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  • Immer die Polizei rufen? - Leser fragen – Experten antworten

    Nach einem Unfall muss immer die Polizei gerufen werden? Das stimmt nicht. Für Kleinigkeiten braucht es keine Polizisten.

    Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigen-Organisation KÜS
    Hans-Georg Marmit, Kraftfahrzeugexperte der Sachverständigen-Organisation KÜS

    Frage: Neulich stand ich auf einer vielbefahrenen Straße in der Stadt im Stau, weil sich beim Einfädeln zwei Autos touchiert hatten. Ganz offensichtlich handelte es sich nur um Blechschaden, trotzdem warteten die Parteien auf die Polizei und versperrten die Straße. Das muss doch nicht sein, oder?

     

    Antwort von Hans-Georg Marmit, Kfz-Experte der Sachverständigen-Organisation KÜS: Beim Ausparken, Rangieren oder im Stop-and-Go-Verkehr kommt es schnell zu Kollisionen mit Kratzern, Beulen oder kaputten Scheinwerfern, da genügt nur ein Moment Unaufmerksamkeit. Grundsätzlich rückt die Polizei auch zu einem so genannten Bagatellunfall aus, man sollte sich aber auf eine längere Wartezeit einstellen – Sie haben geschildert, was dann passieren kann.

     

    Was viele Autofahrer nicht wissen: In diesen Bagatell-Fällen verlangt die Kfz-Versicherung keine polizeiliche Unfallaufnahme, um den Schaden zu regulieren. Man muss also nicht immer die Polizei rufen, sondern kann Unfälle mit geringfügigen Sachschäden auch selbst dokumentieren.

     

    Dabei fertigt man ein Protokoll an, das die gleichen Informationen beinhaltet wie eine Sachverhaltsfeststellung der Polizei. Als Anhaltspunkt, was notiert werden muss, kann zum Beispiel der Europäische Unfallbericht dienen. Man bekommt ihn bei der Versicherung und sollte ihn im Auto deponieren.

    Festgehalten werden sollten unter anderem die amtlichen Kennzeichen der am Unfall beteiligten Fahrzeuge sowie Namen und Adresse der Fahrer – lassen Sie sich die Ausweispapiere zeigen. Dokumentiert werden außerdem Ort und Zeit des Unfalls, die Umstände und die Schäden am Auto, soweit man sie erkennen kann. Eine Unfallskizze veranschaulicht den Hergang. Fotos aus verschiedenen Blickwinkeln sind außerdem sinnvoll. Gibt es Zeugen, notiert man Namen und Adressen. Zum Schluss unterschreiben beide Unfallbeteiligten das Protokoll. Ein neutrales Unfallprotokoll gilt nicht als Schuldanerkenntnis, denn das sollte man auf keinen Fall unterschreiben.

     

    Es gibt aber auch Fälle, bei denen man in jedem Fall die Polizei rufen sollte: Wenn Menschen verletzt wurden oder der Unfallhergang strittig ist zum Beispiel. Und auch, wenn man den Eindruck hat, dass der Crash vorgetäuscht wurde oder dass der Unfallgegner getrunken oder Drogen genommen hat, ist es besser, die Beamten zu Rate zu ziehen.

     

     

     

    Hanne Schweitzer/SP-X

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