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    21, 22, 23Mehr Kick beim Kickdown - Audi RS5 TDI Concept

    .. bislang haben sich auch die stärksten Diesel beim Anfahren noch eine Gedenksekunde gegönnt. Doch damit macht Audi jetzt Schluss: Im RS5 experimentieren die Bayern mit einem elektrischen Turbo, der dem bärigen Kraftpaket gehörig Beine macht. Die Aussichten für eine Serienproduktion sind nicht schlecht – allerdings in einem anderen Auto.

    : Im RS5 experimentiert Audi mit einem elektrischen Turbo
    : Im RS5 experimentiert Audi mit einem elektrischen Turbo

    Von 280 km/h Spitze zum Beispiel können die Kilometerfresser auf der linken Spur in ihren Diesel-Firmenwagen bislang nur
    Von 280 km/h Spitze zum Beispiel können die Kilometerfresser auf der linken Spur in ihren Diesel-Firmenwagen bislang nur träumen

    Sie kommen langsam, aber gewaltig: Zwar sind moderne Diesel-Motoren die Helden der Vielfahrer, weil sie auch bei Vollgas noch halbwegs sparsam sind und trotzdem mühelos mit weit über 200 km/h über die linke Spur fliegen. Doch um in Fahrt zu kommen, lassen sich auch die modernsten Motoren ein wenig Zeit. Denn ohne den nötigen Abgasstrom ist auch der potenteste Turbo machtlos und gönnt sich deshalb beim Anfahren oder beim spontanen Zwischenspurt eine kleine Gedenkzeit. So wirken die Diesel tatsächlich wie Bären, mit denen sie gerne verglichen werden: Anfangs ein bisschen verschlafen und gemütlich, nur um danach umso kräftiger und vor allem geduldiger zur Sache zu gehen.

     Ausgerechnet in einen RS5 hat der Ingenieur den ersten V6-TDI mit e-Lader eingebaut und aus dem 3,0 Liter großen Sechsz
    Ausgerechnet in einen RS5 hat der Ingenieur den ersten V6-TDI mit e-Lader eingebaut und aus dem 3,0 Liter großen Sechszylinder mal eben 385 statt bis dato 313 PS gekitzelt

    „Aber damit ist bald Schluss“, sagt Ulrich Weiss. Er leitet die Entwicklung der Diesel-Motoren bei Audi und will den bärigen Kraftpaketen 25 Jahre nach der Premiere des TDI-Motors noch einmal richtig Beine machen. Dabei setzt der Ingenieur auf einen elektrischen Turbo: Den beiden konventionellen Ladern vorgeschaltet, springt er immer dann in die Bresche, wenn der Abgasstrom noch zu dünn ist und die Verdichter deshalb nicht so recht bei Puste sind: Zwei Zehntelsekunden reichen dem E-Motor, um den kaum zwei Fäuste großen Lader auf 72.000 Touren zu bringen und das Turboloch ausgesprochen wirkungsvoll zu stopfen. „Das gibt uns den nötigen Kick beim Kickdown“, ist Weiss überzeugt und will mit Boostphasen von ein bis maximal drei Sekunden das vielleicht letzte Manko dieses Motorenprinzips ausräumen: „Der Verbrauch des Diesels ist vorbildlich, die Laufkultur kein Thema mehr und an den Endgeschwindigkeiten gibt es auch nichts zu kritisieren. Nur bei der Beschleunigung hat der TDI noch einen Nachholbedarf“, sagt der Entwickler und müsste eigentlich „hatte“ sagen.

    Den beiden konventionellen Ladern vorgeschaltet, springt er immer dann in die Bresche, wenn der Abgasstrom noch zu dünn
    Den beiden konventionellen Ladern vorgeschaltet, springt er immer dann in die Bresche, wenn der Abgasstrom noch zu dünn ist und die Verdichter deshalb nicht so recht bei Puste sind

    Denn nach seiner kleinen Vorlesung bittet Weiss zur Testfahrt in einem Prototypen, der das Potenzial dieser Technik kaum eindrucksvoller demonstrieren könnte: Ausgerechnet in einen RS5 hat er den ersten V6-TDI mit e-Lader eingebaut und aus dem 3,0 Liter großen Sechszylinder mal eben 385 statt bis dato 313 PS gekitzelt. Weil zudem das maximale Drehmoment auf 750 Nm steigt und der elektrische Lader begleitet von einem feinen Surren tatsächlich ohne jede spürbare Verzögerung anspricht, taxiert Weiss den Sprintwert des Technologieträgers auf um die vier Sekunden.

    Damit ist er nicht nur eine halbe Sekunde schneller als der konventionelle RS5 mit einem V8-Benziner. Der Motor nimmt auch dem 381 PS starken BMW M550d als einzigem Konkurrenten in dieser Liga 0,5 bis 0,7 Sekunden ab. Und sogar der 560 PS starke RS6 Avant, den Weiss als Führungsfahrzeug auf der neuen Kunden-Rennstrecke in Neuburg vor den Toren von Ingolstadt ausgewählt hat, sieht beim Kavalierstart ziemlich alt aus. Auf Dauer kann ihm der Ölrenner zwar nicht davon fahren. Doch auf den ersten Metern hat das Coupé tatsächlich die Nase vorn. Und spätestens an der Tankstelle holt der RS5 TDI alle anderen Sportwagen ohnehin wieder ein. Nicht umsonst beziffert Weiss den Serienverbrauch auf weniger als fünf Liter – die verjubelt der RS6 Avant gefühlt schon beim Anlassen.

    Dabei hat der TDI-Technikträger auch sonst einiges zu bieten: Von 280 km/h Spitze zum Beispiel können die Kilometerfresser auf der linken Spur in ihren Diesel-Firmenwagen bislang nur träumen. Und der Sound, der sich dabei aus den riesigen Endrohren über den nachfolgenden Verkehr wie eine Flutwelle ergießt, macht jeden R8-Fahrer neidisch: Denn weil die vielen Katalysatoren im Abgasstrang des EU6-Motors ohnehin den meisten Schall schlucken, hat Weiss’ Mannschaft gleich eine eigene Klangkulisse komponiert und den Technologieträger zum Hardrocker unter den PS-Tenören gemacht: So tief und bedrohlich klingt kein anderer Diesel.

    Alles nur Show? Natürlich sind die Bayern bei diesem Prototypen in ihrer Feierlaune zum TDI-Jubiläum ein bisschen über das Ziel hinaus geschossen und haben etwas dick aufgetragen. Doch deshalb meinen sie es nicht minder ernst mit dem elektrischen Lader. „Diese Technik hat beste Chancen auf eine Serienanwendung“, ist Weiss optimistisch. Vielleicht nicht mehr im aktuellen RS5, weil der mit dem bevorstehenden Generationswechsel in der Mittelklasse so langsam auf die Zielgerade rollt. Doch demnächst gibt’s bei Audi ja auch einen neuen Q7, den nächsten A4 und die Neuauflage für den A6, orakelt der Motorenchef: „Das sind doch Autos, denen so ein sportlicher Diesel gut zu Gesicht stehen würde.“

    Benjamin Bessinger/SP-X

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