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    Olonne-Sur-MerHassduell im «Urlaub»: Greipel fordert Cavendish

    Jahrelang hat André Greipel auf seinen ersten Start bei der Tour de France hingefiebert. Vor allem diesen Montag hat er sehnlichst erwartet. Wenn die Sprint-Spezialisten zum ersten Mal auf den Plan treten, gehört der Hürther zu den Anwärtern auf den Etappensieg.

    Sprintstark
    Sprinter André Greipel will auf den Flachetappen für Furore sorgen.
    Foto: DPA

    Will er sich bei einem Massenspurt in der Bretagne feiern lassen, muss er aber zuallererst an Mark Cavendish vorbei. Den kennt der 28-Jährige nur zu gut, war der Brite doch fünf Jahre lang Teamkollege - und größter Feind. Ausbootungen bei der Tour, Demütigungen und Häme musste Greipel wegen Cavendish ertragen, ehe sein Tour-Märchen wahr wurde. In Redon kann der Omega-Profi nun schon früh für ein Happy End sorgen.

    Ein «Kindheitstraum» habe sich erfüllt, meinte Greipel, der zum ersten Mal zum Starterfeld in Frankreich gehört. «Die Nominierung an sich ist schon Auszeichnung genug. Ein Etappensieg wäre die Krönung.» Dass es so lange dauerte, bis man ihn zur «Großen Schleife» einlud, hatte nicht mit mangelndem Erfolg zu tun. Gemessen an Tagessiegen bei Profirennen konnte dem gebürtigen Rostocker seit Jahren keiner das Wasser reichen. Da im Team HTC aber der 15-malige Etappenchampion Cavendish unumstrittener Platzhirsch und Top-Sprinter bei der Tour war, wurde Greipel dreimal in Folge aus dem Kader gestrichen.

    Und so hat Greipel mit Cavendish noch eine Rechnung offen, zumal sich der großmäulige Radprofi von der Isle of Man immer wieder über den Deutschen lustig machte. Greipel könne nur «beschissene, kleine Rennen gewinnen», höhnte Cavendish etwa 2010. Zuletzt gerieten beide bei der Tour de Suisse verbal aneinander. Greipel warf Cavendish taktische Fehler vor, dieser konterte via Twitter wie üblich wenig charmant: «Der dümmste Kommentar des Jahres geht an Andre Greipel.»

    Auf dem Asphalt begegneten sich die Streithähne in diesem Jahr oft - zu einem Sprint um den Sieg kam es noch nicht. «Es ist noch nicht zu einem direkten Duell gekommen, weil er bisher nicht in die Nähe eines Massensprints kam», stichelte Greipel. Das könnte sich auf der dritten Tour-Etappe ändern. «Jetzt muss er zeigen, dass er die Großen schlagen kann», tönte bereits Cavendish in Richtung Greipel.

    Für Veranstalter und Fans sind derartige Duelle das Salz in der Tour-Suppe - und auch die Konkurrenz wirft ein Auge auf das Duo. «Für uns sind solche persönlichen Animositäten immer interessant», meinte Lampre-Sprinter Danilo Hondo. «Wir schauen uns das sozusagen von außen an und profitieren dann manchmal davon.» Gerald Ciolek vom Team Quick Step hat einen klaren Favoriten: «Wenn Cavendish die Form der letzten Jahre hat, dann kann eh keiner mit ihm mithalten.»

    Greipel legt es dennoch darauf an. Alles, was jetzt kommt, ist für ihn ohnehin Zubrot. Selbst ein kleiner Sturz noch vor dem offiziellen Start verdarb ihm am Samstag nicht die gute Laune. Auf seiner Homepage schwärmt der Familienvater seit Tagen mit lustigen Postkarten vom «ersten Frankreich-Urlaub». «Es ist alles viel größer und schöner, als ich mir vorstellen konnte», meinte Greipel - und da hatte er gerade mal die Team-Präsentation hinter sich.

    Radsport
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