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    ValkenburgMartin wieder Weltmeister im Einzelzeitfahren

    Die Eltern, die Oma und der Bruder jubelten am Ort des Triumphes mit: Radprofi Tony Martin feierte ein goldenes Finale einer schmerzvoll gestarteten Saison und verteidigte seinen WM-Titel im Zeitfahren.

    Weltmeister
    Tony Martin feiert bei der Siegerehrung in Valkenburg die Verteidigung seines Titels.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Zielstrebig
    Tony Martin hält auf der 46,3 Kilometer langen Strecke von Heerlen nach Valkenburg seinen Rhythmus.
    Foto: Bas Czerwinski - DPA

    Seine zweite Goldmedaille nach dem Auftaktsieg im Teamzeitfahren versöhnte den 27-Jährigen doch noch mit dem Jahr 2012, das mit viel gesundheitlichem Pech und sportlichen Rückschlägen begonnen hatte. Im Ziel auf dem Cauberg in Valkenburg hatte er nur 5,37 Sekunden Vorsprung vor US-Profi Taylor Phinney. Bronze holte der Weißrusse Wassil Kirjienka.

    Zielgerade
    Mit heraushängender Zunge fährt Tony Martin unter dem Jubel der Zuschauer auf die Ziellinie zu.
    Foto: Marius Becker - DPA

    «Am Ende war ich tot. Das war das härteste Zeitfahren meiner Karriere», sagte Martin nach seinem Husarenritt über 46,3 Kilometer. «Das war ein ganz hartes Stechen», meinte auch Teamchef Jan Schaffrath, der im Begleitwagen saß und am Ende fast noch um den Sieg bangen musste. Doch Martin stand endlich wieder das Glück zur Seite. «Nach all dem Pech gab es nur einen Weg, die Saison zu retten: das war der Titel», sagte der Wahlschweizer.

    Titelverteidigung
    Mit den Fingern zeigt Tony Martin voller Freude seinen zweiten Weltmeistertitel an.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Nach der Zieldurchfahrt legte sich Martin der Länge nach auf den Asphalt und streckte alle Viere von sich. Erst danach begann seine umfangreiche Gratulationscour etwas wacklig. «Ich hatte heute nicht die besten Beine. Ich hätte nicht gedacht, dass es gegen Tylor noch so knapp werden würde», erklärte Martin.

    Top 30
    Patrick Gretsch wird beim Einzelzeitfahren Siebenundzwanzigster.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Das Happy End einer komplizierten Saison machten den gebürtigen Cottbuser glücklich: «Diese Woche war eine der schönsten meiner Karriere. Die Öffentlichkeit hat gedacht, ich muss mir den Titel nur noch abholen, weil Wiggins und Cancellara fehlten. Aber das war ein verdammt hartes Stück Arbeit», meinte der Weltmeister.

    Siegerehrung
    Auf dem Podest: Der Zweite Taylor Phinney (l-r), Sieger Tony Martin und der Dritte Wassil Kirjienka.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Martin war vor allem im mittleren Teil der Strecke so flott unterwegs, dass er den zwei Minuten vor ihm gestarteten Mitfavoriten Alberto Contador 15,3 Kilometer vor dem Ziel überholte - nur ein paar Dorfbewohner waren Zeuge. Bei der ersten Zwischenzeit hatte der Wahlschweizer noch einen Rückstand auf den ehemaligen Junioren- und U23-Weltmeister Phinney.

    Der Sieger
    Ein breiteres Lächeln ist kaum möglich: Tony Martin genießt den Sieg.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Aber dann drehte Martin auf dem zum Teil noch feuchten Asphalt auf. Er war auf dem besten Weg zu seinem zweiten WM-Gold nach dem siegreichen Auftakt im Teamzeitfahren. «Er ist vorsichtig gestartet, er hat in dieser Saison schon so viel Mist erlebt», sagte Schaffrath.

    Überschätzt
    Alberto Contador beendete das Einzelzeitfahren als Neunter.
    Foto: Marius Becker - DPA

    Bis zum Olympia-Silber in London war Martin, der die Saison bei der Peking-Rundfahrt am 14. Oktober beenden will, vom Pech verfolgt. Im April übersah eine Autofahrerin die Vorfahrt und beförderte Martin ins Krankenhaus. Schwere Gesichtsverletzungen sorgten für eine Zwangspause. Die Tour de France sollte zur großen Wiedergutmachung dienen. Aber beim ersten Saisonhöhepunkt vor London machte im Prolog erst ein zerschnittener Reifen alle Hoffnungen auf Gelb zunichte.

    Dann stürzte er schwer und brach sich das Kahnbein der linken Hand. Ohne Operation nur mit einer stabilisierenden Spezialschiene überstand Martin die nächsten Wochen und bereitete sich stark gehandicapt auf die Spiele vor. Im Winter steht ihm vielleicht noch eine Operation bevor.

    Obwohl beim Kampf gegen die Uhr in der Region Limburg einige Protagonisten fehlten, hatte der Sieg für Martin keinen geringeren Wert als im Vorjahr. «Ich bin unheimlich stolz darauf», sagte der Zeitfahr-Spezialist, der sich aber nicht für die Niederlage in London revanchieren konnte. Denn in Valkenburg fehlte neben Olympia- und Toursieger Bradley Wiggins und dessen Kronprinz Christopher Froome (beide Großbritannien) vor allem der vierfache Titelträger Fabian Cancellara aus der Schweiz, der im Londoner Straßenrennen schwer gestürzt war.

    Der überschätzte Vuelta-Sieger Contador, der erst im August aus einer Dopingsperre zurückgekehrt war, landete nur auf Rang neun.

    Radsport
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