Feuerwehr misst die natürliche Strahlenbelastung
Bad Kreuznach - Die Feuerwehren der Region werden derzeit mit neuen Strahlenmessgeräten ausgerüstet. In den kommenden Monaten werden wieder verstärkt sogenannte nullraten-Messungen vorgenommen. Damit wird die natürliche Strahlung festgelegt, um bei Unfällen oder schlimmstenfalls auch Strahlenbelastungen durch die japanische Reaktorkatastrophe feststellen zu können, in welchem Maße die Strahlung über dem normalen Bereich liegt.
Aus der Strahlenkatastrophe in Japan müssen in der Naheregion vorerst keine Konsequenzen gezogen werden. Allerdings verstärkt die Feuerwehr ihre regelmäßigen Strahlenmessungen. „Das ist aber Zufall“, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Werner Hofmann. Denn seit etwa zwei Jahren werden kreisweit neue Kontaminationssonden beschafft. Diese „Bügeleisen“ ersetzen die alten Minikontaminatoren, mit denen die Strahlung noch in Rem gemessen wurde. Die „Bügeleisen“ messen in „Sievert“, sind alle baugleich, so dass es künftig keine Umrechnungsfehler mehr geben wird.
Regelmäßige Messungen sind nötig, um die natürliche Strahlung, die sogenannte Nullrate, zu kennen. Das wird besonders bei Unfällen oder Bränden relevant. Hofmann: „Bei einem Lkw-Unfall mit radioaktiven Stoffen wird zunächst großflächig abgesperrt. Dann nähert man sich dem Fahrzeug mit dem Messgerät und kann von der Nullrate ausgehend erkennen, ob radioaktives Material ausgetreten ist.“ Im Notfall steht der Dekontaminationszug des Kreises (stationiert in Bad Münster-Ebernburg) bereit. Menschen, die radioaktiver Strahlung oder auch chemischer Verschmutzung ausgesetzt waren, können in Dekontaminationszelten behandelt werden. Auch Gerätschaften werden dort gesäubert
An den neuen Strahlenmessgeräten werden Feuerwehrleute nun in Messpraktika ausgebildet, die von der Landesfeuerwehrschule in Zusammenarbeit mit der Michelin-Werkfeuerwehr ausgerichtet werden. Dabei müssen radioaktive Präparate aufgespürt werden. Die Feuerwehr hofft, dass die Katastrophe von Japan keine erhöhten Werte wie vor 25 Jahren durch den Tschernobyl-Supergau bringt. Hofmann: „Diesmal sind es 9000 Kilometer Entfernung zum Unglücksort statt damals 2000.“
Auch der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Ernst-Dieter Lichtenberg, sieht die Katastrophenschutzplanung des Kreises zunächst nicht tangiert. Ändern könnte sich diese Einschätzung, wenn giftige Abbaustoffe wie Cäsium in die Atmosphäre aufsteigen und dann in der Region abregnen sollten. Auch die geplanten Stresstests der deutschen Atomkraftwerke seien kein Grund, die Sicherheitsmaßnahmen vor Ort zu überdenken.
Eine vorbeugende Behandlung mit Jod-Tabletten wie sie ängstliche Mitbürger erwägen, hält Lichtenberg für grundfalsch. Die Dosierung sei zum einen viel zu niedrig, hohe Dosen aber mit Risiken verbunden. Lichtenberg: „Gerade in unserer Region leiden viele Menschen unter Schilddrüsenproblemen durch Jodmangel. Die Einnahme von Jodpräparaten muss ärztlich begleitet werden.“
Der Gesundheitsamtsleiter empfiehlt, die Reisewarnungen der Bundesregierung zu beachten. In die Sperrzonen könne man ohnehin nicht einreisen. Wer aus dem Katastrophengebiet nun nach Hause komme, habe im Grunde Glück gehabt. Kleiderwechsel und kräftig abduschen reiche aus.














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