmen längere Patenschaften. Dabei sei die Zahl der Hilfsangebote in dieser Woche noch einmal deutlich angestiegen, berichten Initiativen und Hilfskoordinatoren.

Gibt es denn inzwischen sogar zu viel Hilfe?

Nein, betonen die Experten. „Jeder Hilfsansatz ist wichtig und begrüßenswert“, sagt Birgit Naujoks, Geschäftsführerin des Flüchtlingsrats NRW. Nicht immer finde das jeweilige Angebot allerdings im richtigen Moment am richtigen Ort eine Nachfrage. Und: Die schiere Menge an Angeboten überfordere manche Initiativen derzeit. Das Deutsche Rote Kreuz berichtet, dass einige Notunterkünfte derart von Sachspenden überschwemmt würden, dass sie gar nicht alle Verwendung finden. „Deshalb lieber vor Ort nachfragen, was auch wirklich gebraucht wird“, rät DRK-Sprecher Dieter Schütz.

Und wie sieht es mit der Hilfe für die Helfenden aus?

„Ehrenamt braucht Koordination und Unterstützung“, sagt Naujoks - dazu gehören auch Schulungsangebote für Ehrenamtliche. Wie gut Strukturen zur Bündelung von Hilfsangebot und Nachfrage ausgebaut sind, sei regional sehr unterschiedlich. Wichtig seien zentrale Anlaufstellen in der Verwaltung oder bei den etablierten Freiwilligeninitiativen, die in der Lage sind, den manchmal verlorenen Überblick zurückzugewinnen.

Wie gehen Kommunen mit den vielen Hilfsangeboten aus der Bürgerschaft um?

Einige Verwaltungen haben bereits hauptamtliche Koordinatoren für die Flüchtlingsarbeit eingesetzt. Hier ein paar ausgewählte regionale Beispiele: So hat etwa die Verbandsgemeinde Waldbreitbach (Kreis Neuwied) eine Flüchtlingskoordinatorin, die als Ansprechpartnerin zur Herstellung von Kontakten und der Koordinierung von ehrenamtlichen Hilfen wie etwa Patenschaften, Sprachkursen, Fahrdiensten und Sachspenden zur Verfügung steht. Die Verbandsgemeinde Adenau (Kreis Ahrweiler) hat eine Kontaktstelle für Flüchtlingsfragen eingerichtet, die alle Anfragen bündelt, koordiniert, in die richtigen Kanäle leitet und dabei eng mit dem örtlichen Runden Tisch zusammenarbeitet, an dem alle mit Flüchtlingsfragen befassten Institutionen sitzen. Auch in der Stadt Neuwied wird eine Mitarbeiterin eigens für die Koordination von Hilfsangeboten eingestellt. Doch in vielen Kommunen suchen hilfsbereite Bürger noch vergeblich nach einer solchen zentralen Anlaufstelle, die schnell Auskunft geben kann. In vielen Fällen läuft die Koordination von privaten Hilfsangeboten noch vornehmlich über den Bereich der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfen.

Wie erklären Experten die große Solidarität mit Flüchtlingen?

Für die Praktiker zeigt sich hier schlicht Menschlichkeit: „Viele nehmen Anteil am Schicksal der Menschen, die zum Teil seit Jahren etwa vor dem Krieg in Syrien auf der Flucht sind“, sagt DRK-Sprecher Dieter Schütz. Der Migrationssoziologe Thomas Faist von der Universität Bielefeld sieht darin aber auch eine Reaktion auf Rechtspopulismus: „Die Menschen wollen zeigen: Es gibt ein anderes Deutschland.“ Viele Bürger sähen in der Hilfe vor Ort aber auch eine neue Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen, wo man sich bislang hilflos fühlte. Wichtiger Begleiteffekt sei auch die positive wirtschaftliche Lage, sagt Faist. Auch das Wissen um die älter werdende, Fachkräfte suchende Gesellschaft lasse die Asylbewerber weniger als Bedrohung wirken.

Lässt sich die große Welle der Hilfsbereitschaft auf Dauer aufrechterhalten?

„In dieser Notlage brennt die Hilfsbereitschaft besonders, das wird auch wieder etwas abflauen“, glaubt der Soziologe Faist. Noch sei ein Abebben der Hilfsbereitschaft aber nicht in Sicht, heißt es beim DRK und dem Flüchtlingsrat NRW. „Ewig lässt sich das auf dem jetzigen Niveau natürlich nur schwer durchhalten“, sagt der DRK-Sprecher. „Sicher ist aber auch“, sagt Faist, „es wird etwas übrig bleiben, das die zivilgesellschaftlichen Organisationen auch langfristig stärken wird.“

Florentine Dame

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