40.000
  • Startseite
  • » Panorama
  • » Trotz Protesten: Kastanien in der Lesselallee werden gefällt
  • Trotz Protesten: Kastanien in der Lesselallee werden gefällt

    Mainz/Wiesbaden. Motorsägen jaulen, Holz birst - die Lesselallee auf der Maaraue beim Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim ist Geschichte. Die Stadt Wiesbaden hat die mehr als 100 Jahre alten Baumriesen auf einer Länge von mehreren Hundert Metern fällen lassen.

    Bis zuletzt haben Menschen für die Kastanien auf der Maaraue zwischen Mainz und Wiesbaden demonstriert – umsonst. 
    Bis zuletzt haben Menschen für die Kastanien auf der Maaraue zwischen Mainz und Wiesbaden demonstriert – umsonst. 
    Foto: Bernd Eßling

    Von unserer Mitarbeiterin Gisela Kirschstein

    Ich bin schockiert", sagte Marion Mück-Raab von der Bürgerinitiative "Rettet unsere Kastanien": "Gegen Gutachten, gegen Bürgerbegehren und gegen jede Vernunft werden hier Fakten geschaffen."

    Der Streit über die Fällung der stolzen Allee läuft seit Monaten, Gutachten über Gutachten wurden verfasst, Tausende Unterschriften gesammelt und ein Kompromissvorschlag zur behutsamen Erneuerung der Allee vorgelegt. Doch alles Bemühen um die Bäume, die Teil eines wichtigen Naherholungsgebietes für Wiesbadener wie Mainzer sind, war vergebens.

    Noch vor wenigen Tagen hatten sich die Baumschützer mit einem eindringlichen Appell an den Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich (SPD) gewandt. Gerich sollte dafür Sorge tragen, dass die Fällung der Lesselallee ausgesetzt wird, bis ein am 29. Oktober gestartetes Bürgerbegehren abgeschlossen ist. "Geben Sie uns Zeit für diese demokratische Abstimmung", schrieben die Baumschützer an Gerich. Umsonst.

    Die Stadt Wiesbaden hat mit dem Fällen der Bäume begonnen.
    Die Stadt Wiesbaden hat mit dem Fällen der Bäume begonnen.
    Foto: Bernd Essling

    Der Wiesbadener Ordnungsdezernent Oliver Franz (CDU) ließ die Fällarbeiten am Dienstagmorgen um 6 Uhr anlaufen und durch ein Großaufgebot von mehr als 100 Polizisten absichern. Die komplette Rheinhalbinsel Maaraue wurde abgesperrt, Vertreter der Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung wurden ebenso am Zugang gehindert wie Journalisten, Jogger und der Briefträger. Franz rechtfertigte die Aktion damit, dass es "der Respekt vor demokratischen Gremien" gebiete, deren Entscheidung zur Fällung umzusetzen. Zudem seien "alle Bäume krank" und die rechtlichen Auseinandersetzungen abgeschlossen. "Es gibt kein schwebendes Verfahren mehr", sagte Franz.

    Das aber ist falsch: Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hatte am Montagabend um 16.52 Uhr eine Beschwerde beim Verwaltungsgericht Wiesbaden gegen die Fällgenehmigung eingelegt. Auch haben mehrere Gutachter dem Großteil der Bäume - etwa 50 Stück - bescheinigt, durchaus vital und lebensfähig zu sein. "Das ist eine Riesensauerei", sagte die Mainzer Bundestagsabgeordnete Tabea Rößner (Grüne). "Die Stadt hat Angst vor einer rechtlichen Prüfung, und sie hat Angst vor ihren Bürgern", sagte Mück-Raab. Franz gehe es um eine "reine Machtprobe", damit beschädige der Dezernent aber die Demokratie und den Rechtsstaat. OB Gerich wiederum habe seinen eigenen Anspruch an Bürgernähe ad absurdum geführt. "Das ist nicht mehr unser Oberbürgermeister", fügte Mück-Raab hinzu, "Wiesbaden ist nicht mehr unsere Stadt."

    Baumskandal in Wiesbaden: 53 gesunde Kastanien gefällt?Lesselallee: Alte Kastanien werden fallen Kostheim: Kastanienallee wird zur Protestmeile