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    Cool, korrekt und sehr dynamisch - Fahrbericht: BMW C Evolution

    Immer mehr Fahrzeuge stehen unter Strom. Den ersten Elektro-Großroller bringt jetzt BMW auf den Markt. Ab 5. Mai gibt es den C Evolution für stolze 15.000 Euro. Kann ein solcher Preis überhaupt gerechtfertigt sein?

    BMW C Evolution
    BMW C Evolution

    Den ersten Elektro-Großroller bringt jetzt BMW auf den Markt.
    Den ersten Elektro-Großroller bringt jetzt BMW auf den Markt.

    Normalerweise hört man sie von hinten kommen, wenn sie sich durch endlose Autokolonnen schlängeln – jene Roller-Armada, die in Metropolen wie Barcelona einfach schneller vorankommen als jeder hochgezüchtete Sportwagen. Ganz anders der Leisetreter BMW C Evolution: Er bahnt sich fast lautlos seinen Weg durch die City-Staus. Rein elektrisch macht er das rund 100 Kilometer weit dank drei Batterie-Modulen aus dem Elektroauto BMW i3. Vier Fahrmodi lassen den Strom-Piloten die Wahl zwischen maximaler Reichweite oder atemberaubender Performance – zum atemberaubenden Preis von 15.000 Euro.

     Ab 5. Mai gibt es den C Evolution für stolze 15.000 Euro.
    Ab 5. Mai gibt es den C Evolution für stolze 15.000 Euro.

    Mit viel Schubkraft und wenig Sound ist der C Evolution ein dynamischer Blickfang im Großstadtverkehr, wenn er unglaublich antrittsstark und kaum hörbar jeden Ampelstart gewinnt. 35 kW oder 48 PS Leistung klingen schon recht stolz für einen Roller. Aber es sind vor allem die 72 Nm Drehmoment, die den Elektro-Scooter katapultartig lossprinten lassen. Wahre Dynamiksprünge macht das 265-Kilo-Gefährt aus dem Stand schon nach dem kleinsten Dreh am Handgriff. Dann schnellt er zum Erstaunen daneben beschleunigender Normal-Biker in 2,7 Sekunden auf 50 und in 6,2 Sekunden auf 100 km/h. Auch in Fahrt legt der C Evolution auf Wunsch noch eine Schippe drauf in seinem schweigsamen Vorwärtsdrang. Erst zwischen 100 km/h und dem Spitzentempo von 120 km/h verflacht die Impulsität ein wenig.

    Mit viel Schubkraft und wenig Sound ist der C Evolution ein dynamischer Blickfang im Großstadtverkehr, wenn er unglaubli
    Mit viel Schubkraft und wenig Sound ist der C Evolution ein dynamischer Blickfang im Großstadtverkehr, wenn er unglaublich antrittsstark und kaum hörbar jeden Ampelstart gewinnt.

    „Urban Mobility" heißt die BMW-Sparte, die der neue C Evolution gemeinsam mit den Benzin-Rollern C 600 Sport und 650 GT bildet. Der Reiz, ihn zu fahren, geht aber deutlich übers städtische Stammrevier hinaus. Mit seinem niedrigen Schwerpunkt dank tief platzierter Batteriemodule wuselt der Strom-Scooter wieselflink auch über die Landstraße und glänzt beim Überholen mit seiner Spritzigkeit. Der Windschutz ist gut bis Topspeed 120 km/h. Die hat BMW per Abregelung verordnet, da sonst der Stromverbrauch rapide ansteigen würde.

    In "electric green" sticht beim BMW C Evolution die Fahrzeugmitte hervor.
    In "electric green" sticht beim BMW C Evolution die Fahrzeugmitte hervor.

    Doch zurück zum Stadtverkehr, in dem der BMW C Evolution emissionsfrei und leise um die Ecken wetzt oder sich durch Staus schlängelt. Dabei bremsen den Piloten lediglich die ausladenden Außenspiegel etwas ein, die dafür aber sehr gute Sicht nach hinten bieten. Bremsen sowohl am linken und rechten Hebel als auch durch Gaswegnehmen bringt verbrauchte Energie wieder zurück, denn beim sogenannten Rekuperieren fungiert der Elektromotor als Generator und lädt die Akkus wieder auf. Trotz der Batteriemodule, die es zu integrieren galt: Die Optik stimmt beim C Evolution, wenngleich das Design des dreifarbigen Elektrorollers nicht ganz so eigenständig wirkt, wie BMW das ursprünglich vorhatte. Nur die Fahrzeugmitte sticht in schrillem „electric green" unverwechselbar hervor.

    Unten rechts zeigt das Display die Restreichweite beim BMW C Evolution an.
    Unten rechts zeigt das Display die Restreichweite beim BMW C Evolution an.

