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  • Businessplan: Das Märchenbuch der SYT

    Rheinland-Pfalz. Manche Träume sind einfach zu schön, um wahr zu werden: Die chinesischen Investoren der Shanghai Yiqian Trading (SYT), die am Ende durch eine gefälschte Bankbescheinigung von sich reden machten, versprachen dem Flughafen Hahn äußerst rosige Zeiten. Die dreiseitige Kurzfassung des Businessplans, der die künftige Geschäftsentwicklung skizzieren sollte, liest sich wie ein "Wünsch dir was". Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nannte die Pläne im Nachhinein "extrem ambitioniert", andere Stimmen finden sie eher hanebüchen.

    Wann landet auf dem Flughafen Hahn endlich ein Retter mit dem nötigen Kleingeld und einer realistischen Vision für die Zukunft in der Tasche? Der Hunsrück-Airport gerät nach dem Scheitern der jüngsten Verkaufsverhandlungen zunehmend unter Druck. Das Geld wird knapp. 
    Wann landet auf dem Flughafen Hahn endlich ein Retter mit dem nötigen Kleingeld und einer realistischen Vision für die Zukunft in der Tasche? Der Hunsrück-Airport gerät nach dem Scheitern der jüngsten Verkaufsverhandlungen zunehmend unter Druck. Das Geld wird knapp. 
    Foto: dpa

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Auch wenn die Langfassung mit zahlreichen Zahlen und Diagrammen unterlegt wurde, liefern die Ideen der vermeintlichen Investoren Stoff zum Staunen. Es wimmelt von Millionensummen, die in den nächsten Jahren in den Hahn-Airport gesteckt werden sollten. Sie schwanken je nach Szenario zwischen 56 Millionen Euro und 215 Millionen Euro. Das ist reichlich, wenn man bedenkt, dass der Flughafen Hahn derzeit im Jahr rund 17 Millionen Euro Minus macht. Umgerecht ist das ein Defizit von 1,4 Millionen Euro im Monat. Wer den Flugbetrieb retten will, muss also richtig viel Geld in die Hand nehmen - auch wenn das Land noch einen letzten Rest an staatlichen Subventionen zahlen darf.

    "Visionäre Führung"

    Das Hirn des Businessplans war offenbar der Generalbevollmächtigte der Shanghai Yiqian Trading (SYT): der Pilot und Projektentwickler Yu Tao Chou. Er war es auch, der die Pläne der SYT im Hunsrück der Öffentlichkeit präsentierte - gemeinsam mit dem jugendlich wirkenden Kyle Wang, einem der Gesellschafter. Im Geschäftsplan ist von der "visionären Führung von Dr. Chou" die Rede. Und seiner nahezu fantastischen "HHN Agenda 2020 Strategic Marketing Initiative". Wäre sie Wirklichkeit geworden, hätte sich selbst die Fraport als Betreiberin des Frankfurter Flughafens warm anziehen müssen. Und jeder andere Großflughafen in Deutschland.

    Chou entwickelte den kühnen Plan, "vier oder mehr führende, international tätige chinesische Frachtfluggesellschaften bis zum Jahr 2020 nach Frankfurt-Hahn" zu bringen. Auf diese Weise sollte das Frachtaufkommen von derzeit knapp 80 000 Tonnen (2015) auf imposante 1,2 Millionen Tonnen im Jahr gesteigert werden. In seinen besten Zeiten schlug der Flughafen Hahn 2011 exakt 286 416 Tonnen um. Dieser Spitzenwert hätte vervierfacht werden müssen. Der Megaflughafen in Frankfurt hat übrigens ein Frachtaufkommen von gerade mal 2,08 Millionen Tonnen, beim Flughafen Charles-de-Gaulle in Paris sind es 2,09 Millionen Tonnen. Der Airport London Heathrow - 2014 der drittgrößte Flughafen weltweit - 1,58 Millionen Tonnen.

    In dieser Liga hätte der Hahn künftig spielen müssen. Mit einer Investorenfirma im Rücken, deren Firmenzentrale eher den Charakter einer provisorischen Kleinstfirma trug. Möglicherweise haben sich der visionäre Herr Chou und seine Mitstreiter mächtig verhoben. So richtig misstrauisch waren aber dennoch offenbar weder die hoch bezahlten Berater von KPMG noch die Profis der Landesregierung.

    Realisieren wollten Dr. Chou & Co. ihre Visionen über die globale Sky Team Cargo Allianz (Sitz: Amsterdam), in der sich große Frachtflugunternehmen zusammengeschlossen haben. Als Geschäftspartner wurden zudem unter anderem die China Constructing Group und die China State Construction Engeneering avisiert, alles Riesenkonzerne. Dr. Chou dachte vor allem groß.

    Dazu passte auch: Die chinesischen Investoren von SYT setzten fest auf Yangtze River Express, eine Frachtfluglinie, die zum Megaunternehmen HNA Gruppe gehört. Nur, dass die Muttergesellschaft möglicherweise nicht besonders gut über die Aktivitäten ihrer Tochter Bescheid wusste und gleich nach Bekanntwerden des Hahn-Deals den kompletten Yangtze-Vorstand feuerte.

    Chous Geschäftsmodell sollte die komplette "Blue Banana-Region" (Blaue Bananen-Region) von Mailand und Turin bis London umfassen. Offenbar wollte die SYT den gesamten europäischen Frachtflugmarkt vom Hahn aus aufrollen.

    Altenwohnheim und Luxushotels

    Laut Businessplan wäre den Chinesen einfach alles gelungen: keine Entlassung, ein sozialverträglicher Umgang mit der Belegschaft. Der Hahn wäre Standort für Gesundheits- und Bildungseinrichtungen geworden, hätte seinen Strom aus erneuerbaren Energien gewonnen, um sich selbst zu versorgen. Zudem wollte SYT ein Altenwohnheim und Luxushotels bauen sowie die Hunsrückbahn reaktivieren. Das Passagiergeschäft sollte zu neuen Höhenflügen ansetzen - durch Kooperationen und Ziele in Asien. Eine Flugakademie samt Stundentenwohnheim wäre ebenfalls entstanden. Und sogar von einer Gewinnbeteiligung für Rheinland-Pfalz war an einer Stelle die Rede. Der Landesregierung muss das Wasser im Munde zusammengelaufen sein. Im Gegenzug nahmen sich die knapp 73 Millionen Euro an staatlichen Fördergeldern fast schon bescheiden aus.

    Das alles könnte aufgrund des "einmaligen Netzwerks aus belastbaren, persönlichen Geschäftsbeziehungen möglich werden", heißt es in dem Businessplan. Sogar eine zweite Start- und Landebahn sollte im Hunsrück errichtet werden. Eine Asphaltpiste, die offenbar selbst für die rheinland-pfälzischen Grünen kein großes Problem mehr darstellte. Waren auch sie in den Bann des visionären Dr. Chou geraten?

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