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    KölnKlöckner bei "Hart aber fair" zum Burka-Verbot: Verschleierung ist Ausdruck von Intoleranz

    Geht es bei der Debatte um ein gesetzliches Burka-Verbot wirklich um die Gleichberechtigung der Frau, um unsere offene Gesellschaft? Oder wäre ein Burka-Verbot gar ein Eingriff in unsere gesetzlich definierte Religionsfreiheit? Diese Fragen stellt Moderator Frank Plasberg zu Beginn seiner Streitsendung "Hart aber fair" - und es hätten durchaus 75 Minuten mit Erkenntnisgewinn werden können, wäre die Redaktion nicht dem Versuch erlegen, beim Thema "offene Gesellschaft" sexuelle Spielarten mit ins Spiel zu bringen.

    Moderator Frank Plasberg unterhält sich mit Monika B., die zum Islam konvertiert ist und einen Nikab mit einem Sehschlitz trägt. Die Verschleierung, die der politischen Debatte ihren Namen gab, ist die Burka – ein weites Gewand, bei dem die Augen hinter einem feinmaschigen Gitter versteckt sind.
    Moderator Frank Plasberg unterhält sich mit Monika B., die zum Islam konvertiert ist und einen Nikab mit einem Sehschlitz trägt. Die Verschleierung, die der politischen Debatte ihren Namen gab, ist die Burka – ein weites Gewand, bei dem die Augen hinter einem feinmaschigen Gitter versteckt sind.

    Von unserer Redakteurin Birgit Pielen

    Doch der Reihe nach. Julia Klöckner, rheinland-pfälzische CDU-Chefin und stellvertretende Bundesvorsitzende der Partei, fordert schon länger ein Burka-Verbot. Die Vollverschleierung steht ihrer Ansicht nach für Integrationsverweigerung und ein abwertendes Frauenbild. Ganz anders sieht es Claudia Roth von den Grünen. Sie sagt: "Das Burka-Verbot ist doch bloße Symbolpolitik. Damit wird Stimmung gegen Muslime gemacht." Tatsächlich geht es ihrer Meinung nach um die Frage: Gehört der Islam zu Deutschland oder nicht?

    Die dritte Frau in der Runde ist die Autorin und Muslimin Khola Maryam Hübsch, die einen Hidschab trägt, eine Art Kopftuch. "Der Staat hat nicht zu entscheiden, was der Einzelne anzieht", sagt sie. Und damit ist man beim Kern der Debatte. Ist die Burka nur ein Kleidungsstück oder ist es mehr?

    Für Klöckner ist es eindeutig mehr - der Ausdruck von Intoleranz in einem fundamentalistischen Islam. "Sein Gesicht zu verhüllen, ist keine Frage der Kleidung, das kann man nicht als kulturelle Vielfalt abtun", erklärt sie. Das mag Khola Maryam Hübsch so nicht stehen lassen. Für sie gehört es zur Freiheit und zum Selbstbestimmungsrecht der Frau, selbst entscheiden zu können, was sie anziehen möchte - also auch eine Burka. Und da hätte es wirklich spannend werden können: Entscheiden das die BurkaTrägerinnen wirklich selbst? "Es ist doch erstaunlich, dass Männer keine Burka tragen müssen", stellt Publizist und Rechtsanwalt Michel Friedman nüchtern fest.

    „Wenn wir konsequent denken, müssen wir alles verbieten, was Frauen zum Objekt macht – auch Pornografie und Prostitution.“ Khola Maryam Hübsch, Journalistin und Muslimin
    „Wenn wir konsequent denken, müssen wir alles verbieten, was Frauen zum Objekt macht – auch Pornografie und Prostitution.“ Khola Maryam Hübsch, Journalistin und Muslimin

    Doch bevor das vertieft werden kann, entschließt sich Moderator Plasberg, die Gefühlslagen seiner Gäste abzufragen: Was macht das mit Ihnen, wenn Sie eine vollverschleierte Frauen sehen? "Ich habe Angst", sagt Dirk Schümer, Europa-Korrespondent der "Welt". Später wird er sich eine Wollmütze über den Kopf ziehen und sagen: "Wir können auch alle so hier sitzen, das ist doch nicht schön!" Wer sich verschleiere, signalisiere: "Ich bin für dich sozial nicht erreichbar." Das kann auch die Muslimin Hübsch irgendwie nachvollziehen: "Ich verstehe, dass man Unbehagen empfindet." Aber wenn man ein Burka-Verbot durchsetzen wolle, müsse man konsequent sein und alles verbieten, was Frauen zum Objekt macht - also auch Pornografie und Prostitution.

    Darauf mag nicht wirklich jemand der Diskussionsteilnehmer eingehen, aber Plasberg hat da noch einen Einspieler parat. Das Stichwort ist Toleranz - und ja, das gibt es schon alles bei uns: Schwulen- und Lesbenparaden etwa, eine als Pferd verkleidete Frau, die einen Mann auf einem Karren zieht, weil dieser davon sexuell erregt wird. Was das mit dem Burka-Verbot zu tun hat? Nichts. Eine Debatte dazu bleibt den Zuschauern erspart.

    „Wem unsere Gesellschaft zu offen ist, der ist nicht gezwungen, hierherzukommen.“ Julia Klöckner, stellvertretende Parteivorsitzende der CDU
    „Wem unsere Gesellschaft zu offen ist, der ist nicht gezwungen, hierherzukommen.“ Julia Klöckner, stellvertretende Parteivorsitzende der CDU
    Foto: picture alliance

    Ein weiteres Beispiel aus dem Kuriositätenkabinett gibt es noch am Schluss der Sendung. Die Österreicherin Monika B., die der "Spiegel" schon ausführlich zu Wort kommen ließ, ist zum Islam konvertiert und blickt seit einigen Jahren durch den schmalen Schlitz ihres Schleiers auf die Welt. Freiwillig. Sie liebe ihren Nikab, sagt sie. Ihr muslimischer Mann fände es besser, wenn sie keinen Schleier trage. Weil sie seit einiger Zeit in der Öffentlichkeit immer häufiger angegriffen wird, ist sie inzwischen nur noch Teilzeit-Vollverschleierte. Und überhaupt: Aus islamischer Sicht sei es ihr eine Verpflichtung, den "Nikab hochzunehmen", um den Leuten keine Angst zu machen. Was nun?

    Michel Friedman macht schließlich darauf aufmerksam, dass die meisten Muslime in Deutschland weder Burka tragen noch den Handschlag verweigern, wie es Julia Klöckner bei einem Aufeinandertreffen mit einem Imam geschehen ist. "Wenn man hier zuhört, denkt man, man sei in Saudi-Arabien. Weit verfehlt", sagt Friedman. Kurzum: Seiner Ansicht nach wäre eine Gesetzgebung unverhältnismäßig. "Es gibt wichtigere Themen, was Integrationsgrenzen angeht."

    Auf der Suche nach belastbarem Zahlenmaterial haben sich Plasbergs Mitarbeiter denn auch nach Bonn, Berlin und München zur Schleierfahndung aufgemacht. In Bonn kamen sie tatsächlich mit fünf BurkaTrägerinnen ins Gespräch - es waren Medizintouristinnen aus Katar.

    Kommentar: Das Burka-Verbot ist nur noch eine Frage der Zeit
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