Kreisstadt will sich an Rettung der Walporzheimer Weinbergsterrassen beteiligen
Für die gefährdeten Weinbergsterrassen von Walporzheim ist Rettung in Sicht. Wie der Rat am Montagabend einstimmig beschloss, unterstützt die Stadt einen Antrag auf Förderung aus dem EU-finanzierten Life-Biodiversitätsprogramm, um die Winzer bei der Sanierung der historischen Trockenmauern zu unterstützen. Kosten: rund zehn Millionen Euro.
„Es geht um den Erhalt einer Kulturlandschaft“, betonte Fritz Langenhorst (SPD), und auch Herbert Koll (CDU) unterstrich die kulturlandschaftliche, kulturhistorische und touristische Bedeutung der Weinbergsterrassen: „Sie sind das Markenzeichen für den Weinbau an der Ahr“, sagte Koll.
Mitte 2009 hatte der Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau Alarm geschlagen: Der Steillagenbau im Ahrtal sei in Gefahr. Schon damals sprach der Kreisvorsitzende Hans Boes von einer „dramatischen Situation“. Denn viele der teilweise 300 bis 400 Jahre alten Trockenmauern drohten einzubrechen. Seither hat sich die Situation nicht verbessert. Nach jeder Frostperiode, aber auch nach Starkregen fallen weitere Mauern ein. Im Rahmen der Flurbereinigung werden zwar die Trockenmauern entlang der öffentlichen Erschließungswege saniert. Doch von gut 27 Kilometern alter Weinbergsmauern im 78 Hektar umfassenden Flurbereinigungsgebiet zwischen Römervilla und Bunte Kuh befinden sich rund 80 Prozent auf privatem Grund und Boden.
Bislang fühlten sich die Winzer mit ihrem ökologisch wertvollen, aber zerbröselndem Erbe allein gelassen. Entsprechend erleichtert zeigte sich jetzt Boes, für die FWG auch im Stadtrat, von dem Ratsbeschluss, wenngleich er auf den Winzerverband noch viel Überzeugungsarbeit zukommen sieht. „Die Winzer werden sich an Kontrollen durch Brüssel gewöhnen müssen“, ahnt Boes. Besonders Weinbergsbesitzer, deren Mauern in Ordnung sind, dürften von dieser Einmischung wenig begeistert sein. „Aber anders“, sagt Boes, „ist diese Region nicht zu retten.“
Sollte Walporzheim in den Genuss des Förderprogramms kommen, so wären 50 Prozent der Gesamtkosten abgedeckt. Die verbleibenden fünf Millionen Euro müssten sich Stadt, Kreis, Landesumweltministerium, die betroffenen Winzer und die Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz teilen, wobei letztere das Projekt auch fachlich begleiten und die Trägerschaft übernehmen will. Die Stadt ist bereit, über zwölf Jahre jährlich 60 000 Euro beizusteuern.
Von einem „wesentlichen und wichtigen Signal“ sprach Willi Beu, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Flurbereinigung Walporzheim, die die Interessen von 230 Eigentümern wahrnimmt. Besonders freut ihn das einstimmige Votum des Rates. Lediglich Andreas Schmickler (Bündnis 90/Die Grünen) merkte an, dass man diese Förderung auch schon vor zehn Jahren hätte haben können.












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