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    Rheinland-PfalzJetzt doch: Doris Ahnen bekommt auf einmal Rückenwind

    Ihr Einstieg in die rot-grüne Legislaturperiode war verpatzt. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) verspürte Gegenwind wie selten zuvor.

    Richtet sich ihr Blick auf höhere Aufgaben? Nach einer Umfrage trauen Doris Ahnen die meisten Rheinland-Pfälzer die Beck-Nachfolge zu.
    Richtet sich ihr Blick auf höhere Aufgaben? Nach einer Umfrage trauen Doris Ahnen die meisten Rheinland-Pfälzer die Beck-Nachfolge zu.
    Foto: picture alliance / dpa

    Rheinland-Pfalz - Ihr Einstieg in die rot-grüne Legislaturperiode war verpatzt. Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) verspürte Gegenwind wie selten zuvor.

    Zu überraschend wurde das ministerielle Stoppschild für Vertretungslehrerverträge aufgestellt. Zu überrollt fühlten sich Lehrerverbände, Schulen und vor allem die Betroffenen. Die Ministerin, die für ihr vorsichtiges Vorgehen bekannt ist, fand sich plötzlich im Zentrum einer bitterbösen Debatte wieder.

    Inzwischen sind die Wogen halbwegs geglättet. Und schon wirft der gestiegene Unterrichtsausfall neue Wellen des Protests auf - vor allem an den Gymnasien. Die Ministerin muss wieder harsche Kritik einstecken. Für Eltern, Lehrer, Verbände und CDU-Opposition sind die fehlenden Mathe-, Physik- und Kunststunden ein Alarmsignal.

    Doch Ahnen weiß sich zu verteidigen: Sie startet eine Transparenzoffensive im Internet, sagt neue Lehrer zu, verweist auf bundesweite Erhebungen zur Bildungspolitik, in denen das Land gut abschneidet. Das jüngste Beispiel ist der Lernatlas der Bertelsmann Stiftung. Bei den Lernbedingungen belegt Rheinland-Pfalz Platz vier. Beim "Bildungsmonitor 2011" erreichte das Land im August Rang fünf im Ländervergleich.

    Ahnen wird bundesweit hoch gehandelt

    Auf dem jüngsten SPD-Bundesparteitag zollten die Genossen der Ministerin viel Anerkennung. Gerade eben hatte die Mainzerin Klaus Wowereit (SPD), dem Regierenden Bürgermeister von Berlin, einen Korb verpasst. Der hätte sie gern als Schulsenatorin eingekauft. Ahnen wird als Bildungspolitikerin hoch gehandelt. Die kleinen Klassen im Land haben Modellcharakter - zumindest für die Fachpolitiker im rot-grünen Lager. Und beim SPD-Bundesparteitag war deutlich zu spüren, dass man Rheinland-Pfalz in vielerlei Hinsicht als programmatisches Zugpferd sieht. Da verwunderte es nicht, dass Ahnen, die auch stellvertretende SPD-Landesvorsitzende ist, das beste Ergebnis bei den Wahlen zum Bundesvorstand erzielte. Die Rheinland-Pfälzerin konnte 445 von 503 gültigen Stimmen auf sich verbuchen.

    Doch gilt die Prophetin auch etwas im eigenen Land? Die CDU arbeitet sich an Ahnen stärker als an vielen anderen Landesministern ab. Manchen ist sie zu sehr der fast schon verbissen-ehrgeizige Typ "Einser-Schülerin". Doch schon allein aufgrund ihres Ressorts wird sie zum roten Tuch für die Schwarzen. Bildungspolitik zählt zu den wenigen landespolitischen Themen, die Emotionen wecken. Da locken politische Erträge. Zudem sind die Lehrerverbände fast so gut organisiert wie die Ärztelobby. Im politischen Schlagabtausch wird schon mal die große Keule geschwungen. Zumal Ahnen für CDU-nahe Kreise ein Feindbild abgibt. Als langjährige Ministerin kennt sie diese Mechanismen. Kämpfen muss sie trotzdem.

    Doch abseits der so kritischen wie motivierten landespolitischen Bildungsszene ist Doris Ahnen beliebt. Der jüngste SWR-"PoliTrend" sieht die gebürtige Triererin auf Platz eins beim Rennen um die Nachfolge von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD). 24 Prozent der Rheinland-Pfälzer trauen ihr das schwere Erbe zu. Der langjährige Wirtschaftsminister und jetzige Fraktionschef Hendrik Hering (SPD) erreicht lediglich 20 Prozent. Der (noch unbekannte) Innenminister Roger Lewentz (SPD) kommt gar nur auf 11 Prozent.

    Als Bildungsministerin ist Ahnen viel im Land unterwegs. Bei ihren zahllosen Auftritten hat sie sich offenbar den Ruf einer undogmatischen, fachlich versierten Politikerin erworben. Bereits 2006 hatte Ahnen in der Nachfolgedebatte die besten Umfragewerte erhalten - damals für den Fall, dass Kurt Beck von der Staatskanzlei endgültig nach Berlin wechseln würde.

    Doch die besten Umfragewerte ändern nichts daran, dass Doris Ahnen in der SPD nicht mehr als künftige Ministerpräsidentin gehandelt wird. Die Gründe sind altbekannt: zu sehr Bildungspolitikerin, zu wenig Generalistin; zu wenig Hausmacht in der Landespartei; kein Typ Landesmutter.

    Lewentz punktet stärker

    Im Moment scheint sich vielmehr Roger Lewentz auf die Position des Ersten Stellvertreters zu schieben. Ihm traut man am ehesten zu, 2016 die so eloquente wie mediengängige CDU-Oppositionschefin Julia Klöckner zu schlagen. Hendrik Hering hat das rot-grüne Bündnis zwar geschickt gefestigt, aber er konnte seine Außenwirkung noch nicht gravierend verbessern.

    Entschieden ist freilich nichts. Erstens haben Hering und Lewentz sich wohl noch nicht geeinigt. Zweitens macht Kurt Beck keinerlei Anstalten, das Drängen aus Teilen seiner Partei zu erhören und das Feld früh zu räumen. Offenbar hat Beck einfach keine Lust, sich schon bald ins Privatleben zurückzuziehen. Der Job macht ihm Spaß. Und Doris Ahnen? Will sie aufsteigen, müsste sie vielleicht doch nach Berlin gehen. Zum Beispiel nach der Bundestagswahl 2013 - als Bundesbildungsministerin.

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

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