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    Skurril schön - Oldtimer: Lancia Loraymo

    Mit einem guten halben Jahrhundert Abstand wirkt manches weit weniger erstaunlich. Das gilt unbedingt auch für ein Auto, das der Erfinder der Cola-Flasche kreiert hat.

    Der golden lackierte Italo-Amerikaner sieht aus, als sei er als Zukunftsvision einem Comicheft der Fünfziger Jahre entsp
    Der golden lackierte Italo-Amerikaner sieht aus, als sei er als Zukunftsvision einem Comicheft der Fünfziger Jahre entsprungen

    Im Werk wurde der Loraymo restauriert und so weit wie möglich wieder in den Originalzustand zurück versetzt
    Im Werk wurde der Loraymo restauriert und so weit wie möglich wieder in den Originalzustand zurück versetzt

    Raymond Loewy gilt als Erfinder des Industrie-Designs. Er entwarf die klassische Cola-Flasche aber auch das Logo von Lucky Strike. Mit Autos tat er sich in den fünfziger Jahren ein bisschen schwerer. Sein Loraymo auf Basis des Lancia Flaminia Coupés blieb jedenfalls ein Einzelstück, was nicht zuletzt am etwas schrägen Design gelegen haben mag. Den Italienern, so liest man heute jedenfalls, gefiel gar nicht, was der Amerikaner da aus ihrem Fahrgestell gemacht hat. Heute ergänzt das Coupé den Fuhrpark des Konzern-Museums und wurde anlässlich der Classic Days auf Schloss Dyck wieder einmal ausgeführt. Gelegenheit, sich einem Einzelstück auch fahrend zu widmen.

    Innen bietet das viersitzige Coupé erstaunlich viel Raum auf bequemen Sesseln
    Innen bietet das viersitzige Coupé erstaunlich viel Raum auf bequemen Sesseln

    Der golden lackierte Italo-Amerikaner sieht aus, als sei er als Zukunftsvision einem Comicheft der Fünfziger Jahre entsprungen. Die Schnauze mit dem verchromten Grill reckt sich extrem weit nach vorn, die Scheinwerfer im Kotflügel bedecken kaum die Vorderräder und die kleinen Zusatzscheinwerfer davor sitzen auf Miniflügeln, sehr spacig. Das zierliche Dach findet seinen Abschluss in einem kleinen Dachkantenspoiler, der wie die ganz blanken Radkappen den Luftwiderstand senken und lautere Verwirbelungen verhindern soll. Das Heck wirkt dagegen harmonisch. Es wird dominiert von einer großen gewölbten Heckscheibe. Der Zugang zum Kofferraum erfolgt von innen, so wie man es auch von manch anderem amerikanischen Sportwagen kennt.

    Über den Lancia-Fanclub in den USA gelangte das heruntergerittene Auto  in den späten Siebzigerjahren zurück zu Lancia n
    Über den Lancia-Fanclub in den USA gelangte das heruntergerittene Auto in den späten Siebzigerjahren zurück zu Lancia nach Italien

    Innen bietet das viersitzige Coupé erstaunlich viel Raum auf bequemen Sesseln, die mit feinem hellem Leder bezogen sind. Kopfstützen sucht man, wie auch Gurte, vergeblich. Dafür hat Loewy zwei Becherhalter vor dem Schalthebel platziert, sicheres Indiz, dass dieses Auto zum Reisen und nicht zum Rasen gedacht war.

    Kopfstützen sucht man, wie auch Gurte, vergeblich
    Kopfstützen sucht man, wie auch Gurte, vergeblich

    Dazu passt die weiche Federung des Flaminia-Fahrgestells. Tatsächlich diente der Prototyp damals wohl eine Weile als Privatauto des Designers, wurde später verkauft, mit einem amerikanischen V8- statt des originalen italienischen V6-Motors versehen und irgendwann stillgelegt. Über den Lancia-Fanclub in den USA gelangte das heruntergerittene Auto dann in den späten Siebzigerjahren zurück zu Lancia nach Italien. Im Werk wurde der Loraymo restauriert und so weit wie möglich wieder in den Originalzustand zurück versetzt. Der V8 wich dem 2,5-Liter Sechszylinder, der auch heute noch seine Dienste in dem Einzelstück verrichtet. Das 120 PS-Aggregat - ursprünglich waren es dank Weber-Doppelvergasern wohl sogar 150 PS - springt sofort an, nachdem man den Zündschlüssel erst dreht und dann drückt.

    Vor dem Schalthelbel finden sich nach US-Manier zwei Becherhalter
    Vor dem Schalthelbel finden sich nach US-Manier zwei Becherhalter

    Das Viergang-Getriebe ist zu Beginn etwas hakelig, was sich aber nach den ersten Kilometern bessert, wenn das Öl auf Temperatur ist. Dass der zweite Gang nur mit Zwischengas hineinflutscht, gehört zur Patina eines Autos. Es mussten nicht alle Gänge synchronisiert sein. Der Wechsel zwischen der dritten und vierten Fahrstufe gelingt dafür so geschmeidig wie auch heute noch üblich. Der Motor dreht erstaunlich flott und unaufgeregt hoch. Die kurze Gerade des Kurses rund um Schloss Dyck genügt jedenfalls, um den dritten Gang auszudrehen. Das geschieht unter akustischer Zurückhaltung. Keine Spur bollernde Sportlichkeit, der als Ami verkleidete Lancia wahrt die Contenance und gibt sich als Reise-Coupé, ganz wie er eben damals gedacht war. Rund 200 km/h soll der Loraymo in seiner Jugend geschafft haben. Mehr als 120 km/h muten wir ihm, schön der Kürze der Geraden wegen, nicht zu. Die Hälfte davon reicht aus, um das Fahrzeug zu genießen und dabei noch Zeit zu haben, den vielen Zuschauern freundlich zuzuwinken.

    Das zierliche Dach findet seinen Abschluss in einem kleinen Dachkantenspoiler
    Das zierliche Dach findet seinen Abschluss in einem kleinen Dachkantenspoiler

    Mit seinem amerikanisch-verspielten Design hat der Loraymo 1960, als er auf dem Pariser Salon gezeigt wurde, Lancia-Fans eher erschreckt. Heute wirkt er auf fast schon skurrile Art schön und ist zugleich rollendes Denkmal einer Marke, die ihrerseits keinen Platz mehr fand im Segmente-Wirrwarr heutiger Modelle.

    Die Schnauze mit dem verchromten Grill reckt sich extrem weit nach vorn
    Die Schnauze mit dem verchromten Grill reckt sich extrem weit nach vorn
    Günter Weigel/SP-X

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