    8 kWh liefern drei von acht Batteriemodulen des BMW i3. 6,3 davon werden genutzt, denn der Lebensdauer zuliebe ist ein komplettes Entladen nicht möglich. Aber selbst das genügt tatsächlich für rund 100 Kilometer Reichweite. Reizt man den besonders sparsamen „Eco Pro"-Modus mit weniger Tempo und Beschleunigung aus, dürften bis zu 140 Kilometer drin sein. Wir kamen in Barcelona mit häufigen Beschleunigungsorgien auf 7,4 kWh Verbrauch, was immer noch für flotte 85 Kilometer reichen würde. Wieder voll sind die Akkus nach vier Stunden Ladezeit an Haushaltssteckdosen.

    Sogar ein Rückwärtsgang ist an Bord, um den stattlichen Roller in Schritttempo etwa aus Parklücken heraus zu rangieren. Auch großgewachsene Fahrer bringen ihre Beine gut unter, obwohl die 78 Zentimeter Sitzhöhe auch für kleinere Piloten geeignet sind. Die Füße lassen sich auf Trittbrettern entweder entspannt vorne oder fahraktiv weiter hinten platzieren. Der C Evolution soll vor allem im Großstadtverkehr eine Alternative sein, um nicht im Stau stehen zu müssen.

    Wer sich von 15.000 Euro abgeschreckt fühlt, sollte nachrechnen: Im Vergleich zu einem ähnlich starken Benziner-Großroller spart der Strombayer alle 100 Kilometer etwa sechs Euro Energiekosten für den Antrieb. Damit holt er alle 10.000 Kilometer immerhin 600 Euro wieder herein. Da die Nennleistung des C Evolution nur 11 kW/15 PS beträgt, reicht für ihn die Führerscheinklasse A1 bzw. die alte Klasse 3, wenn man sie vor dem 1. April 1980 erworben hat. Das könnte die Elektrisierung breiterer Massen erleichtern. Ein gutes Argument für BMWs neue urbane Mobilität. Die Lithium-Ionen-Akkus sollen rund 1.500 Ladezyklen überstehen – das wären beim C Evolution bis zu 150.000 km und eine stattliche Roller-Lebensdauer.

    In Fahrt stört am flotten Strom-Dynamiker nur ein wenig das Fahrgeräusch bis 40 km/h. Dann klingt er sowohl beim Beschleunigen als auch beim Verzögern wie eine Micro-Trambahn. Über 35 km/h geht das eigenwillige Geräusch jedoch im Fahrtwind unter. Trotzdem: Das Stromern mit dem C Evolution macht richtig Laune. Und nach außen wirkt es cool und korrekt. Vor allem aber: Trotz guter Reichweite ist der Elektroroller von BMW ein echter Dynamiker und zieht im Extremfall seinem Piloten regelrecht die Arme lang. Es wäre keine Überraschung, wenn BMW die zunächst vorsichtige Produktion von zehn Stück pro Tag für ganz Europa schon bald steigern müsste.

    BMW C Evolution – Technische Daten:

    Motor: Flüssigkeitsgekühlter Permanent-Synchronmotor, Nennleistung 11 kW/15 PS, Spitzenleistung 35 kW/48 PS, maximales Drehmoment 72 Nm, Hohlradgetriebe, Elektroantrieb über Triebsatzschwinge, vier anwählbare Fahrmodi „Road“, Eco Pro“, „Sail“ und „Dynamic“

    Fahrwerk: Tragendes Batteriegehäuse aus Aluminium-Druckguss, angeschraubter Lenkkopfträger und Heckrahmen aus Stahlrohr; vorn Upside-down-Teleskopgabel mit 40 mm Durchmesser, hinten Einarmschwinge mit direkt angelenktem Federbein, Federbasis manuell in sieben Stufen einstellbar; vorn hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse, hinten hydraulisch betätigte Einscheibenbremse, jeweils 270 mm und Doppelkolben-Schwimmsattel, BMW Motorrad-ABS serienmäßig

    Maße und Gewichte: Gesamtlänge 2,19 Meter, Sitzhöhe 0,78 Meter, Leergewicht (fahrfertig) 265 kg, Hochvolt-Batterie mit 8 kWh Kapazität

    Fahrleistungen: 0-50 km/h: 2,7 s, 0-100 km/h: 6,2 s, Höchstgeschwindigkeit (abgeregelt): 120 km/h, Reichweite im städtischen Praxisbetrieb ca. 100 km

    Preis: 15.000 Euro

    Kurzcharakteristik:



    Alternative zu: Großrollern wie Aprilia SRV 850, BMW C 600/650, Kymco Myroad 700i ABS, Suzuki 650 Burgman 
oder Yamaha TMAX 530

    Passt zu: Rollerfahrern mit grünem Daumen

    Sieht gut aus: Beim lautlosen, katapultartigen Ampelstart

    Ralf Schütze/SP-X

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