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    Ob niedlich oder nüchtern – Ärger machen beide - Gebrauchtwagen-Check: Renault Twingo I und II

    Fahranfänger und andere Autokäufer mit kleinem Budget lieben ihn seit fast zwei Jahrzehnten: den Renault Twingo. Lange und glückliche Beziehungen sind aber eher selten.

    Der erste Twingo war niedlich - aber nicht sehr zuverlässig
    Der erste Twingo war niedlich - aber nicht sehr zuverlässig

    Der Twingo ist immer ein Dreitürer
    Der Twingo ist immer ein Dreitürer

    In der ersten Generation noch Liebling der Frauen wurde der Renault Twingo bei der Neuauflage ein Kleinstwagen unter vielen. Heute sind beide Generationen auf dem Gebrauchtwagenmarkt günstig zu haben und entsprechend beliebt. Interessenten sollten sich einen Kauf aber genau überlegen, denn die Technik ist nicht immer zuverlässig.

    Hinter dem Lenkrad gibt es nur die Warnleuchten
    Hinter dem Lenkrad gibt es nur die Warnleuchten

    Karosserie und Innenraum: Als charmant-simpler Stadtflitzer mit treuem Scheinwerferblick kam der erste Twingo 1993 auf den Markt und avancierte schnell zum Renner. Die zweite Generation (2007 bis 2014) warf überraschenderweise jede Niedlichkeit über Bord und erreichte nie den Kultstatus ihres Vorgängers, auch wenn ihr Renault zum Facelift 2012 ein etwas charaktervolleres Vier-Augen-Gesicht verpasste. Beim Innenraum kann der Verzicht auf Design-Exzentrik jedoch auch als Vorteil gewertet werden: Generation zwei ist farbenfroh, aber vergleichsweise konventionell und demzufolge praktisch eingerichtet, auch wenn der Digitaltacho weiterhin auf der Mitte des Armaturenbretts montiert ist. Bei der Erstauflage irritiert das noch sehr stark, weil die Anzeige klein ausfällt und schlecht ablesbar ist. Beiden Twingos gemein sind die kurzen, knackigen, sehr innenstadttauglichen Abmessungen. Dazu gibt es zwei Türen und eine große Heckklappe, hinter der ein kleiner Kofferraum liegt. Auch das Platzangebot im Fond ist in beiden Fällen beschränkt, vorne sitzt man hingegen durchaus ordentlich. Neben den beiden Dreitürern gab es zwischen 2010 und 2013 auch noch den technisch eng verwandten Renault Wind, ein skurriles Blechdach-Cabrio auf Twingo-Basis.

    Als charmant-simpler Stadtflitzer mit treuem Scheinwerferblick kam der erste Twingo 1993 auf den Markt und avancierte sc
    Als charmant-simpler Stadtflitzer mit treuem Scheinwerferblick kam der erste Twingo 1993 auf den Markt und avancierte schnell zum Renner

    Motoren und Antrieb: Kleine Vierzylinderbenziner sind der Standardantrieb des Twingo. Beim ersten Modell reichte das Angebot vom 40 kW/55 PS starken Zweiventiler bis zum Vierventiler mit 55 kW/75 PS. Für Nummer zwei wurden die Triebwerke modifiziert und durch starke Turboversionen mit bis zu 98 kW/133 PS ergänzt. Die sind für den wenig fahraktiven Kleinwagen eher zu viel des Guten, von den müden Einstiegsmotoren sollte man ebenfalls lieber die Finger lassen. Beste Wahl dürfte jeweils der Twingo 1.2 16V mit 55 kW/75 PS sein. Kaum eine Rolle spielt hingegen der für Generation zwei aufgelegte 1,5-Liter-Diesel mit bis zu 63 kW/86 PS, der für kostensensible Flottenchefs von Pflege- oder Lieferdiensten mit aufgelegt wurde. Als Getriebe sind die manuellen Schaltungen erste Wahl, die bei einigen Motorversionen alternativ angebotenen automatisierten Getriebe nerven durch Zugkraftunterbrechung, die ebenfalls optionale Dreistufenautomatik (Twingo I) treibt den Verbrauch unnötig hoch.

    Das Twingo-Cockpit hat ein ungewöhnliches Layout
    Das Twingo-Cockpit hat ein ungewöhnliches Layout

    Ausstattung und Sicherheit: Der Twingo sollte ein günstiges Auto werden, entsprechend sparsam ist er ausgestattet. Bei Generation eins fehlte es anfangs an nahezu jedem Sicherheits-Feature. 1994 kam dann zumindest ein Fahrerairbag, 1995 gab es ABS gegen Aufpreis, der Schleuderschutz ESP war nie zu haben. Besser sieht es bei Auflage zwei aus, wo ABS und mindestens zwei Airbags Standard sind. ESP war zumindest immer bestellbar. Auch abgesehen davon geht die Ausstattung durchaus in Ordnung, schon die Basisversion bietet Servolenkung, Zentralverriegelung und die umlegbare Rückbank. War sie beim ersten Twingo immer verschiebbar, kostet diese Funktion bei Nummer zwei Aufpreis. Das beliebte Stoff-Schiebedach hingegen schaffte zunächst nicht mehr in die Neuauflage, wurde 2011 aber nachgereicht.

    Beim Facelift bekam der Twingo ein neues Gesicht
    Beim Facelift bekam der Twingo ein neues Gesicht

    Qualität: Außen hui, innen pfui könnte das Motto beim ersten Twingo heißen. Der süße Kleine machte schon in jungen Jahren viel Ärger, angefangen bei durchgebrannten Zylinderkopfdichtungen, nicht aufzuhören bei verrosteten Vorderachsträgern. Wer sich das Ur-Modell kauft, sollte entweder ganz günstig zuschlagen und selbst schrauben können oder ein komplett durchrepariertes Fahrzeug mit frischer HU wählen. Nummer zwei macht es laut TÜV-Report nur wenig besser: Selbst jüngere Modelle fallen viel zu häufig durch die Prüfung. Schwachstellen sind vor allem die Achsaufhängung und die Bremse. Bei der ersten HU ist die Mängelquote fünfmal höher als der Schnitt.

    Der zweite Twingo war nüchterner gestaltet
    Der zweite Twingo war nüchterner gestaltet

    Fazit: Billig hat seinen Preis – ein Twingo kann seinem Besitzer viel Ärger machen. Wirklich zu empfehlen ist der Kauf des kleinen Franzosen nicht. Generation eins mag aufgrund seines Charmes noch als superbilliger Zweitwagen (ab 300 Euro) für den anspruchslosen Stadtverkehr taugen. Generation zwei hat aber im Wettbewerb mit anderen Gebrauchten ähnlicher Preisklasse (ab zirka 2.400 Euro) kaum echte Kaufargumente parat.

    Holger Holzer/SP-X

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