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Erhöhung der Grunderwerbsteuer beschert Notaren Überstunden

Kreis Bad Kreuznach - Die Notare im Kreis haben derzeit alle Hände voll zu tun. Viele kommen kaum nach, die Kaufverträge für Häuser, Wohnungen und Grundstücke zu beurkunden, die sich auf ihren Schreibtischen stapeln. Grund für den Ansturm: Die Immobilienkäufer wollen unbedingt noch vor der Erhöhung der Grunderwerbsteuer am 1. März ihre Unterschrift unter den Kaufvertrag setzen.

Die Notare im Kreis haben vor der Erhöhung der Grunderwerbsteuer gut zu tun.
Benjamin Stoess

Statt wie bisher 3,5 Prozent kassiert das Land dann fünf Prozent vom Kaufpreis – was je nach Kaufsumme das Projekt einige tausend Euro teurer machen kann.
Insbesondere in den letzten drei Wochen haben sich die Kaufwilligen in den Notariaten die Klinke in die Hand gegeben. „Wir spüren es deutlich“, sagt Notar Rudolf Mackeprang von der Kreuznacher Sozietät Schwab-Mackeprang, der auch Mitglied im Vorstand der Notarkammer Koblenz ist. Es sei ähnlich wie bei anderen Steueränderungen oder auch beim Wegfall der Eigenheimzulage vor einigen Jahren. Damals hatte es vor dem Stichtag einen regelrechten Run auf die Notariate gegeben, weil viele den Kauf noch vor dem Stichtag abwickeln wollten.
Ganz so wild ist es dieses Mal zwar nicht, weil es damals um mehr Geld für die Häuslebauer ging, trotzdem wurde es zuletzt bei den Terminen eng: „Ich habe andere Verträge in den März verschoben“, sagt der Kirner Notar Thorben Ehrenberg. Seit Ende Januar beurkundet er vor allem Immobilienkäufe. Auch sein Bad Sobernheimer Kollege Richard Held bestätigt: „Die letzten beiden Wochen war es schwierig, noch Termine mit den Käufern zu finden.“ Zwar sei schon seit vergangenem Frühsommer bekannt, dass die Grunderwerbsteuer erhöht wird, trotzdem kämen viele Kaufwillige erst kurz vor der Erhöhung.
Held sieht in dem Druck, den solche Stichtage ausüben, jedoch für manche Käufer eine Gefahr: Als die Eigenheimzulage gestrichen wurde, hätten viele unüberlegt und überstürzt gekauft. „Ein solcher Termindruck ist oft ein schlechter Ratgeber“, warnt der Notar, der auch in Meisenheim eine Geschäftsstelle betreibt.
Die meisten Häuslekäufer, die in diesen Tagen ihre Unterschrift unter einen Kaufvertrag setzen, sind jedoch nach Einschätzung von Maklern und Banken in der Region Menschen, die einen ohnehin geplanten Hauskauf lediglich vorziehen. „Das sind überlegte Entscheidungen“, hat Jörg König von Immobilien Lessemann in Bad Kreuznach beobachtet.
Auch bei den Immobilienvermittlern und Kreditberatern der Volksbank Rhein-Nahe-Hunsrück und der Sparkasse Rhein-Nahe klopften nur Interessenten an, die den Kauf gut überlegt hatten. „Es gab keinen einzigen, der allein wegen der Steuererhöhung gekauft hat“, sagt Volksbank-Vorstand Odo Steinmann. Diejenigen, die jedoch sowieso vor der Entscheidung standen und ein passendes Objekt gefunden hatten, drückten auf die Tube, damit der Kauf noch im Februar abgewickelt wird, berichten Steinmann und Sparkassen-Sprecher Jens Treske. Ein noch wichtigeres Kaufargument als die Steuerfrage ist indes das historisch niedrige Zinsniveau. Deshalb wird die Flut von Kreditanfragen, die den Bankmitarbeitern zuletzt gut zu tun gab, nach Treskes Einschätzung nach dem 1. März auch nicht völlig abebben. „Die Voraussetzungen für Immobilienkäufer bleiben gut“, sagt er. „So günstige Zinskonditionen hatten wir noch nie“, betont auch Steinmann. sjs

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