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    Haft und Sicherungsverwahrung für Missbrauchsvater

    Der Missbrauchsvater aus dem Westerwalddorf Fluterschen kommt möglicherweise nie mehr in Freiheit. Das Gericht verhängte eine lange Haftstrafe und Sicherungsverwahrung. Prozessbesucher applaudierten, die Opfer fielen sich in die Arme und weinten vor Erleichterung.

    Sicherungsverwahrung für Missbrauchsvater
    Detlef S. (l.) vor der Urteilsverkündung: 14 Jahren und sechs Monaten Haft.
    Foto: DPA

    Koblenz (dpa/lrs) - Bei seinem Geständnis hatte er noch bitterlich geweint, das Urteil nahm der schmächtige Mann im roten Sakko auf der Anklagebank nun völlig regungslos hin. Detlef S. wird für den jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch seiner Kinder möglicherweise ein Leben lang im Gefängnis bleiben. Das Landgericht Koblenz verurteilte den Familienvater aus dem Westerwald am Dienstag zu vierzehneinhalb Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung. «Es handelt sich bei dem Angeklagten um einen grenzenlosen Egoisten, er betrachtete Familienmitglieder als seinen persönlichen Besitz», sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

    Mit Prügel und Psychoterror hielt der 48-Jährige seine Familie in einem «Gebäude der Angst» gefangen und ebnete so den Weg für den Missbrauch seiner Kinder. Der Mann aus Fluterschen hatte zugegeben, seine heute 18-jährige Tochter, eine 27 Jahre alte Stieftochter und deren Zwillingsbruder missbraucht zu haben. Beide Töchter verkaufte er zudem für Sex an Männer, mit der Stieftochter zeugte er sieben Kinder. Medien nannten den Mann in Anlehnung an den österreichischen Kriminalfall den «deutschen Fritzl». Das Missbrauchsdrama hat für eine Familie in Deutschland ein bislang ungekanntes Ausmaß.

    Ursprünglich hatte sich Detlef S. wegen 350 Straftaten zwischen 1987 und 2010 verantworten müssen. Diese Zahl wurde auf rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten reduziert. «Diese wiegen jedoch schwer», sagte der Richter. Beim Zusammenzählen aller Einzelstrafen ergäbe sich eine Haftstrafe von 500 Jahren und zehn Monaten. So etwas sehe das deutsche Strafrecht jedoch nicht vor.

    Mit dem Urteil folgte das Gericht der Forderung von Staatsanwalt und Nebenklägern, die die Opfer vertraten. «Mir ist ein ganzer Mount Everest vom Herzen gefallen», sagte der Stiefsohn danach. «Es ist eine unglaubliche Erleichterung für meine Mandantin», betonte die Anwältin der Tochter. Vor allem die Sicherungsverwahrung bedeute nun «viel Zeit, um das Leben neu zu gestalten». Sie war - anders als die anderen beiden Opfer - nicht vor Gericht erschienen. Für die Stieftochter war es laut ihrer Anwältin Katharina Hellwig ein «Akt der Genugtuung», ihrem Peiniger beim Urteil ins Gesicht zu sehen.

    Aber auch sie musste sich noch einmal die erschütternden Details anhören. «Sie hat heute noch mal alles durchleben müssen», sagte Hellwig. Begonnen hatte das Martyrium Ende der 80er Jahre. Damals soll der Vater erstmals die Genitalien der beiden etwa fünfjährigen Stiefkinder angefasst haben. Als sie zwölf Jahre alt waren, wurden die beiden Töchter erstmals vergewaltigt. Die jungen Frauen hatten im Prozess berichtet, wie sie vergeblich versuchten, sich zu wehren und vor Schmerzen schrien. Beide wurden über Jahre missbraucht und mussten immer wieder auch andere Männer befriedigen.

    Die Mutter will davon nichts mitbekommen haben. Ihr konnte von der Staatsanwaltschaft ebenso wenig ein strafrechtlich relevanter Vorwurf gemacht werden wie dem Jugendamt. Ins Rollen waren die Ermittlungen im August 2010 durch einen Brief der leiblichen Tochter gekommen. Seither saß Detlef S. in Untersuchungshaft. Der Verteidiger hatte auf neuneinhalb Jahre Gefängnis plädiert und will nun prüfen, ob er Revision einlegt.

    Knackpunkt könnte dabei die Anordnung der Sicherungsverwahrung sein. Nach einem Gutachten würde Detlef S. versuchen, sich in Freiheit wieder ein solches Machtgefüge aufzubauen. Deshalb hält ihn das Gericht für «allgemeingefährlich» und erschwerte die Bedingungen für seine Freilassung. Zum Schluss appellierten die Richter an alle Opfer von Sexualstraftaten, «diese nicht weiter still zu erdulden, sondern öffentlich zu machen». Nur so könne ihr Leid beendet werden.

    dpa-Landesdienst
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