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    Härtetest am Ende der Welt - Erlkönige müssen durch Eis und Hitze

    Chengdu/Delhi (dpa/tmn) - Arbeiten an Orten, die andere nicht einmal im Urlaub sehen: Damit neue Autos auch unter widrigsten Umständen funktionieren, sind Fahrzeugentwickler mit Prototypen rund um den Globus unterwegs - und durchstreifen dabei auch unwirtlichste Gegenden.

    Range Rover in der Moab-Wüste in Utah
    Über Stock und Stein in Utah: Der neue Range Rover musste sich unter anderem in der Moab-Wüste bewähren - als Bedingung für die Produktionsfreigabe.
    Foto: Land Rover - DPA

    Wenn die VW-Entwickler mit ihren Prototypen durch China fahren, hat das mit Urlaub wenig zu tun. Das Essen gibt es nur eingeschweißt, und sie gehen lieber in die Büsche als auf die Toilette. Zur Sicherheit fährt immer ein Krankenwagen in der Nachhut mit. «Das ist manchmal schon ein echtes Abenteuer», sagt Jörg Rohrbeck, der die Fahrten organisiert und heute mit einem Tross von fünf getarnten Prototypen, sogenannten Erlkönigen, nahe der Provinzhauptstadt Chengdu unterwegs ist.

    BMW-Prototypen in Alaska
    Eiskalt getestet: Diese BMW-Prototypen sind für Probefahrten bis nach Alaska verfrachtet worden.
    Foto: BMW - DPA

    Einen Tag lang kreuzen die Fahrzeuge über Landstraßen, die statt Asphalt nur knietiefe Schlaglöcher haben, und nagelneue Autobahnen. Sie stauen sich auf achtspurigen Ausfallstraßen, rasen flott über Gebirgspässe und zuckeln im Stop-and-Go-Verkehr durch Dörfer, in denen vor hundert Jahren die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

    VW-Prototypen in China
    Diese VW-Prototypen sind in der chinesischen Provinzhauptstadt Chengdu unterwegs.
    Foto: Volkswagen - DPA

    Doch die Ingenieure nehmen die Strapazen für Mensch und Material mit einem Lächeln. Denn deshalb sind sie hier. «Man muss die Autos dort erproben, wo man sie später auch verkaufen will», sagt VW-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, der für solche Testfahrten regelmäßig selbst um den Globus fliegt. «Denn nur im chinesischen Verkehrsgeschehen merkt man, ob die Chinesen mit einem Auto zufrieden sein werden. Und in Amerika oder Japan ist das nicht anders. Daheim in Wolfsburg lässt sich das nicht simulieren», sagt der VW-Techniker.

    Mercedes schickt seine Erlkönige in die Wüste
    Mercedes schickt seine Erlkönige - hier ein SL-Prototyp - unter anderem in die Wüste, bevor sie auf den Markt kommen.
    Foto: Daimler - DPA

    Während Hackenberg über Sinn und Zweck solcher Abenteuertouren philosophiert, streicht sein Blick ständig über die Karosseriefugen. Er fühlt tief in die Sitze hinein, schaut nach den Spaltmaßen, drückt und wackelt an Zierteilen und wechselt die Gänge, um das Getriebe zu prüfen. Nur wenn auch auf den schlechtesten Straßen nichts klappert, sei er zufrieden. Nur dann erteilt er die Produktionsfreigabe.

    Weil die Globalisierung weiter fortschreitet und die Kunden in China, Indien oder Südamerika für die Hersteller immer wichtiger werden, hat in den Unternehmen längst ein globaler Testwagen-Tourismus eingesetzt: Die Wüsten von Namibia, die Gebirge im US-Staat Utah, die Pässe im Himalaya, die Schwüle von Dubai, das Eis in Alaska oder der Stau in Tokio - überall sind die getarnten Prototypen unterwegs, sagt Pip Archer. Er leitet die Erprobung bei Land Rover und hat seinen Aktionsradius in den letzten Jahren deutlich erweitert. Der neue Range Rover zum Beispiel, der Anfang nächsten Jahres in den Handel kommt, war in 20 Ländern unterwegs und hat dabei viele Millionen Kilometer abgespult.

    Auf dem Reiseplan für Archers Prototypen stehen neuerdings auch Indien und China. Der Monsun stelle mit dem starken Dauerregen und dem stickigen Klima so hohe Anforderungen an die Fahrzeuge, dass man sie besser unter den Originalbedingungen erprobe, begründet der Brite die Ausflüge auf den Subkontinent. Und seit Land Rover auch in China verkauft würden und dort durch den Himalaya führen, müsste man die volle Funktionstauglichkeit selbst auf Höhen von über 4000 Metern sicherstellen: «Da wird die Luft so dünn, dass manche Motoren an ihre Grenzen kommen.» Deshalb stürmen neue Autos bei den Briten jetzt erst einmal über die höchsten Passstraßen, bevor es alltäglicher wird.

    Die BMW-Entwickler am Außenposten der Bayern im kalifornischen Oxnard frieren schon beim Gedanken an ihre nächsten Touren. Eine Stunde nördlich von Los Angeles ist es noch mollig warm, und nach Feierabend lockt der Pazifikstrand. Aber in ein paar Monaten starten die Ingenieure wieder zur Wintererprobung nach Alaska, so Standortleiter Werner Lehner. Bei Temperaturen weit unter minus 30 Grad messen sie die Abgaswerte, testen den Kaltstart, prüfen die Klimaanlage auf Herz und Nieren - und frieren, bis die Zähne klappern.

    Natürlich kommen die Testfahrer bei solchen Extremerprobungen weit herum in der Welt und sehen Orte, die viele nicht einmal im Urlaub entdecken. Doch selbst wenn zum Beispiel die Einheimischen die Gegend um Chengdu als die Toskana Chinas feiern, hat das wochenlang im Nebel verhangene Gebirge für die Ingenieure aus dem Westen nur einen bescheidenen Reiz. Für Besichtigungen ist auf diesen Reisen ohnehin keine Zeit. Und als einziges Souvenir bleibt oft nur ein Schnupfen, sagt ein Tester von Opel, der mal wieder zwischen dem Eis in Schweden und der Gluthitze in Spanien pendelt.

    Testfahrten im Simulator

    Immer häufiger findet die Erprobung neuer Autos vor der Serienproduktion im Simulator statt. «Wind- und Klimakanäle erzeugen auf Knopfdruck jedes Wetter der Welt», erläutert Mercedes-Sprecher Norbert Giesen in Stuttgart. Und man kann auf dem Prüfstand mit neuer Software auch die Szenerie bestimmen. Möglich sind zum Beispiel virtuelle Abbilder des Nürburgrings in der Eifel, Eispisten in Schweden, Passstraßen in den Alpen oder der Stadtverkehr Tokios. Das spare nicht nur Zeit und Reisekosten, sagt Giesen, sondern diene auch der Geheimhaltung der Prototypen: Anders als im Death Valley oder in Dubai sind die Entwickler auf dem Werksgelände unter sich.

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