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    «Ich schäme mich» - Frauenarzt wegen intimen Fotos vor Gericht

    Frankenthal (dpa/lrs) - Dunkler Anzug, Brille, schütteres Haar - auf den ersten Blick wirkt der Angeklagte seriös und vertrauenerweckend. Doch in seiner gynäkologischen Praxis in Schifferstadt nahm eines Tages seine dunkle Seite überhand, wie der 58-jährige Arzt selbst sagt. Zehntausende intime Fotos soll er heimlich von seinen Patientinnen geschossen haben. Seit Donnerstag wird ihm deswegen in Frankenthal der Prozess gemacht. Wegen des erwarteten Andrangs und der großen Zahl der betroffenen Frauen wird nicht im Gericht, sondern in einem nahe gelegenen evangelischen Gemeindehaus verhandelt, das gut besucht ist.

    In einer persönlichen Erklärung zu Beginn bittet der Angeklagte die Geschädigten «von ganzem Herzen» um Entschuldigung. Ihm sei bewusstgeworden, dass es eine dunkle Seite in ihm gebe, sagt er in seiner kurzen Rede. Er habe niemanden beleidigen, verletzen oder schädigen wollen. Er wolle Wiedergutmachung leisten und sei zu persönlichen Gesprächen und einem Täter-Opfer-Ausgleich bereit. Fünf Frauen, die im Prozess als Nebenklägerinnen auftreten, lauschen seinen Worten mit unbewegter Miene.

    Die Anklage wirft ihm unter anderem eine Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs der Frauen in weit über 1400 Fällen vor. Er soll Fotos von den äußeren Genitalien seiner Patientinnen gemacht und die Frauen in der Umkleidekabine sowie mit freiem Ober- oder Unterkörper auf der Behandlungsliege fotografiert haben. Die Kamera hatte er demnach im Behandlungsstuhl versteckt.

    Außerdem soll er kurze Videos davon gemacht haben, wie er mit einer Ultraschallsonde und mit seinen Fingern in die Scheide und auch den After von Patientinnen eingedrungen ist. Seine Handlungen seien fachlich nicht nachvollziehbar gewesen, er habe es offenbar getan, um sich sexuell zu stimulieren, so die Staatsanwaltschaft. Dem Arzt wird daher auch Missbrauch in zehn Fällen vorgeworfen, wobei er die Behandlungssituation für sexuelle Handlungen ausgenutzt haben soll.

    «Ich schäme mich», betont der Angeklagte zum Prozessauftakt. Er schäme sich, dass er einen solchen Vertrauensbruch begangen habe, denn ohne Vertrauen sei eine sinnvolle Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patienten nicht möglich. Er schäme sich, dass er den Patientinnen Leid und Ärger zugefügt habe. Und er schäme sich, dass er der Würde des Arztberufs großen Schaden zugefügt habe.

    Ins Rollen kam der Fall durch zwei Arzthelferinnen, die nach der Entdeckung eindeutiger Fotos die Polizei einschalteten. Beide waren quasi seit der Eröffnung 1988 in der Praxis beschäftigt. Sie hätten ein sehr gutes und Verhältnis zum Arzt und seiner Frau gehabt, sagen beide am Donnerstag als Zeuginnen aus.

    Irgendwann in den vergangenen Jahren wunderten sich die Arzthelferinnen, dass die Lehne des Behandlungsstuhls fast waagerecht eingestellt war, so dass die Patientinnen liegen mussten. Ihnen fiel auch auf, dass der Arzt häufig eine Schublade im Untersuchungsstuhl auf- und zuzog, bevor er die nächste Patientin hereinbat. Diese Schublade werde jedoch normalerweise gar nicht benutzt, sagt eine der Helferinnen aus. Sie hätten regelmäßig nachgeschaut, doch das Fach sei immer leer gewesen - bis eines Tages eine Digitalkamera drin lag.

    «Das hat uns sehr erschreckt», sagt ihre Kollegin. Sie hätten noch gehofft, dass der Fund nichts zu bedeuten habe. Doch dann hätten sie das erste Foto gesehen - eine Aufnahme von einer Patientin, die in Untersuchungshaltung auf dem Behandlungsstuhl saß. Ihre Geschlechtsteile seien sehr deutlich zu sehen gewesen.

    Angesichts der einschlägigen Fotos entschieden sich die beiden Arzthelferinnen dafür, Anzeige zu erstatten, obwohl sie wussten, dass sie ihren Job verlieren würden. Später halfen sie der Polizei auch dabei, die Patientinnen auf den Fotos zu identifizieren. Fast 2000 Frauen waren betroffen. Nicht alle haben einen Strafantrag gestellt, einige haben sich inzwischen zivilrechtlich mit dem Arzt geeinigt. Für den Prozess sind bis zum 8. Oktober noch fünf weitere Verhandlungstermine angesetzt.

    Landgericht Frankenthal

    dpa-Landesdienst
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