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Haus zerfällt: Neunköpfige Familie lebt in einem Zimmer

Diethardt. Mandy S. steht in der Küche. Es riecht modrig. Die Rollläden sind heruntergelassen. Plötzlich kommt ihre siebenjährige Tochter durch die Tür. In der Hand hält sie das Telefon: Jugendamt. Mandy S. greift nach dem Hörer. Sie weiß, worum es geht – schließlich hatte sie selbst um Hilfe gebeten. Doch die Worte zu hören, ist schrecklich für die 38-Jährige. Tränen rinnen ihr die Wange hinab.

Mandy S. richtet den Blick nach oben zu dem Loch im Dach. Ihr Vermieter habe vor dem Einzug gesagt, es sei repariert worden. Ob das wirklich stimmt, ist fraglich. Mittlerweile ist das ganze Haus feucht - auch weil es zusätzlich zu Wasserrohrbrüchen gekommen ist.
Markus Eschenauer

Mandy S. beschreibt dem Sachbearbeiter des Amtes sehr anschaulich den Zustand, in dem sie selbst, ihr Mann und sieben ihrer insgesamt neun Kinder (zwei stehen bereits auf eigenen Beinen) derzeit leben. Sie beschönigt nichts. Nach ein paar Minuten ist das Telefonat beendet. Der Mitarbeiter der Behörde möchte vorbeikommen, um sich ein Bild zu machen. Zweifel daran, dass das Wohl der Kinder gefährdet ist, bleiben kaum.

Anfang des vergangenen Jahres hat die Großfamilie ein Haus in der rund 250-Einwohner-Gemeinde Diethardt (VG Nastätten) gemietet – inklusive einem 12 000-Quadratmeter-Grundstück. Perfekt, denn Mandy S. hatte vor, Hunde zu züchten, und die brauchen Auslauf. Doch dazu kam es nie. Ein Traum ist zerplatzt.

Kalt ist es in den meisten Wohnräumen. Trotzdem trägt Mandy S. nur ein T-Shirt. Sie steigt die Treppe zum ersten Stock hinauf. Im Kinderzimmer wandert ihr Blick nach oben zu den Wasserflecken und der abgerissenen Tapete. In der Mitte des kleinen Raumes steht noch ein Kinderbett – unbrauchbar.

Nur wenige Tage nach dem Einzug im März sei Wasser durch die Decke getropft. „Mama, es regnet!“, habe ihr Sohn gerufen, als er auf diese unschöne Art und Weise aus dem Schlaf gerissen wurde.

Schon bevor der Mietvertrag unterschrieben war, hatte die 38-Jährige, die zuvor im Kreis Altenkirchen und Troisdorf wohnte, Wasserflecken entdeckt. Deshalb habe sie gefragt, ob das Dach repariert sei. Die Antwort des Vermieters sei „Ja“ gewesen – eine Aussage, der nur schwer zu glauben ist. Denn jetzt, kein Jahr später, scheint das Tageslicht durch Löcher, die größer sind als Tennisbälle. Überhaupt macht der gesamte Dachstuhl keinen guten Eindruck: An den Balken nagt der Zahn der Zeit, gedämmt ist nichts. Ein ortsansässiger Dachdecker hat sich das Problem vor einiger Zeit von außen angeschaut. Ergebnis: Man könne es flicken, dann wäre zumindest für zwei Jahre Ruhe, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf ein entsprechendes Angebot habe der Vermieter keine Reaktion gezeigt.

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